Stieghorst, Habichtshöhe, Hermannsweg, Etappe „Habichtshöhe – Hermannsdenkmal“

Parkplatz Habichtshöhe

Hermannsweg, Etappe „Habichtshöhe – Hermannsdenkmal“

Der Hermannsweg von Rheine nach Leopoldstal ist sicherlich der bekannteste Wanderweg in unserer Region. Trotzdem ist es dort über weite Strecke recht einsam, vor allem im westlichen und mittleren Teil. Die hier beschriebene Strecke wird dagegen viel frequentiert, von Spaziergängern, Wanderern, Walkern, Joggern, Hermannsläufern, Mountainbikern und sogar Reitern. Das liegt schon alleine daran, dass drei Städte am Weg liegen: Bielefeld, Oerlinghausen und Detmold. Aber keine Sorge, auf den ca. 27 Kilometern verteilt sich das ganz gut. Und es ist hier natürlich deutlich ruhiger als auf der Bielefelder Promenade von der Sparrenburg zur Habichtshöhe, meiner letzten Etappe.

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Wegespinne auf dem Kamm des Teutoburger Waldes

Die Wanderer, die schon aus Rheine kommen, wechseln in Bielefeld vom Natur- und Geopark TERRA.vita (ehemals Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald – Wiehengebirge) zum Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald. Der durch das Projekt Hermannshöhen perfekt betreute Hermannsweg ist gut ausgebaut und ausgeschildert, verlaufen unmöglich. Auch gibt es genug Literatur und Kartenmaterial.

Die traditionsreiche Habichtshöhe liegt an einer der wenigen innerstädtischen Straßen, die den Teuto überqueren, und zwar an der Bodelschwinghstraße 79 (fürs Navi). Es geht ab dem Parkplatz recht kräftig bergauf, aber bevor Sie in den Wald „eintauchen“, sollten Sie einen Blick auf das rechts des Weges liegende ehemalige Teutoburger-Wald-Heim von 1906 werfen. Das jetzt wieder sehr schön renovierte, palastartige, ehemalige Erholungsheim beinhaltet aber heute private Wohnungen und ist nicht zugänglich.

Auf dem Hermannsweg ersteigt man den Ebberg, der 309 Meter (am Eisernen Anton) hoch ist. Wenn man aber den Anstieg hinter sich hat, geht es oben relativ eben weiter bis zum nächsten Pass. An der Schutzhütte hat man noch einmal einen schönen Ausblick über Bielefeld. An der kurz davor gelegene Wegespinne kreuzt ein alter Weg in die Senne den Kamm, den man heute noch als tiefen Hohlweg erkennen kann. Und heute noch verläuft der Hermannsweg hier auf der Grenze zwischen den Stadtbezirken Stieghorst im Norden und Senne im Süden. Der schöne Grenzstein, den Sie dort oben finden und der die Jahreszahl 1890 trägt, hat damit allerdings nicht viel zu tun, denn er markiert den Besitz der in Bielefeld bekannten Familie von Spiegel vom Spiegelschen Hof (Kreuzstr., heute NaMu), zu dem auch der Togdrang, die waldreiche, dem Kamm hier südlich vorgelagerte Gegend, gehörte. Dementsprechend sind die Symbole auf dem Grenzsteins keine Blumen, wie man meinen könnte, sondern die drei Spiegel des Familienwappens.

Grenzstein der Familie von Spiegel

Schon bald gelangen Sie nun zur Osningstraße, die am Hotel-Restaurant Eiserner Anton den Teutoburger Wald überquert. Auf asphaltiertem oder gepflastertem Weg kommen Sie zu dem aus Stahl errichteten Aussichtsturm von 1895, Bielefelds kleinem Eiffelturm, dem Eisernen Anton. Dass hier nicht immer nur flaniert wurde, sondern die meiste Zeit sehr hart gearbeitet werden musste, erkennt man an den vielen beeindruckenden, mehrstämmigen Buchen, die Überbleibsel der ehemaligen Niederwaldwirtschaft sind. Die prächtigen „Kletterbäume“ entstehen, wenn die Bäume, die früher regelmäßig zur Holzgewinnung bis auf den Stumpf zurückgeschnitten wurden, wieder ausschlagen und durchwachsen können.

Über die Lämershagener Treppen steigen Sie in der Nähe der Autobahn A2 vom Ebberg hinunter. Die Treppenanlagen sind besonders bei den Teilnehmern des Hermannslaufes gefürchtet, die den Hermannsweg andersherum ablaufen und deswegen hier eine der letzten kräftigen Steigungen überwinden müssen.

Am Gasthaus Deppe in Lämershagen teilt sich der Wanderweg in eine südlich und eine nördliche Variante. Die südliche Strecke umwandert in vielen Windungen die Verwallung der ehemaligen Bergfestung Hünensaut, führt durch den Markengrund und ist 1,9 km länger. Die nördliche Variante führt schnurgerade durch das Tal unterhalb der Lietegge und ist auch schön. Der wieder zusammengeführte Weg führt weiter durchs Tal, umgeht südlich den Hof Brinkmann und schon sieht man Oerlinghausen mit dem Tönsberg vor sich liegen.

Erster Blick auf Oerlinghausen (4/11)

Bevor man in der Stadt ankommt, erreicht man noch den schönen Schopkebach.

Oerlinghausen, die erste lippische Stadt, wenn man auf dem Hermannsweg ostwärts wandert, ist natürlich eine eigene Reise wert. Mit dem Archäologischen Freilichtmuseum, dem bekannten Segelflugplatz und dem alten Stadtkern hat sie eine Menge zu bieten. Auch der Hermannsweg führt an der evangelisch-reformierten Pfarr- oder Alexanderkirche vorbei, einer dreijochigen Hallenkirche aus dem frühen 16. Jahrhundert. Ein paar Meter weiter liegen die ehemalige Synagoge und der malerische, alte, jüdische Friedhof. Dann kommen Sie an der Jugendherberge vorbei und haben schon fast den Kamm des langgezogenen Tönsberges erreicht. Den vorausliegenden, wappenbesetzten Windmühlenstumpf von 1752 nennen die Oerlinghausener Kumsttonne, weil er einem Sauerkrautfass (Sauerkraut = Kumst) ähnelt.

„Kumsttonne“ in Oerlinghausen (4/11)

Die Kumsttonne zierte als Wahrzeichen der Stadt sogar das Oerlinghausener Wappen, bis sie durch das Segelflugzeug abgelöst wurde. Oben auf dem Tönsberg gibt es ab dem Berggasthof Tönsberg eine Menge zu besichtigen, vorbei an diversen Denkmälern gelangt man zur altsächsischen Wallburg Tönsberglager mit Kapellenruine. Hinweistafeln erläutern das Wichtigste.

Über die Wistinghauser und die Stapelager Schlucht erreicht man die Waldgaststätte Bienen-Schmidt. Die beiden Schluchten tragen ihren Namen allerdings kaum zu recht, denn es sind eher flache Einsattelungen zwischen Tönsberg, Hunneckenkammer und Stapelager Bergen.

Bienen-Schmidt ist eine Top-Adresse für Wanderer. Hier liegt auch der Wanderparkplatz Bienen-Schmidt / Hörste. Selbst wenn die Gaststätte eigentlich geschlossen ist, können Sie sich auf den Bänken des schönen Biergartens erholen. Ab hier ändert sich das Bild des Hermannswegs, was am Einfluss der südlich gelegenen Senne liegt. Der Weg führt mehr und mehr durch Sand, Kiefern bestimmen die Flora, schließlich windet sich der Weg durch richtiges Dünengelände. Vorbei an den Rethlager Quellen gelangt man zum Campingplatz Quellental in der Dörenschlucht und über die Augustdorfer Straße (L 758) zum Wanderparkplatz Fischerteich am Freibad. Man verlässt den äußeren Siedlungsbereich der Stadt Detmold (Ortsteil Pivitsheide V.L.-Kussel) allerdings gleich wieder und wandert durch – durch den Orkan Kyrill teilweise arg in Mitleidenschaft gezogene – Kiefernwälder. So gelangt man zu dem wirklich idyllisch gelegenen, aber etwas überlaufenen Donoperteich. Im dazugehörigen Naturschutzgebiet gibt es viele Spazierwege (und Spaziergänger). Am Wanderparkplatz Hiddeser Bent und Donoper Teich steht auch einen Kiosk. Der Donoper Teich entstand schon im 17. Jahrhundert durch Aufstauen des Hasselbachs. Eine seiner Quellen ist wegen ihres Eisengehalts bekannt geworden und befindet sich nördlich des Teichs. Der Hermannsweg führt weiter zum Krebstteich, der sein Wasser aus dem Hiddeser Bent (Bent = Moor / Sumpf) bezieht, den der Wanderweg leider nur streift.

Erster Blick aufs Hermannsdenkmal (4/11)

Man überquert die Lopshorner Allee und erreicht durch schön durchmischten Wald eine Schutzhütte, von der aus man einen schönen Blick auf das heutige Etappenziel, das Hermannsdenkmal, hat. Man wandert nun durch das malerische Heidental zum Kaiser-Wilhelm-Weg. Der Weg steigt dabei immer stärker an und der sogenannte Gemsensteig, über den der Wanderweg zum Hermannsdenkmal hinaufführt, gehört sicherlich zu den steilsten Teilstrecken des gesamten Hermannswegs. Um so mehr hat man sich dann die Erholung am Denkmal auf der Grotenburg oder im nahegelegenen Restaurant verdient. Hier gibt es nicht nur die Aussicht und das Hermannsdenkmal zu besichtigen, sondern auch vieles andere wie die Bandelhütte, den Bismarckstein, einen Kletterpark usw. Und hier gibt es selbstverständlich auch einen großen Parkplatz.

Haben Sie die gesamte Strecke von der Bielefelder Habichtshöhe bis zum Detmolder Hermannsdenkmal geschafft, haben Sie die Etappen 2 bis 6 des östlichen Hermannswegführers von Horst Gerbaulet (siehe meine Seite Literatur, oben) erwandert. Es sind jetzt nicht mal mehr 20 (allerdings schwere) Kilometer zum lippischen Velmerstot hinter Horn-Bad Meinberg. Viel Spaß noch!

Hermannsdenkmal (4/11)

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