Halle, Grünenwalde, „Relikte des Haller Bergbaus“

Wanderparkplatz Grünenwalde (fürs Navi: Wertherstr. 84)

Rundwanderweg „Relikte des Haller Bergbaus“ (ca. 4,5 Kilometer)

Wenn man an Halle in Westfalen denkt, fällt einem wahrscheinlich zuerst das jährlich stattfindende Tennisturnier im Gerry-Weber-Stadion ein, eventuell auch die gleichnamige Modefirma oder der Süßigkeitenfabrikant Stork. Historisch Interessierten ist die enge Verbindung zur Grafschaft Ravensberg bekannt oder die schöne Fachwerk-Innenstadt und Wanderer denken wahrscheinlich an den Teutoburger Wald, der im Norden des Städchens liegt. Aber wer denkt bei Halle (Westf.) an Bergbau?

GPSies - Halle, Grünenwalde, „Relikte des Haller Bergbaus“Und doch gab es seit dem Anfang der Frühen Neuzeit in Halle Kohle- und Erzberbergbau, sowohl mit Stollen und Gruben als auch mit wesentlich primitiveren Methoden an der Erdoberfläche. Der Bergbaulehrpfad „Relikte des Haller Bergbaus“ ist ein 4,5 Kilometer langer Rundweg und erinnert an diese Tradition. Fünf Stationen und eine Übersichtskarte sind augebaut, aber leider ist die Wegführung nicht gekennzeichnet. Ich habe auch keine Karte gefunden (außer auf der Übersichtstafel), auf der der Weg eingezeichnet ist, so dass es nützlich sein könnte, die unten abgebildete Google-Karte zu verwenden. Falls ein Leser etwas über eine Karte mit diesem Rundweg weiß, möge er die Kommentarfunktion nutzen. Dazu kommt, dass einige der beutzten Wege aufgelassen oder im Verschwinden begriffen sind.

Bis 1922 befand sich am Ende der Wertherstraße noch ein Schlagbaum, an dem das Chaussee-Geld entrichtet werden musste. Lange Zeit war im ehemaligen Haller Ortsteil Odendorf aber vor allem das Ausflugslokal Grünenwalde bekannt, später als Flamingo-Bar. Dann sah man lange Jahre nur noch eine hässliche Brandruine, die aber mittlerweile abgeräumt ist. Einige Meter weiter kann man aber sein Fahrzeug abstellen und sich auf der Übersichtstafel, die sich hier befindet, einen ersten Überblick verschaffen.

Von hier aus führt der erste Abstecher an der von einem Fuß- und Radweg begleiteten Theenhausener Straße entlang zur Station Nr. 1, dem Mundloch des Katharinenstollens der ehemaligen Zeche „Vereinigte Arminius“, der hier in den Teutoburger Wald getrieben wurde.

Mundloch des Katharinenstollens
Mundloch des Katharinenstollens

Auch einige Gebäudereste und die als Allee gestaltete Zufahrt erinnern daran, dass hier eine Zeit lang geschäftiges Treiben an der Tagesordnung war, und zwar bis 1860 und dann noch einmal in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Nachdem man sich ein wenig umgesehen hat, muss man von hier aus wieder zurück zum Wanderparkplatz Grünenwalde gehen. Dann folgt man der Wertherstraße, auf der hier kurzzeitig auch der Hermannsweg und der Weg für Genießer verlaufen, weiter bergauf. Und zwar geht es hier wirklich recht kräftig bergauf, denn es gilt, die südöstliche Flanke der Großen Egge zu „erklimmen“. Nach dem Passieren einer kleinen Siedlung und dem Genießen der tollen Aussicht über Halle kommt man an einer Schutzhütte in den Wald.

Schon beim Anstieg sieht man an der Geländestruktur, dass hier nicht alles „natürlich gewachsen“ ist. Manche Erhebung entpuppt sich als überwachsene Abraumhalde, manche Absenkung als künstlich angelegte Durchfahrt o. Ä.

Bald muss man den H-Weg in einem scharfen Linksknick nach rechts verlassen und auf einem schönen Waldweg wieder etwas bergrunter spazieren. Der Weg teilt sich bald. Wir müssten eigentlich die linke, langsam verschwindende Wegvariante leicht berghoch nehmen, gehen aber noch ca. 50 Meter Meter weiter auf dem rechten, größeren Weg. Man sieht zur Rechten einen waagerecht in den Berg hineinführenden Weg. Auch wenn das Schild zur zweiten Station fehlt, kann man am Geländeprofil einen alten Stolleneingang erkennen. Die große landwirtschaftliche Anlage, die man unterhalb des Waldes sieht, ist übrigens die sehr alte Hofstelle Schneiker.

Grasweg Stempel DSCF1166
Ganz unterschiedliche Wegearten machen den Rundweg abwechslungsreich.

Waldboden-Weg Stempel DSCF1181Schotterweg Stempel DSCF1157

Nachdem man alles erkundet hat, geht man wieder die paar Meter zurück bis zur Weggabelung, um jetzt die bergan führende Abzweigung zu nehmen. Man muss sich links hoch durch den Wald „kämpfen“, der langsam den Weg überwuchert, bis man auf eine große Wegespinne trifft.

Hier verläuft auch wieder der Hermannsweg, der aber nach links abzweigt, während unser Bergbauwanderpfad noch ein Stück weit auf dem unteren Hauptweg entlangführt. Bald schon kommt Station 3. Dieses Mal weist ein Schild auf das wild zerklüftete Pingenfeld hin, das sich hier befindet. Pingen sind Überbleibsel einer besonders einfachen Form des Bergbaus (meist Erzbergbaus). Hier versuchten (i.d.R.) Laien, sich an der Oberfläche in den Hang zu arbeiten und Rohstoffe zu finden. Indem der Abraum auf der Hangseite – unterhalb der Pinge – abgelagert wurde, entstanden trotz Überwachsung leicht erkennbare „Löcher“ in der Erde. Und von denen gibt es hier recht viele, so dass man von einem Pingenfeld sprechen kann.

Ehem. Stolleneingang
Ehem. Stolleneingang

Man geht nun richtig quer durch den Wald und kommt auch ohne Pfad zum nächsthöher gelegenen Weg. Man kann sich an den Wildwechseln orientieren oder versucht sein Glück einfach so. Man passiert ein Feld uriger, moosüberzogener Baumstümpfe.

Oben am Weg findet man wieder einen alten Stolleneingang, diesmal mit einem Hinweisschild, Station 4. Hier ist der Weg zum Mundloch noch besonders gut zu erkennen. Daraufhin folgt man dem recht naturbelassenen Weg weiter nach Nordosten, bis zum nächsten rechtwinkligen Abzweig nach links. Oberhalb sieht man schon den Sendemast auf der Großen Egge. Dort hinauf muss man nun und trifft an der Anlage auf den Kammweg, natürlich auch auf den Hermannsweg.

Dem folgt man nun zurück zu der oben angesprochenen Wegespinne und von da aus zum Wanderparkplatz Grünenwalde. Vorher kommt man noch an einer besonders großen Erzpinge direkt auf dem Kamm des Teutos vorbei (Station 5), am Gipfel der Großen Egge (312 m) und an der Abbruchkante eines aufgelassenen Steinbruchs – so vermute ich. Dieser befindet sich direkt hinter der scharfen und steil bergab führenden Linkskurve des Hermannwegs. Von unten kann man sich später einen besseren und vor allem sicheren Überblick verschaffen. Wer hierüber etwas weiß, möge auch einen Kommentar senden.

Auch wenn der Weg nur 4,5 Kilometer lang ist, wird der Spaziergänger länger als eine Stunde benötigen. Dies liegt an den kräftigen Steigungen und an den interessanten Informationen, die unterwegs „zu bewältigen“ sind.


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