Weidenbach, Premiumweg P16 Asbach-Sickenberg

Wanderparkplatz Weidenbach (fürs Navi: oberhalb von Mackenrode, Dorfstr. 2)

Premiumweg P16 Asbach-Sickenberg (ca. 15,9 km; ca. 4½ Std. plus Pausen und Einkehr)

Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land (ehem. Meißner-Kaufunger Wald) im östlichsten hessischen Landkreis, dem Werra-Meißner-Kreis, betreibt 25 zertifizierte Premiumwanderwege. Einer davon, nämlich der Premiumweg 16 (für viele weitere Informationen den Link anklicken!) liegt zum allergrößten Teil sogar schon hinter der hessischen Grenze im thüringischen Eichsfeld, verläuft also hauptsächlich im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal.

Der Wanderweg dreht eine Runde um den thüringischen Teil des Allendorfer Stadtwaldes bzw. um die Erhebung Auf dem Stein, einem nördlichen Ausläufer der Gobert. Die Gegend wird „tourismuswirksam“ auch Eichsfelder Schweiz genannt. Neben den natürlichen Besonderheiten dieses Muschelkalk-Plateaus bietet der Weg am heutigen Grünen Band auch viel Historisches, z. B. zur innerdeutsches Grenze.

Wir beginnen unsere Wanderung in Weidenbach, einem Ortsteil der Gemeinde Mackenrode, damit wir ungefähr zur Halbzeit der Tour die Einkehrmöglichkeit in Asbach nutzen können. Dadurch wird der Weg länger, denn zur eigentlichen „Premiumrunde“ kommen am Anfang und am Ende noch je ca. 800 Meter Zuweg dazu.

Wanderwegweiser am Premiumweg P16

Vom Wanderparkplatz Weidenbach geht es also durch einen alten Hohlweg hinauf zum Waldrand und im Wald weiter zur sogenannten Alten Landstraße. Dieser heutige Forstweg verbindet seit dem Mittelalter Weidenbach mit Asbach und Sickenberg und der Burg Altenstein, von wo aus die Herrschaft über die Dörfer ausgeübt wurde. Ich vermute deswegen, dass auch unser Zuweg Teil dieser Alten Landstraße ist, konnte aber keinen Nachweis dafür finden.

Wir biegen links ab in einen schmalen Waldweg und beginnen mit dem Aufstieg auf den Rachelsberg. Schon bald sehen wir im Wald historische Grenzsteine von 1837 mit den Aufschriften KH (Kurhessen) und KP (Königreich Preußen) und fragen uns, was die hier oben machen, wo die Grenze zwischen Hessen und Thüringen doch weiter südlich liegt. Andererseits bietet sich diese obere Grenzlinie an, denn sie verläuft entlang einer Felswand aus Muschelkalk.

Der Rachelsberg ist komplett bewaldet und der Waldboden ist im April zugedeckt mit diversen Frühblühern, allen voran den schönen Buschwindröschen. Am Gipfel angekommen kann man die Rastgelegenheiten nutzen und die hervorragende Fernsicht genießen. Dann geht es sehr steil hinunter in die Hessellücke. An der großen Wegespinne auf diesem kleinen Pass befindet sich auch eine Wanderkarte. Wir gehen von hier zurück nach Norden, zumindest vorerst, denn der Weg biegt bald wieder nach Westen ab zur Burgruine Altenstein.

Burgruine Altenstein

Die Höhenburg aus dem 13./14. Jahrhundert, die ehedem die ganze Gegend beherrschte, liegt heute als Ruine in der Waldeinsamkeit. Dabei hat sie nicht der Lauf der Jahrhunderte zerstört, sondern das DDR-Grenzregime sprengte sie im Jahr 1973, da sie sich im Nahbereich des Eisernen Vorhangs befand. Auf dem Burgareal befinden sich heute eine Schutzhütte und andere Rastmöglichkeiten.

Versteckt im Wald trifft man auf den Kolonnenweg

Von der Ruine geht es dann hinunter zum Kolonnenweg der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Heute verläuft hier die Grenze zwischen den Bundesländern Thüringen und Hessen. Denn im Wanfrieder Abkommen vom 17. September 1945 kam es hier zu einem Gebietstausch zwischen den sowjetischen und den US-amerikanischen Besatzungsmächten, um die Bahnlinie Bebra-Göttingen, die zuvor auf wenigen Kilometern durch die SBZ verlief und auf denen es häufiger zu Störungen kam, komplett unter westliche Kontrolle zu bringen. Während die thüringischen Dörfer, durch die die Bahntrasse verlief, zu Hessen kamen, wurden fünf hessische Dörfer, unter anderem Weidenbach, Asbach und Sickenberg – also grob der ehemalige Machtbereich der Burg Altenstein – Thüringen zugeschlagen. Eine Katastrophe für die Bewohner, die dadurch über Nacht nicht nur in die sowjetisch-besetzte Zone gelangten, sondern in der Folge auch in das Grenzsperrgebiet. Allerdings gelang einigen Familien auch die Flucht in den Westen. Deswegen gibt es also die historischen Grenzsteine auf dem Rachelsberg und die neuere Grenze etwas weiter südlich, die heute noch zwischen Hessen und Thüringen ihr Gültigkeit hat – zum Glück mittlerweile ohne die fast undurchdringlichen Grenzbauwerke der DDR.

Wir folgen dem Kolonnenweg der Grenzsicherungstruppen, also dem heutigen Naturschutzprojekt „Grünes Band Deutschland“ bis nach Asbach. Streckenweise verläuft der Weg genau auf der Grenze am Alten Hainsbach. Schließlich verlassen wir den Premiumweg P16 kurz, um in das schmucke Dorf Asbach zu wandern. Über die Dorfstraße erreichen wir das Restaurant-Café Schmiede, wo wir uns bei leckerem Mittagessen eine verdiente Pause gönnen.

Nur noch ein paar Schritte bis Asbach

Über die Dorfstraße geht es dann auch wieder hinauf zum Wanderparkplatz Asbach, auch WP Alter Steinbruch genannt, an dem die meisten Wanderer in den Premiumweg einsteigen werden. Am Waldrand des Lindenbergs geht es weiter zum kleinen Dorf Sickenberg, wo es noch einmal eine Einkehrmöglickkeit gibt, das Hofcafé Sickenberg.

Dahinter führt unsere Tour über den Pfarrweg durch das Tal nördlich des Lindenberges. Man sieht zum ersten Mal die Felswand des Dietzenröder Steins und fragt sich, ob man dort wohl hinauf müsse. Die Antwort lautet ja und der Aufstieg beginnt gleich hinter Sickenberg. Er führt durch den dichten Wald und wird immer steiler, bis zum Schluss nur noch Treppen helfen, die Höhenmeter zu schaffen.

Blick hinauf zum Dietzenröder Stein

Oben angekommen entschädigt ein fantastischer AusBblick über die felsige Abbruchkante für die Anstrengungen. Hat man genug geruht, geht es im Wald weiter zum Vatteröder Stein, einem weiteren Aussichtspunkt. Von hier geht der Blick eher nach Norden, z. B. nach Vatterode im Walsetal.

Oben angekommen. Aussichtspunkt auf dem Dietzenröder Stein

Unser Premiumwanderweg P16 erreicht nun eine besser ausgebaute Forststraße, aber für eine gewisse Strecke gibt es noch einen schönen, schmalen, parallelen Pfad. Über die Forststraße erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt unserer herrlichen Runde und den Zuweg, welcher uns hinunter zum Wanderparkplatz Weidenbach führt.

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