Müden (Örtze), Am Lönsstein / Wietzer Berg, W4 „Sagenhafte Sicht im Elfenland“. Kurze Tour

Wanderparkplatz Am Lönsstein / Wietzer Berg (fürs Navi: Faßberg, Hermannsburger Str.)

Rundwanderweg W4 „Sagenhafte Sicht im Elfenland“. Kurze Tour (ca. 5,5 km; ca. 1¼ Std.)

GPSies - Müden (Örtze), Am Lönsstein / Wietzer Berg, W4 Sagenhafte Sicht im Elfenland. Kurze TourAm Wanderparkplatz Am Lönsstein / Wietzer Berg beginnen drei Varianten des Rundwanderwegs W4 „Sagenhafte Sicht im Elfenland“: die kurze, die mittlere und die lange Tour. Die kurze Tour mit dem grünen Kreis konzentriert sich auf die Umgebung des Wietzer Bergs mit seiner schönen Heidefläche, hat also mit dem Bonsdorfer Elfenberg gar nicht zu tun, auch wenn das der werbewirksame Name des Wanderwegs 4 vermuten lässt. Aber auch so ist es ein sehr schöner Weg mit toller Fernsicht und genau wie in Arno Schmidts Zitat: „Gebt mir Flachland, mit weiten Horizonten, Kiefernwälder, süß und eintönig, Wacholder und Erica; und an der Seite muß der weiche staubige Sommerweg hinlaufen, damit man weiß, daß man in Norddeutschland ist.“

Dieses und andere Literatenzitate findet man am Rande des bekannten Heidschnuckenwegs, über den es zunächst hinauf auf den Wietzer Berg geht, auf dessen Kuppe sich der Lönsstein befindet. Er ziert auch das Wappen der Gemeinde Faßberg, zu der diese ganze Gegend gerechnet wird. Beim leichten Aufstieg sieht man außerdem mehrere Grabhügel. Am interessantesten ist aber natürlich die wunderschöne Heidefläche und die weite Sicht nach Süden.

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Hinauf zum Wietzer Berg. Die Heideblüte beginnt langsam.

Hat man sich genug umgeschaut, geht es wieder hinab vom Wietzer Berg und in den nördlich anschließenden Wald. Darin erinnern Lindestein und Fritz-Flebbe-Stein an weitere Heideliebhaber. W4 erreicht nun den Siedlungsrand des Faßberger Ortsteils Müden (Örtze).  Über die Straßen Am Gehäge, Am Sägewerk und Heuweg erreicht man den Tierpark Müden. Hier befinden sich auch gute Parkgelegeheiten, sogar ein Wohnmobilstellplatz, so dass man auch hier sehr gut in den Rundwanderweg einsteigen kann.

Vom Heuweg biegen wir nach rechts, also nach Westen ab. Das Sträßchen Willighausen führt uns auf die gleichnamige Bauernschaft zu. Durch Wietzer und Müdener Feld erreichen wir wieder dem Wanderparkplatz, auf dem sich auch eine kleine Einkehrmöglichkeit befindet, der lüdde Löns.

Die kleine, aber typische Heidetour lohnt sich auch, wenn die Heide nicht blüht. Wer sich darüber informieren will, kann aber sicherheitshalber beim Heide-Barometer nachgucken. Weitere Infos zum W4 und tolle Fotos gibts auf lueneburger-heide.de.


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Steinhagen, Berghotel Quellental, S6

Wanderparkplatz Berghotel Quellental (fürs Navi: Steinhagen, Quellental 10)

Rundwanderweg S6 (ca. 5,1 km; ca. 1 Std.)

Auch dieser Wanderweg gehört in die Reihe „Leider verlorengegangene Wege“. Hinter (!) dem kultigen Berghotel Quellental steht noch eine alte Wandertafel, auf der der Weg S6 eingezeichnet ist. Er ist sehr ähnlich dem neuen A5, der bis vor Kurzem noch A7 hieß und der hier beschrieben wird.

GPSies - Steinhagen, Berghotel Quellental, S6Anders als der A5 nimmt / nahm der S6 den direkten, steilen Aufstieg zum Peter auf’m Berge. Am Pass befinden sich Wanderparkplatz und Einkehrmöglichkeit. Der Weg ist noch gut zu erkennen, wenn er auch zuwächst oder als Holzlagerplatz verwendet wird. Am Peter überquert man dann die L778 und wandert auf dem Hermannsweg nach Westen bzw. Nordwesten. S6 bleibt auch auf dem Kamm, während A5 weiter nördlich und tiefer am Hang entlangführt. Schließlich erreicht man eine große Wegespinne an einer gewaltigen, vielstämmigen Buche und auch A5 kommt von rechts hier an. Wie dieser führt S6 hier nach Süden durch den Hohlweg hinunter zum Schwedenpatt und zum großen Siek bei der Siedlungsstelle Langenberg. So hat man den Palsterkamper Berg quasi südlich umrundet.

Blick vom südl. Waldrand 20180715_104214
Blick vom südlichen Waldrand des Teutoburger Waldes

Man erreicht den südlichen Waldrand des Teutos und spaziert bei einer tollen Weitsicht zurück nach Osten. Man kann bei klarem Himmel nicht nur über Steinhagen und das Ravensberger Land sehen, sondern erblickt sogar die weit entfernte Paderborner Hochfläche mit ihren vielen Windrädern.

Über den Leberblümchenweg erreicht man wieder die zu überquerende Bielefelder Straße und den Ausgangspunkt am Berghotel Quellental.


Börninghausen, Balkenkamp, A9 = Reflexion – Wanderweg Wiehenturm

Wanderparkplatz Balkenkamp (fürs Navi: Preußisch Oldendorf, Auf dem Balkenkamp 1)

Rundwanderweg A9, identisch mit VitalWanderWelt Reflexion – Wanderweg Wiehenturm (ca. 5,8 km, ca. 1¼ Std.)

Schon lange gibt es im Preußisch Oldendorfer Ortsteil Börninghausen am Wiehengebirge den Rundwanderweg A9. Die VitalWanderWelt Teuto hat ihn „aufgepeppt“ zu einem Weg mit dem Namen „Reflexion – Wanderweg Wiehenturm„. Daran kann man schon sehen, das man auch gut am großen Wanderparkplatz Schwarzer Brink / Wiehenturm in den Weg einsteigen kann.

GPSies - Börninghausen, Balkenkamp, A9 = Reflexion - Wanderweg Wiehenturm

Ich beginne aber am kleinen Wanderparkplatz Balkenkamp, wo die Sträßchen Auf dem Balkenkamp, Burgstraße, Sachsenweg und der Wittekindsweg zusammentreffen. Man geht zunächst nach Westen zum Waldrand. Hier beginnt der eigentliche Rundweg A9. Wir nehmen die rechte Wegvariante, so erreichen wir schon bald den ersten „Erlebnispunkt der VitalWanderWelt“, „Versöhnen und Verzeihen“. Dahinter öffnet sich einer schöner Blick nach Norden zum Offelter Berg. Sicherlich lohnt es sich, die Zitate und Gedanken von Ringelnatz zu reflektieren, aber mehr noch locken die stillen und angenehm hügeligen Wälder.

Also geht es bald weiter und man spaziert auf einem gut ausgebauten Weg durch abwechslungsreichen Wald, bis man nach gut zwei Kilometern den Wiehenturm und seine Schutzhütte erreicht. Von der Aussichtsplattform des ca. 23,5 m hohen Turms auf fast 200 Meter Seehöhe hat man natürlich einen tollen Blick ins Eggetal im Süden, aber auch in die Norddeutsche Tiefebene nördlich des Wiehengebirges. Der Wiehenturm steht auf dem westlichen Sporn des Geisbergs, den man also auf Hin- und Rückweg zur Linken hat.

Blick vom Wiehenturm nach Norden 20180708_105636
Blick vom Wiehenturm nach Norden

Wenn man die 116 Stufen wieder hinuntergestiegen ist, kann man sich an der Station „Optimismus“ ein Beispiel an Karl Valentin nehmen.

Bekannte Wanderwege führen hier am Wiehenturm vorbei, z. B. der Limberg-Nonnenstein-Weg oder der Eggetaler-Panorama-Rundwanderweg. Nun führt der Weg, zunächst als nach Förster Max Nowara benannter Weg am Waldrand, dann wieder tiefer im Mischwald zurück zum Ausgangspunkt. Unterwegs passiert man den Erlebnispunkt „Glück“. Dessen Gedanken werden mit einem Voltaire-Zitat eingeleitet. Wer nun noch einkehren möchte, kann am Wanderparkplatz Balkenkamp mit seiner schönen Rastanlage vorbei das kurze Stück zum Forsthaus Limberg gehen. Dann kann man auch gleich die Burgruine nebenan besichtigen.


Bardüttingdorf Schule, A1

Wanderparkplatz Bardüttingdorf Schule (fürs Navi: Spenge, Kreuzfeld 162)

Rundwanderweg A1 (ca. 6,3 km, ca. 1½ Std.)

Im Spenger Ortsteil Bardüttingdorf gibt es die lokalen Wanderweg A1 bis A4, die jetzt alle bei WandererMartin gelistet sind, und die beiden Wanderparkplätze Bardüttingdorf Warmenau und Bardüttingdorf Schule. Eigentlich kann man alle Wege von beiden Startpunkten aus gut erreichen. Dieses Mal starte ich wieder an dem Parkplatz unter der gewaltigen Linde an der Schule.

GPSies - Bardüttingdorf Schule, A1Der Wanderweg A1 führt wie auch A2 und A3 zwischen der kleinen Grundschule und der Feuerwehr hindurch zum Sportplatz auf dem Westerland. Hinter dem „Stadion“ geht es über den Heinrich-Weber-Weg wieder hinunter zum Siedlungsteil Wichlingshauser Höfe. Hier biegen wir auf der Baringdorfer Straße links ab und kommen so zur Hauptstraße, zur Düttingdorfer Straße L922. So gelangen wir in die Siedlung Hengstenberg, wo der Königsbrücker Weg beginnt. Der heißt natürlich so, weil er zu dem gleichnamigen Schloss oder Gut führt.

Sobald man aus dem Wald hinauskommt, überquert man an der Niedermühle den Grenzfluss zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die Warmenau. Man sieht ein schönes Gebäudeensemble und hat auch den ersten Blick auf die Rückseite der Schlossanlage, auch auf das etwas höher gelegene Neuenkirchen mit der Christophoruskirche.

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Das Hauptgebäude des wunderschönen Schlosses Königsbrück

Schloss Königsbrück gehört sicherlich zu den schönsten Schätzen des Grönegaus. Wenn man durch das verschlossene Tor blickt, sieht man die noch übrigen dreigeschossigen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert in einer romantischen, von mehreren Gräften und der Warmenau umflossenen Anlage.

Ein paar Meter weiter führt ein Fußweg um das Schloss herum zu einer Fußgängerbrücke über die Warmenau, zurück in den Kreis Herford. Früher war hier die zentrale Zufahrt zum adeligen Wohnkomplex, weswegen der große Giebel auch in diese Richtung, nämlich Richtung Bielefeld und Grafschaft Ravensberg, schaut. Um so bedauerlicher ist es, dass die kleine Brücke jetzt wegen Baufälligkeit auch für Fußgänger gesperrt ist.

Man muss also den Fußweg wieder zurückgehen und links abbiegen und so in einem großen Bogen über den Königsbrücker Weg (Melle) und die Düttingdorfer Straße zurück nach Bardüttingdorf-Hengstenberg wandern. Ginge man verbotenerweise über die Brücke, erreichte man über einen schönen Waldweg den Dicken Kamp und dann die Düttingdorfer Straße.

Man kann nun über die Krullmannstraße zum Königsbrücker Weg (Spenge) gehen, über den man gekommen ist. A1 sieht aber vor – und das ist auch schöner – dass man die Hauptstraße ein paar Meter weiter südlich in der scharfen Kurve am Haus Nr. 355 verlässt und über den Wiesenweg zur kleinen Hengstenberger Straße geht. An deren Ende erreicht man den Heuweg und über den – vor dem Wald nach links abbiegen – kommt man zur Baringdorfer Straße und somit zu dem Weg, über den man gekommen ist. So geht man noch einmal über den Hügel mit dem Sportplatz, genießt die Aussicht und ist schon wieder am Wanderparkplatz an der Schule.


Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Ein Gang durch das Dorf

Wanderparkplatz Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes) (fürs Navi: Melle, Am Ring 18)

Rundwanderweg „Ein Gang durch das Dorf“ (ca. 2,4 km, ca. ½ Std. reine Gehzeit)

In dem 1991 erschienenen Heftchen „Wellingholzhausen. Ein Informationshandbuch und Wanderführer“ veröffentlichte Otto Stieve auch einen kurzen Rundwanderweg, der dem Leser und Spaziergänger nebenbei die Geschichte des Dorfes und heutigen Meller Stadtteils Wellingholzhausen vermittelt. Es könnten noch einige Exemplare beim Heimatverein Wellingholzhausen vorhanden sein.

Anders als sonst auf WandererMartin wird hier der Text von Otto Stieve wiedergegeben und nur an wenigen Stellen gekürzt oder ergänzt. Im Ortskern von Wellingholzhausen hat sich auch nicht so viel verändert, so dass man den Spaziergang noch immer mit Genuss machen kann:

GPSies - Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Ein Gang durch das Dorf„Vor und hinter dem „Haus des Gastes“ stehen Parkplätze zur Verfügung. Die folgenden Erläuterungen sollen helfen, Wellingholzhausen auf einer Kurzwanderung näher kennenzulernen. Natürlich kann die vorgeschlagene Route nach Belieben verändert werden.

Das „Haus des Gastes“ ist ein der Dorfgemeinschaft und dem Fremdenverkehr dienendes Versammlungsgebäude, das etwa 400 Personen fasst. In ihm finden auch viele überörtliche Veranstaltungen statt. Es wurde 1981 fertiggestellt.

In der Nähe hat evtl. die 1090 erwähnte Eigenkirche des Meyerhofes zu Holthusen gestanden. Das ist zwar nicht bewiesen, doch in einer alten Karte sind hier, nicht weit vom östlich liegenden Meyerhof entfernt, der alte Pfarrhof, die Küsterei und die Schule eingezeichnet. Das lässt die Vermutung zu, dass sich noch vor der Entstehung des Dorfes hier ein kirchliches Zentrum für die verstreut liegenden sächsischen Höfe gebildet hatte. […]

Rechts sieht man die kath. St. Bartholomäus-Kirche, im Volksmund auch „Grönenberger Dom“ genannt, welche die Dorfsilhouette beherrscht. Der freie Blick auf das Gotteshaus mit der breiten Treppenanlage davor wurde dadurch möglich, daß die historische Kirchenburg zugunsten der Verbreiterung der Durchgangsstraße an dieser Stelle durch Häuserabriß aufgebrochen wurde.

Das dem „Haus des Gastes“ auf der anderen Straßenseite direkt gegenüberliegende große Haus ([..] Uhlandstraße 1) beherbergte früher eine Gastwirtschaft mit großem Saal im 1. Stock. Dieser Saal diente nach dem 2. Weltkrieg den vielen evangelischen Christen, die als Flüchtlinge und Evakuierte in das zuvor fast rein katholische Wellingholzhausen kamen, bis 1986 als Gottesdienstraum. […] Im Kellergeschoß des Hauses gibt es noch Reste der einst hier stehenden Knabenschule.

wellwapWir wenden uns nun nach links und gehen auf der Dissener Straße dorfauswärts. Das dem „Haus des Gastes“ benachbarte [ehemalige] Hotel Heilmann [heute Restaurant Hellas] (Dissener Straße 7) hat eine wechselvolle Geschichte. An der Stelle des jetzigen Neubaus stand früher das Hotel Dütting. Das Haus, welches jahrhundertelang große Bedeutung für Wellingholzhausen hatte, z.B. wurden in ihm viele notarielle Kontrakte abgeschlossen, gehörte im Mittelalter einer Familie Lepper. 1662 heiratete sich ein J. W Bitter ein, verwandt mit der Familie des schwedischen Erzbischofs Bitter aus Melle. 1815 vermählte sich eine Tochter des Hauses mit C. W. Dütting aus einer Osnabrücker Weinhandlungsfirma. Ein Sohn aus dieser Ehe übernahm 1853 das Geschäft des Großvaters, zu dem neben dem Hotelbetrieb noch ein Manufakturwarengeschäft und eine Landwirtschaft gehörten. […] Der Betrieb wurde noch um eine Wachskerzenfabrikation erweitert; unter der Schwiegertochter kam spater noch eine Käseproduktion hinzu. Aus dem Wellingholzhausener Zweig der Familie Dütting, die mit vielen bekannten Firmen in Amsterdam, Berlin, Amerika u. a. verwandt war, stammt auch Carl Dütting, der 31 Jahre lang Dorfbürgermeister war. Daneben bekleidete er viele Ehrenamter in Vereinen, die oft erst durch seine Initiative gegründet wurden.

Er war auch Gründer und erster Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Wellingholzhausen. Einige Jahre war er auch Vorsitzender des Teutoburger-Wald-Vereins.

Das folgende Haus auf der gleichen Straßenseite ([..] Dissener Straße 9) steht etwa an der Stelle des alten Pfarrhofes (Ufr. Wedum, Wedeme), der sich am trockenen südlichen Hang des Dorfbaches befand. Die gegenüberliegende Straßenseite war noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine häuserleere, feuchte Bachniederung. Später stand auf jener Seite zwischen den Häusern […] Dissener Straße 4 und […] Dissener Straße 6 das „Spritzenhaus“ der Feuerwehr, das auch als kurzzeitiges Arrestgebäude diente.

Das nächste Haus auf der linken Straßenseite […], Dissener Straße 11, war im Mittelalter das letzte Haus am westlichen Dorfrand. Der Kirchweg aus den Bauerschaften führte hier über den heute verrohrten Dorfbach. Die Brücke wurde nach dem damaligen Besitzer des Hauses „Pulsbrücke“ genannt. in der sumpfigen Senke bachaufwärts gab es eine Reihe von sog. Reutekuhlen (Teiche zum Aufweichen des eingelegten Flachses). […]. Der Verkauf von selbstproduziertem Leinen (Gewinnen von Flachsfasern, Spinnen des Garnes und Weben der Tücher) war im Mittelalter eine wichtige Geldeinnahmequelle der hiesigen Bevölkerung.

Die Vorfahren des jetzigen Gastwirtes Schrage (Dissener Straße 15) richteten im vorigen Jahrhundert eine Gastwirtschaft ein. Vor dem Haus stand früher ein Schlagbaum, an dem die Benutzer der Straße nach Dissen, besonders die Salztransporteure von Bad Rothenfelde, Wegegeld zur Instandhaltung der Straße zahlen mussten. Später diente das Gasthaus auch als Postkutschenstation, zeitweise unter eigener Regie des Gastwirtes.

Auf dem Hang hinter dem Gasthof liegt das St.-Konrad-Altersheim (Grundsteinlegung 1950, später mehrere Erweiterungen).

Vor dem Gasthaus Schrage überqueren wir die Straße. Auf der linken Seite (Dissener Straße 12) liegt die ehemalige Mädchenschule. Eine Gasse führt an der Bushaltestelle vorbei zur Uhlandstraße, auf der wir, links abbiegend am Friedhof entlang, weiter dorfauswärts gehen. (Geradeaus führt ein heckengesäumter Weg zum Bürgerpark.) Die Straße geht hier an Grün- und Sportanlagen vorbei. Rechts im alten Pfarrgarten liegt der Kindergarten [St. Ursula] (1967/79 erbaut), links der Friedhof.

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Auf dem Friedhof

Ursprünglich fanden die Bestattungen an der Kirche statt. Um 1800 wurde die Beerdigungsstätte nach hier zur „Diekbrede“ verlegt. Sie wurde in späteren Jahren mehrfach erweitert. Zum 100jährigen Jubiläum der Kirche im Jahre 1961 wurde ein Kreuzweg, dessen Stationen als Grabdenkmäler über den gesamten Friedhof verteilt sind, erstellt. Das Friedhofskreuz stellt die 12. Station dar. Das andere Kreuz am Anfang der Heggenstraße stand ursprünglich […] an der Kirche. 1966/84 wurde die Friedhofskapelle erbaut.

 

Es folgen Turnhalle und Schulgebäude (erster Bauabschnitt 1955, später mehrere Erweiterungen) […]. Vor der Errichtung dieser Schule gab es mehrere ein- bis dreiklassige Schulgebäude über das Dorf verteilt. Im Gegensatz zu den Nachbarkirchspielen hat es aber in Wellingholzhausen niemals Bauerschaftsschulen gegeben.

Im Abstand von etwa 100 m liegen rechts zwei Sportplätze. Man sieht auch, wie der Ort durch die neuen Wohnsiedlungen immer mehr in die freie Landschaft hineinwachst. Die Siedlung hinter der Schule ist die erste Siedlung Wellingholzhausens. Vier Häuser wurden noch kurz vor dem 2. Weltkrieg fertiggestellt. Die übrigen entstanden nach 1950.

[Vor der neuen großen Turnhalle (Beutlingshalle, Einweihung 1991) biegen wir rechts ab und gehen um den Sportplatz auf die alte Hofstelle Bergmann zu. Davor biegen wir wieder rechts ab. Wenn man an der Beutlingshalle vorbeigegangen wäre, hätte man schön in die Uhlesenke mit dem Hof Lagemann schauen können. Der Hof steht in der Höfereihe des sächsischen „Ur-Wellingholzhausens“ beiderseits von Uhle und Osterbach.] Er lässt die Standortwahl jener ersten Rodungs- und Siedlungstrupps deutlich erkennen: Man siedelte an den Hängen der Flüsse und Bäche in Höhe des Quellhorizontes. Dort verfügte man über das notwendige Trinkwasser, konnte die Bachwiesen und Auewälder als Viehweiden nutzen und den etwas höher gelegenen, trockeneren Boden der flachen Landrücken beackern.

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Die Uhlesenke am westlichen Dorfrand, die älteste Siedlungsfläche in Wellingholzhausen

Der Hof Lagemann ist ein Vollerbenhof, d. h. er besaß die volle Berechtigung des Vieheintriebs und der Holznutzung im gemeinschaftlichen Wald- und Weideland (= offene Mark). Bei Bergmann handelt es sich um einen Erbkötter, deren Höfe in späterer Zeit auf dem Grund der älteren Höfe entstanden. Ihre Markennutzung war eingeschränkt.

Die beiden Bauernhäuser sind aus Sandstein aus den heimischen Steinbrüchen gebaut. Sie entsprechen also nicht mehr der Idealvorstellung vom Niedersachsenhaus aus Fachwerk. Natürlich gibt es solche Fachwerkhöfe noch überall im Kirchspiel, doch ihre aufwendige Instandhaltung veranlasste viele Hofbesitzer bei Renovierungen und Wiedererstellung (nach Bränden, Faulen der Holzständer usw.) andere Baumaterialien zu verwenden. (Bruch- und Backsteine/Klinker; verputzt und unverputzt.) Auch diese Häuser sind noch nach dem Grundschema des niederdeutschen Einheitshauses (Mensch und Vieh unter einem Dach) gebaut. Immer häufiger sieht man aber auch schon ein getrennt stehendes neueres Wohnhaus. Manche der alten Nebengebäude und Heuerlingshäuser sind abgerissen oder dienen heute anderen Zwecken. Langgestreckte, flache, klimatisierte Stallgebäude und Futter- und Güllesilos prägen heute das Gesicht moderner Höfe.

Nachdem wir die Borgloher Straße erreicht haben, wenden wir uns wieder dem Dorf zu. Das 10-Familien-Haus auf der linken Seite (Borgloher Straße 6/14) wurde nach dem 2. Weltkrieg zur Linderung der Wohnungsnot von der Gemeinde errichtet. Kurz vor der Einmündung der Borgloher- in die Wellingholzhausener Straße erkennt man rechts und links Gewerbebetriebe […].

Schaut man an der Einmündung in die Wellingholzhausener Straße nach links, so sieht man auf der rechten Straßenseite ein hochragendes wuchtiges Gebäude [..] (Wellingholzhausener Straße 109), eine ehemalige motorgetriebene Mühle. Ursprünglich stand hier die erste Wellingholzhausener Molkerei, die 1850 von 12 Genossen gegründet wurde und „Molkerei Grönenberg“ oder im Volksmund „Schmandkotten“ hieß. In einem Turm, der neben der Molkerei stand, wurde zu Beginn unseres Jahrhunderts das sog. „Benoid-Gas“ erzeugt, welches für die erste zentrale Straßenbeleuchtung des Dorfes verwendet wurde. 1918 kaufte Knemöller, dessen Vater die Windmühle in Kerßenbrock besaß, die Molkerei und belieferte täglich das Margarinewerk Homann in Dissen. 1920 eröffnete er einen Mühlenbetrieb, 1933 einigte man sich mit der 1893 gegründeten Genossenschaft der „Neuen Molkerei“ auf der „Wippe“ an der Küingdorfer Straße. Diese gab ihren Mühlenbetrieb, Knemöller die Molkerei, auf.

Der [ehemaligen] Mühle gegenüber erkennt man noch das typische niedrige, mit kleinunterteilten Eisenfenstern versehene Gebäude einer ehemaligen Dorfschmiede.

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Vögedings Klause

Dorfeinwärts links schaut man über das Hofgelände zum Haus Vögeding (Wellingholzhausener Straße 113), ein alter sächsischer Vollerbenhof. An der Hofauffahrt steht eine Sandsteinklus mit dem Standbild des hl. Markus.

Das Fachwerkhaus auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber mit dem angebauten zweistöckigen massiven Wohntrakt ([..] Wellingholzhausener Straße 112) besitzt eine große Bedeutung für die Geschichte Wellingholzhausens. Jahrhundertelang war es der Hof des Bördevogts Hupe des Klosters Iburg. Diesem Kloster waren viele Dorfname Höfe und fast alle Häuser des Dorfes, sofern nicht „schatzfrei“, hörig. Die Zehntscheune, in der die Abgaben für das Kloster gesammelt wurden, befand sich auf dem Hofgelände. Als der Bördevogt im Jahre 1699 zu seiner neuen Hofanlage auf der „Kalten Wehe“ zog, bewohnten viele Jahre die Kirchspielvögte sein altes Haus. Der Kirchspielvogt war ein Verwaltungsbeamter des Landesherren, also des Osnabrücker Fürstbischofs, während der Bördevogt ein höriger Bauer des Klosters war, für das er bestimmte Aufgaben erfüllen musste. Die Klause im Garten enthält eine Herz-Jesu-Statue.

Die folgenden Häuser sind alle erst um die Jahrhundertwende gebaut worden. […]

Das mittelalterliche Dorf begann erst mit dem etwas zurückliegenden Fachwerkkotten […] (Wellingholzhausener Straße 128). Dieser gehört zu den ältesten Häusern des Dorfes. Der hintere Teil ist über 400 Jahre alt, der vordere weist das Baujahr 1724 auf. Er ist als Erbkötterei Hupe des Vollerben Hupe (Bördevogt) entstanden.

Die Praxis […] Am Ring 2 befindet sich im Hause der ehemaligen Gaststätte Feldhaus, zu der auch ein großer, 1930 gebauter Festsaal […] gehörte, in dem nach dem 2. Weltkrieg regelmäßig Filmvorführungen stattfanden. Das „Kneipensterben“ und der Verlust größerer Veranstaltungsräume, typisch für viele Dörfer, hat also auch vor Wellingholzhausen nicht Halt gemacht. […]

Vor dem großen Brand von 1893 befanden sich auf dem Feldhaus-Grundstück (ehemals Rinklake-Laumann) vier kleine Hauser, in denen eine Gerberei und eine Tabakfabrik untergebracht waren.

Wir gehen an Apotheke (1862 erbaut; 1766 hört man erstmals von einem Apotheker in Wellingholzhausen, seit 1827 gibt es hier durchgehend eine Apotheke) und Post (1908 erbaut; 1813 wird erstmals das Postwesen in Wellingholzhausen erwähnt, ab 1857 besteht Postkutschen-, ab 1925 Autobusverkehr nach Melle) vorbei geradeaus weiter. Ein Blick den „Dorfbrink“ oder „Möllers Brink“ hinauf zeigt deutlich, dass die Kirche auf einem „Sporn“, einer auslaufenden Anhöhe, zwischen zwei sich bald vereinigenden Senken, erbaut wurde.

Erhöht schräg vor uns sehen wir das in seinem neoklassizistischen Stil zu den einprägsamsten Gebäuden Wellingholzhausens zählende ehemalige „Hotel Möller“. Erbaut wurde es vom „reichen Schröder“, der durch einen Lotteriegewinn sehr wohlhabend war. Während des Baus der jetzigen Kirche ließ er sich vom gleichen Baumeister auf dem elterlichen Anwesen ein großes Haus errichten, das 1861 vollendet war. Doch durch Spielschulden und betrügerische Machenschaften von Geschäftspartnern verarmte der Bauherr. Das Haus kam 1865 in Konkurs und wurde von dem Manufakturwarenhändler Petermöller, genannt Möller, der bis dahin im Hause am Kirchplatz 12 (Praxis […], vorher Gaststätte Schliehe) gewohnt hatte, gekauft. Dieser richtete darin 1884 ein weit und breit bekanntes Hotel ein, in dem u. a. 1894 Oberst von Hindenburg, der spätere Reichspräsident, übernachtete. Das Hotel blieb noch bis Ende des 1. Weltkrieges erhalten. Englische Besatzung nach dem 2. Weltkrieg, Erholungsheim für Berliner Kinder, Altersheim und jetzt wieder Privathaus […], das ist die jüngste Geschichte des Hauses.

Der ehemals „rieke Schrör“ wanderte 1865 nach Amerika aus und kam 1879 als armer Mann nach Wellingholzhausen zurück. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre bis 1884 [… im Hause Grottendiek] am unteren Ende von „Möllers Brink“ […]

Jetzt geht es den „Möllers Brink“ hinauf. Das Gebäude rechts auf der Mauer […] gegenüber, ist die ehemalige „Burgschule“.

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Das Fachwerk 1775

Das links etwas zurückliegende, mit dem Hotel Möller direkt verbundene Fachwerkhaus (erbaut 1775) steht auf dem Gelände des ehemals bedeutenden Hofes „Tom Borch“, ursprünglich auch als 2. Meyerhof bezeichnet. Er wurde wahrscheinlich durch den Abt des Klosters Iburg vom Meyerhof zu Holthusen abgeteilt und der 1248 selbständig gewordenen Pfarre zur wirtschaftlichen Unterstützung geschenkt. [Heute befindet sich im „Fachwerk 1775“ das Dorfgemeinschaftshaus von Wellingholzhausen, in dem der Förderkreis 1775, der Heimatverein und andere Kulturorganisationen ein breitgefächertes Programm organisieren.]

Wir betreten jetzt den Parkplatz hinter dem Chor der Kirche. Es handelt sich um den Thie oder Thieplatz, dem mittelalterlichen Versammlungsplatz der Dorfgemeinschaft. Vom Kirchplatz war er bis zum Bau der jetzigen Kirche im letzten Jahrhundert durch eine Häuserzeile getrennt. Auf der Mitte des Platzes stand wohl eine Linde, unter der man sich zur „Burstie“ traf, später ein kleines Häuschen für die Feuerwehrspritzen und dann eine Wasserpumpe. 1895 und zwischen den Weltkriegen wurde der Platz zu einer Gefallenen-Gedenkstätte umgewandelt. Seit Mitte der 50er Jahre dient er als Parkplatz.

Der Blick an der Sparkasse vorbei die Straße aufwärts fällt direkt auf [das Gelände des ehemaligen, aber jetzt abgebrannten und abgerissenen Meyerhofs zu Holthusen (Meyer zu Holsen, Dorfmeyer). Man ahnt die nahe Beziehung zwischen Meyerhof und Kirche. Die Schenkung vom Meyerhof und seiner Eigenkirche an das Kloster Iburg in den Jahren 1090 und 1091 gilt als erste sichere urkundliche Erwähnung Wellingholzhausens]. Der Meyerhof wurde der historische Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung des Kirchdorfes Wellingholzhausen. Auf von seinem Grundbesitz abgeteiltem Gelände wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Kirche gebaut, um die dann durch Ansiedlung von Kirchhöfern und Erbköttern das Dorf entstand.

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In früheren Zeiten: Landmaschinenausstellung auf dem Thieplatz, Am Ring

Interessant ist die Geschichte einiger den Thieplatz einschließenden Häuser. Das hohe Haus auf der der Sparkasse gegenüberliegenden Seite ist die ehemalige „Kirchschule“ (Am Ring 14). In Sandstein gemeißelte Sprüche über den Eingängen erinnern noch an die frühere Funktion. Bis 1877 stand hier das Haus des Manufaktur- und Pferdehandlers Meyersohn, des einzigen Juden in Wellingholzhausen, der nach dem Verkauf seines Hauses an die Gemeinde nach Bielefeld zog.

Das längere Gebäude auf der anderen Straßenseite (Am Ring 36) beherbergte die Büro- und Lagerräume der Seifenfabrik Möllering. Eine Durchfahrt führte auf den Hofplatz, an dem die Siedehäuser standen. Dort wurden auch die Planwagen mit den Fertigprodukten beladen. Der Grundstock zu dieser Firma wurde 1875 gelegt. Der nördliche Teil mit einem heute leider entfernten Eckturm diente als Wohnung. 1921 wurde die Fabrikation nach Osnabrück verlegt (Tolochemie).

Das Haus daneben […] diente um die Jahrhundertwende kurzzeitig als Postgebäude.

Dem Neubau der Sparkasse (1966) musste das dort befindliche Speckmannsche Haus weichen. Der Vorbesitzer des Hauses, Gastwirt Belker, besaß eine eigene Bierbrauerei, die sich in einem Gebäude auf dem heutigen Parkplatz hinter der Sparkasse befand.

Das Haus daneben ([…] Am Ring 28) steht auf dem Gelände der mittelalterlichen Thieschmiede. […]

Die schmale Gasse an der Südseite (= Sparkassenseite) der Kirche zeigt die ursprüngliche Bauweise der Häuserzeilen der Kirchenburg: Dichtstehende, hohe, schmale, speicherartige Häuser, deren Giebel zur Kirche weisen.

Unser Weg führt […] durch diese Gasse und über den Kirchenvorplatz zum zentralen Dorfplatz, dem Kirchplatz im Innern der alten Kirchenburg.

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Die Nordwand der Kirche hinter dem Kirchplatz mit Dorfbrunnen

Die Vorgängerinnen der jetzigen Kirche, deren imponierend hohe Seitenwand die Südseite des Platzes beherrscht, standen ursprünglich im Zentrum des dreieckigen Kirchplatzes, der im Mittelalter als Friedhof diente. Dieser war allseitig von dichtstehenden Häusern, die teilweise durch unterirdische Gänge verbunden waren, umgeben. Die Straßen führten außen an den Häuserrückseiten vorbei. Nur wenige Zugänge führten auf den Kirchhof. Die Schutzfunktion einer solchen Kirchenburg-Anlage war aber sicherlich nur gering. Die Gebäude wurden von den Bauern des Kirchspiels als unbewohnte Vorratsspeicher errichtet. Die Gaststätte Raude, das Fachwerkhaus direkt vor der Kirchentreppe wurde z.B. noch lange „Treppenspieker“ genannt. Später wurden die Häuser von Handwerkern, Gastwirten und Kaufleuten bezogen, die diesen ständig aufgesuchten Mittelpunkt des Siedlungsbereiches zu Handel, Auftragsbeschaffung usw. nutzten.

Bis etwa 1800 diente der Platz als Begräbnisstätte. Dann wurden die Gräber eingeebnet. Der freie und zur Straße hin abfallende Platz diente über 100 Jahre als Spielplatz für Kinder, als winterlicher Ablageplatz für das Brennholz der Anlieger und als Kirmes- und Veranstaltungsplatz. 1934 wurden die darauf stehenden „Pius-“ und „Leo-Linden“, ebenso wie eine Lindenreihe an der gegenüberliegenden Dorfstraßenseite gefällt. Der Platz wurde völlig neu gestaltet. Er wurde durch aufgefahrene Erde begradigt, von einer Mauer umgeben, mit einer Rasenfläche versehen, von neugepflanzten Linden und Sträuchern umsäumt und mit einem Holzkreuz geschmückt. Dieses Kreuz trägt zur Erinnerung an das vom Papst ausgerufene „Heilige Jahr 1933/34“ noch heute diese beiden Jahreszahlen. […]. 1989 erfolgte die Umwandlung des Platzes zur heutigen Form. Das 8 m hohe Kreuz hat man auf dem Platz gelassen. Es mahnt auch heute noch vor Machtwahn und Gewaltherrschaft mit all ihren schrecklichen Folgen. Eine steinerne Platte an seinem Fuß erinnert an die Toten der Kriege.

Der heutige Platz soll in Fortsetzung der Funktion des ehemaligen Thieplatzes das Gemeinschaftsleben und die Kommunikation der Dorfbewohner fördern.

Der Dorfbrunnen bezieht sich in seiner Ausgestaltung auf den Namen Wellingholzhausen und dessen Versinnbildlichung im Ortswappen durch die Welle (für Welling [= Quelle]) und die Eicheln (für Holz). Der aufragende Steinblock steht auf einer aus neun Steinen zusammengesetzten Scheibe, Jeder dieser Steine repräsentiert eine der Bauerschaften der alten Samtgemeinde. Da Form und Anordnung der einzelnen Steine den realen Ortsteilen entsprechen, ist jeder klar benennbar. Die flächenhafte Darstellung der Bauerschaften unter der gemeinsamen Säule der Samtgemeinde soll auch daran erinnern, dass Wellingholzhausen um 1960 als „Mekka der niedersächsischen Kommunalpolitiker“ galt, die hier Aufbau und Struktur einer „Samtgemeinde modernen Stils“ studierten.

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Das ehemalige Amtshaus der Kirchspielvögte

Wieder sollen einige der umliegenden Häuser vorgestellt werden: Das ins Auge fallende Fachwerkhaus mit dem zum Platz gerichteten Mittelgiebel ([… Eisdiele Bei Uschi] Am Ring 14) war früher das Amtshaus der Kirchspielvögte. Als die Vogtei 1848 aufgehoben wurde, ging das Vogtshaus [in privaten Besitz] über.

Im Haus am unteren Ende dieser Häuserreihe (Am Ring 6) lebte lange Jahre der Buchbinder und Heimatdichter Georg Brinkmann.

Im Hause der Gastwirtschaft Lindenhof (Am Kirchplatz 20) befand sich vorher eine Tabakfabrik und eine Blaufärberei.

Auf der Diele des Hauses […] Am Ring 16 wurden bis 1866 die Gemeindeversammlungen abgehalten, die im Mittelalter auf dem Thie stattfanden. Das Haus gehörte damals dem Bäcker und Braunbierbrauer Altegreve.

Am Textilhaus Stock (heutiger Besitzer war Innenminister und stellv. Ministerpräsident des Landes Niedersachsen [auch Bürgermeister von Melle]) verlassen wir den Kirchplatz, überqueren die Straße und wenden uns sofort nach links in die „Alte Straße“. Es handelt sich um die frühere Hauptstraße, die ja außen an der Kirchhofsburg vorbeiführte. Die Rückseiten der Häuser zeigen zum Teil noch die typischen Kellergeschosse auf, die mit ihren dicken, früher zum Teil fensterlosen Außenwänden einen gewissen Schutz boten. Später waren darin oft kümmerlich kleine Viehställe untergebracht.

[… Dann begeben wir uns] in den Bürgerpark (1978 der Öffentlichkeit übergeben; vorher Wiesen und Gärten von Privatleuten und des alten Pfarrhauses; der mit Wald bestandene Teil ist der alte „Eickhoff“ des Pastorats). Von einer erhöhten Stelle (z.B. an der Pergola) aus sieht man noch einmal die geschlossene, burgartige Anlage des Kirchplatzes.

Bürgerpark DSCF3724
Im Bürgerpark

Links abbiegend passieren wir das „Canisiusheim“, das 1981/82 zum Pfarrgemeindezentrum und Kath. Jugendheim ausgebaute alte Pfarrhaus. Diese 1577/78 in der Dorfbachsenke erbaute Pastorat war ursprünglich an der Nordseite halbkreisförmig von einer Gräfte (= Wassergraben) umgeben, welche Ende des letzten Jahrhunderts zugeschüttet wurde. Das Pfarrhaus war mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden, dessen Wirtschaftsgebäude die noch heute gut sichtbare Raumgliederung des niederdeutschen Hallenhauses aufweist: Eine giebelseitige Einfahrtstür, eine große „Diele“ mit beiderseits aufgereihten Viehständen (heutiger Feierraum), ein am Ende der Diele von Außenwand zu Außenwand querverlaufendes „Flett“ (heutiger Kaminraum) und das aus mehreren nebeneinanderliegenden Wohnräumen bestehende „Kamerfak“ (heutige Küchenräume).

Über den Parkplatz an der Uhlandstraße (das längliche Haus daran war früher Kindergarten und Jugendheim) gelangt man nach Überqueren der Dissener Straße zum Ausgangspunkt am „Haus des Gastes“ zurück.“