Rheine Hauptbahnhof, Hermannsweg, Etappe „Rheine – Nasses Dreieck“

Wanderparkplatz Rheine Hauptbahnhof

Hermannsweg, Etappe „Rheine – Nasses Dreieck“, 20,6 Kilometer

Über die Stadt Rheine könnte man viel erzählen, z. B. über die reiche Geschichte, von der die Bauwerke in der Stadt noch heute erzählen. Hier auf dem WandererMartin-Blog interessiert die Stadt aber vor allem als Ausgangspunkt der Hermannswegs. Er beginnt direkt am Hauptbahnhof und führt mit dieser ersten Etappe an den Teutoburger Wald heran, eine Etappen zum Einlaufen in der Ebene also. Man kann den Hermannsweg mit seinen ca. 160 Kilometern natürlich auf viele verschiedene Weisen einteilen. Horst Gerbaulet hat ihn in seinen zwei bekannten „Erlebnisführern“ (siehe unter Literatur) zunächst in zwei Teile geteilt, nämlich von Rheine bis Bielefeld und dann von Bielefeld bis Horn-Bad Meinberg-Leopoldstal. Die beiden Teile hat jeweils in 10 Etappen untergliedert.

hermannsweg_hMeine Einteilung ist etwa anders, was einfach den von Woche zu Woche unterschiedlichen zeitlichen Möglichkeiten geschuldet ist. So ergaben sich Etappen ganz unterschiedlicher Länge. Deswegen hier einmal meine Einteilung, wie sie in diesem Blog vorliegt.

1. Etappe: Rheine HauptbahnhofNasses Dreieck, 20,6 km

2. Etappe: Nasses DreieckDörenther Klippen, 7,7 km

3. Etappe: Dörenther Klippen / an der B 219 – Lengerich, 19 km

4. Etappe: Raststation „Westfälischer Friede 1648“ – Hilter Pass, 23 km

5. Etappe: Route 68 – Werther Schanze, 27,5 km

6. Etappe: Grüner Weg – Peter auf’m Berge, 7 km

7. Etappe: Peter auf’m Berge – Sparrenburg, 7 km

8. Etappe: Sparrenburg – Habichtshöhe, 2,9 km

9. Etappe: Habichtshöhe – Hermannsdenkmal, 27 km

10. Etappe: Hermannsdenkmal – Berlebeck, 4,2 km

11. Etappe: Berlebeck – Leopoldstal, 14 km

Also zur ersten Etappe: Vom Bahnhof aus führt der Hermannsweg über den Marktplatz mit der St.-Dionysius-Kirche zur Ems. Hier wandert man nun flussaufwärts durch parkähnliche Anlagen bis zur nächsten Brücke, einer Eisenbahnbrücke mit Fußweg. Von hier aus hat man noch einmal einen schönen Blick auf die Stadt und die Emsaue auf der rechten Flussseite.

Horst Gerbaulet empfiehlt in seinem Wanderführer zu Recht von hier aus einen Schlenker in die ehemalige Gellendorfer Textilarbeiter-Siedlung (Heidhövelstraße), was dem historisch Interessierten ganz gut ermöglicht, sich das Wohnen und Leben am Anfang des 20. Jahrhunderts vorzustellen.

Auf der anderen Seite der Bundesstraße 475 gelangt man in die Gellendorfer Mark. Die Bäume in diesem Wäldchen, hauptsächlich Birken, Kiefern und nicht gut wachsende Eichen, weisen schon darauf hin, dass man sich hier auf Sandboden bewegt. Diese Vegetation begleitet den Wanderer von nun an bis zum Teutoburger Wald.

In der Gellendorfer Mark ist es wahrscheinlich die meiste Zeit schön ruhig und einsam. Als ich hier entlangwanderte, erschienen aber mit einem Mal die Heeresflieger der Bundeswehr, die hier irgendetwas zu üben schienen. Das war zwar sehr laut, aber auch interessant.

Im Wilden Weddenfeld
Im Wilden Weddenfeld

DSCI0791 StempelBald schon kommt man in den m. E. schönsten Abschnitt dieser Etappe, das sogenannte Wilde Weddenfeld bei Elte. Es handelt sich hier um einen urigen Kiefernwald auf den Sanddünen der Ems, sehr einsam und mit vielen interessanten Ecken. Der H-Weg führt schnurgerade hindurch, aber es lohnt sich, abseits des Weges Ausschau zu halten, mal sieht man eine Gruppe Sandbirken, dann wieder einige Stechpalmen. In der Luft liegt der harzige Duft der Kiefern. Zum Weddenfeld finden Sie einige Informationen bei der Beschreibung des Elter Wanderwegs A2.DSCI0789 Stempel

Irgendwann verlässt man wieder den Wald Richtung Norden und am Naturschutzgebiet Saltenwiese, einem Feuchtwiesengebiet, und dem Hotel Saltenhof vorbei kommt man in den wirklich schönen Ort Bevergen mit seiner historischen Altstadt (und mehreren Einkehrmöglichkeiten). Nun hat man die Etappe bald hinter sich gebracht, denn nördlich des Ortes befindet sich schon der Dortmund-Ems-Kanal. An der Schleusenanlage kann man diesen überqueren. Man folgt ein kurzes Stück der Westfalenstraße (L 833), und dann ist er plötzlich da: Zur Rechten des Wanderers erhebt sich wie aus dem Nichts der Teutoburger Wald aus der Ebene, ein bestaunenswertes Naturphänomen. Hier beginnt er mit dem Huckberg, den man dann auch noch überquert, denn hinter ihm befindet sich das Nasse Dreieck, die Kreuzung des Dortmund-Ems-Kanals mit dem Mittellandkanal, die sogenannte Millionenbrücke und schließlich der Wanderparkplatz Nasses Dreieck.

Tipp: Man kann anstatt in den „Teuto“ einzusteigen auch auf der Westfalenstraße geradeaus weitergehen. Man kommt nach Hörstel, wo es einen Bahnhof gibt, der vom Hermannsweg aus schnell erreicht ist.

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Hankenberge, Hilter Pass, Hermannsweg, Etappe „Hilter Pass – Borgholzhausen – Werther Schanze“

Parkplatz Hilter Pass

Hermannsweg, Etappe „Hilter Pass – Borgholzhausen – Werther Schanze“28,3 Kilometer

hermannsweg_hDiese Etappe des Hermannswegs ist im Vergleich zu vielen anderen auf diesem Blog beschriebenen Hermannswegstrecken recht einsam, lang und schwierig. Sie führt über die Landesgrenze von Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen und durch die Landkreise Osnabrück und Gütersloh.

Bei der Beschreibung der letzten Etappe von Lengerich über Bad Iburg bis hier nach Hilter-Hankenberge habe ich noch empfohlen, sich zum Abschluss im Restaurant Route 68 zu stärken. Das geht jetzt natürlich nicht, wenn man hier losgeht, es sei denn, man läuft die Strecke andersherum. Aber mitlerweile ist das Route 68 sowieso umgezogen und nicht mehr in Hankenberge.

Man kann diese Etappe gut in zwei Hälften teilen. Die Mitte ist ungefähr in Borgholzhausen.

Vom Hilter Pass, durch den hier Bahnline, Autobahn und (ehemalige) Bundesstraße geführt werden, steigt man zunächst wieder zum Hülsberg auf. Mit seinen 237 Metern ist er noch der niedrigste der Hügel, die uns auf dieser Etappe bevorstehen. Ungefähr zwei Kilometer weiter ist man schon auf dem 256 Meter hohen Wehdeberg mit seiner Schutzhütte. Beim Absteigen kann man an der Wegkreuzung einen kleinen Abstecher von nur wenigen Metern nach links machen, um das Naturdenkmal Kalksteinklippe zu bewundern.

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ND Kalksteinklippe am Wehdeberg

Der „Hermann“ macht nun eine Biegung, um den Asberg nördlich zu umgehen. Dabei verlässt man den wirklich schönen und stillen Wald, in dem man seit der Autobahnüberquerung unterwegs war, und kommt in ein Tal des Teutoburger Waldes, die sogenannte Noller Schlucht – wobei die Bezeichnung Schlucht für dieses sanfte Tal reichlich übertrieben klingt. Die Noller Schlucht ist vor allem bekannt für das gleichnamige Regionale Umweltbildungszentrum. Da hier auch die fünfte Route des Ahornwegs entlangführt, finden Sie beim hier verlinkten Blogeintrag Hinweise zu diesem Lernstandort und zu den nebenan liegenden Wanderparkplätzen in der Noller Schlucht, von denen aus man natürlich auch sehr gut in den Hermannsweg einsteigen kann.

Nach dem Überqueren der Rechenbergstraße, die über den Rechenbergpass Wellingholzhausen und Dissen verbindet, muss man (sehr) kräftig bergan wandern, denn jetzt gilt es zunächst den Petersbrink zu ersteigen, dann die Schollegge (252 m) und schließlich die Steinegge (266 m). Zwischen Stein- und Schollegge geht man mithilfe einer Holzbrücke über einen tief eingeschnittenen Hohlweg. Es ist dies die alte Verbindung zwischen Wellingholzhausen und Dissen, der sogenannte Alte Wellingholzhausener Weg.

Die Steinegge ist bekannt wegen des Postturms, der auf ihr steht. Dieser Turm hat die Besonderheit, das man ihn über eine außen angebrachte Wendeltreppe besteigen kann, weswegen er auch Dissener Aussichtsturm genannt wird. Die Aussicht ist so überwältigend, dass man sich fragt, warum diese Lösung nicht auch bei vielen anderen Fernsehtürmen angebracht wird.

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Landesgrenze einst und jetzt

Der Hermannsweg geht auf dem Kamm weiter nach Osten über die Ascher oder Aschener Egge. Gut zwei Kilometer hinter dem Aussichtsturm trifft man auf einen Grenzstein der die historische und gleichzeitig aktuelle Grenze zwischen Niedersachsen und NRW anzeigt. Auf den Steinen ist das gekennzeichnet durch ein H für das Königreich Hannover, aus dem Niedersachsen hervorging, und einem P für Preußen, dessen westfälische und rheinische Länder in Nordrhein-Westfalen aufgingen. Daneben gibt es noch einen kleineren Grenzstein, auf dem man den Namen Dallmeyer lesen kann. Wahrscheinlich kennzeichnete er einen privaten Besitz. Die Landesgrenze führt hier rechtwinklig zum Kammweg südlich bergab und zwischen den Gemeindegebieten von Dissen und Borgholzhausen hindurch. Voraus liegt die Grenze für ungefähr eineinhalb Kilometer genau auf dem Kamm, so dass der Hermannswegwanderer nun auf dieser Grenze läuft.Man befindet sich hier auf dem Hankenüll, mit 307 Metern die höchste Erhebung in der Umgebung. Ab und zu gibt es trotz des dichten Waldes schöne Ausblicke in den nördlich gelegenen Meller Stadtteil Wellingholzhausen.

Beutling vom Hankenüll Stempel
Blick vom Hankenüll zum Beutling in Wellingholzhausen

Der nächste Grenzstein zeigt an, dass die Landesgrenze den Kamm hier rechtwinklig nach Norden verlässt, so dass man nun den Rest des Hermannswegs auf westfälischem Gebiet abwandert.

Nach der Schutzhütte auf dem Vicarienkopf beginnt allmählich der Abstieg nach Borgholzhausen. Man kommt an der gigantischen Windkraftanlage auf der ehemaligen NATO-Anlage auf dem Hollandskopf vorbei und zu einem weiteren Aussichtsturm: dem Luisenturm auf der Johannisegge. Man kann hier nicht nur die Aussicht genießen, sondern in der Wanderhütte unter dem Turm auch Schutz vor dem Regen u. Ä. und in der gemütlichen Luisenturm-Hütte leckeres Frischgezapftes oder leckeres Selbstgebackenes – vielleicht je nach Uhrzeit.

Hat man sich satt gesehen oder gegessen, kann man den recht steilen Abstieg nach Borgholzhausen in Angriff nehmen. Dass es in der Stadt auch einige Verpflegungsmöglichkeiten gibt, versteht sich von selbst. Bis hier hat man ca. 14,5 Kilometer hinter sich gebracht.

Diese Etappe wird in Horst Gerbaulets unbedingt empfehlenswertem Wanderführer zum westlichen Teil des Hermannswegs als siebenter Wanderabschnitt beschrieben. Nun folgt sein achter Streckenabschnitt. Der Abschnitt ist ca. 13 km lang und bietet wieder einige kräftige Steigungen. Vielleicht bietet es sich tatsächlich an, an einem Parkplatz in Borgholzhausen, z. B. in der Freistraße, zu starten.

Borgholzhausen bietet nicht nur ein hervorragendes Wandergebiet, sondern ist auch als historische Stadt interessant. Deswegen spricht auch einiges dafür, die Teilstrecke andersherum zu laufen und sich zum Schluss in der alten Innenstadt umzusehen und zu stärken bzw. auf der Ravensburg, mit eigener Gaststätte, die im Endeffekt dem Ravensberger Land seinen Namen gab.

Wie man vor Ort unschwer erkennt, liegt Borgholzhausen an einem Durchgangspass durch den Teutoburger Wald. Die in der Nähe liegende Burg der Grafen von Ravensberg gab der im Wald liegenden Siedlung (“Holthusen”) dann den Namen – Borgholthusen. Vielleicht ist dies auch eine Unterscheidungsbezeichnung zum benachbarten Wellingholzhausen (Die  Siedlung im Wald bei den Quellen bzw. der Hasequelle). In der Stadt, die durch die Einrichtung der Legge 1678 zu bescheidenem Wohlstand kam, ist die evangelische Pfarrkirche aus dem späten Mittelalter / der Frühen Neuzeit inmitten der historischen Altstadt zu besichtigen. Später wurde Borgholzhausen natürlich vor allem für seine Lebkuchenbäckerein gerühmt, von denen es heute noch die Firma Schulze gibt. Das Heimathaus wartet mit einem Superlativ auf, der weltweit größten Sammlung von Riesen-Ammoniten.

Wir beginnen hier aber in der Borgholzhausener Innenstadt und wandern auf kürzestem Weg durch den Ortsteil Hamlingdorf zum Wanderparkplatz Unter der Burg, womit natürlich die Burg Ravensberg gemeint ist. Nehmen Sie sich unbedingt etwas Zeit für die Ruine. Danach geht es wieder bergab in die Clever Schlucht, was bedeutet, dass man danach wieder aufsteigen muss. Die Clever Schlucht trifft im Süden auf die B68 mit dem Wanderparkplatz Clever Schlucht, die seit dem Hilter Pass hier am Südhang des Teutoburger Waldes entlangläuft (und streckenweise auch für Lärm sorgt).

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Blick über Halle

Nachdem man durch den Wald des Barenbergs gewandert ist, geht es wieder hinunter, nämlich ins Hesseltal. Über das Flüsschen Hessel, nach dem der Ortsteil Hesseln benannt ist, der schon zur Stadt Halle gehört, geht es richtig steil bergauf zur Großen Egge (312 m), der höchsten Erhebung dieser Strecke. Kurz nach einer Schutzhütte gelangt man aus dem Wald. Man wandert wieder durch einen Pass, durch den heute die L782 führt. An der gesamten Strecke konnte man schon einige Relikte des Haller Bergbaus entdecken, aber dafür gibt es einen eigenen Wanderweg, der sich speziell mit diesen Hinterlassenschaften beschäftigt. Relativ stadtnah wandert man nun durch die beiden Haller Hausberge Knüll und Storkenberg mit den berühmten Waldgrabstellen und der sogenannten Kaffeemühle, bis der Wanderer wieder an einer Schutzhütte den Wald verlässt, um mit schöner Aussicht steil bergab zu steigen und über die Kreisstraße Grüner Weg wieder hoch zum Wanderparkplatz Grüner Weg zu kommen. Auf dieser Etappe durchquert man mehrere Naturschutzgebiete des Kreises Gütersloh, das NSG Ravensberg-Barenberg in Borgholzhausen und das NSG Knüll-Storkenberg in Halle.

Hier, am Wanderparkplatz Grüner Weg, beginnt dann die nächste Etappe auf dem Hermannsweg, die hier beschrieben ist.

Dornberg, Peter auf’m Berge, Hermannsweg, Etappe „Peter auf’m Berge – Sparrenburg“

Wanderparkplatz Peter auf’m Berge

Hermannsweg, Etappe „Peter auf’m Berge – Sparrenburg“

Mit dieser Etappe erreicht der Hermannsweg das Zentrum der Großstadt Bielefeld. Trotzdem kann man hier auf dem Kamm des Teutoburger Waldes naturnah spazieren gehen. Ausgesprochen ruhig ist es nicht, aber dafür abwechslungsreich. Man wandert durch die vier Stadtbezirke Dornberg, Brackwede, Gadderbaum und Mitte.

Vom traditionsreichen Ausflugslokal Peter auf’m Berge mit großem (kostenpflichtigem) Parkplatz geht es über den Kammweg den Sennberg hinauf und weiter zur Hünenburg, wo man nach gut eineinhalb Kilometern ankommt. Die Hünenburg ist auch ein traditioneller Ausflugspunkt für die Bielefelder, die natürlich von der anderen Seite kommen. Heute kann man nur mit Mühe erkennen, dass es sich bei diesem Ort einmal um eine alte germanische Wallburg handelte. Ins Auge fallen vielmehr der Stumpf des alten Fernmeldeturms und der neue Fernsehturm mit 165 Metern Höhe. Aus den Resten des alten Fernmeldeturms hat man ein kleines Ausflugs-Café und Museum gemacht. Außerdem kann man die Aussichtsplattform auf ca. 40 m Höhe für einen schönen Rundumblick nutzen.

Hinter der Hünenburg geht es leicht bergab weiter zum Jostberg und schließlich zum Kahlen Berg. Abgesehen von den Kiefernbeständen der Senne befindet man sich hier in den größten zusammenhängenden Waldgebieten der Stadt Bielefeld bzw. des Bielefelder Stadtwalds. Hier handelt es sich um besonders schönen und schützenwerten Buchenwald, so dass hier auch die Naturschutzgebiete Jostberg, Blömkeberg und Kahler Berg zusammentreffen.

Der Kahle Berg wird allerdings nicht mehr überquert, vor dem Anstieg biegt der Hermannsweg links, d. h. nördlich ab, um den Heimat-Tierpark Olderdissen zu durchqueren. Da der Tiergarten zum Wald hin offen ist und auch noch immer keinen Eintritt kostet, ist das völlig unproblematisch. Es ist natürlich eine besondere Freude beim Wandern gleichzeitig einen Zoobesuch zu absolvieren. Als Wanderer muss man sich aber darüber im Klaren sein, dass der Tiergarten (zu Recht) die Ausflugsadresse für Familien mit Kindern in Bielefeld ist, so dass sich an Feiertagen mit schönem Wetter hier richtige Heerscharen durch den Wald schieben.

Nachdem man sich genug umgesehen hat und eventuell noch im Meierhof Olderdissen gestärkt hat, verlässt man den Tierpark, überquert die Dornberger Straße und kommt am Bauernhausmuseum vorbei zum Johannisberg. Von hier aus geht es steil bergab in den Bielefelder Pass hinein, den traditionsreichen Durchbruch durch den Teutoburger Wald, ohne den es die Stadt hier wohl nicht gäbe. Dabei ergeben sich schöne Blicke auf die Bielefelder Altstadt und die den Pass-Durchgang dominierende Sparrenburg.

Bevor man dort ankommt, gilt es aber, den Ostwestfalen-Damm (B 61), kurz Ossi genannt, und die parallele Bahnlinie zu unterqueren. Durch die parkähnlichen Anlagen hinter der Kunsthalle und an der Lutter entlang geht man zur Kreuzstraße. Diese viel befahrene Straße (B 66) überquert man an einer Ampel und dann heißt es, noch einmal kräftig bergauf zu spazieren, bis man oben an der Sparrenburg, dem Bielefelder Wahrzeichen, ankommt. Vom Burghof kann man noch einmal schön zurückschauen auf den Weg, den man gekommen ist, auf die Marienkirche und Spiegels Hof und weitere Sehenswürdigkeiten Bielefelds.

Über all diese Bielefelder Sehenswürdigkeiten könnte man natürlich viel schreiben, aber das Lesen ersetzt sowieso nicht das Hingehen. Um den Text nicht zu lang werden zu lassen, habe ich viele Links gesetzt. Etwas genauere Angaben und einige Bilder und natürlich Karten kann man auch im „Erlebnisführer Hermannsweg“ nachlesen, siehe in diesem Blog auf der Literatur-Seite.

Wenn man – wie ich – von Rheine kommt, hat man bis hier, an dem traditionellen Mittelpunkt des Hermannsweges ca. 111 Kilometer unter die Wanderschuhe genommen. Vom Wanderparkplatz Peter auf’m Berge bis zum Wanderparkplatz an der Sparrenburg sind es ungefähr 7 Kilometer, Zeitangaben sind aber wegen der vielen Sachen zum Angucken sowohl in Olderdissen als auch in Bielefeld nicht zu machen.

Hier geht es zur nächsten Etappe.

Und bis nach Leopoldstal ist es nicht mehr weit …

Riesenbeck, Nasses Dreieck, Hermannsweg, Etappe „Nasses Dreieck – Dörenther Klippen“

Wanderparkplatz Nasses Dreieck

Hermannsweg, Etappe „Nasses Dreieck – Dörenther Klippen“; 7,7 km

Hörstel besteht aus den vier Stadtteilen Hörstel, Riesenbeck, Bevergern und Dreierwalde. Die Gemeinde gehört zum Kreis Steinfurt und liegt direkt vor dem Beginn des Teutoburger Waldes (wenn man das so sagen kann).

Zum Hermannsweg ist auf diesen Seiten schon eine Menge gesagt worden. Der Höhenweg über den Kamm des Teutoburger Waldes (oder über einen der Kämme) beginnt in Rheine im Münsterland, also in der Ebene. Auf der Anfangsetappe erreicht er soeben die erste Erhöhung des „Teutos“, den Huckberg, um dann wieder abzusteigen zum Mittellandkanal, der hier am Nassen Dreieck in Hörstel-Riesenbeck vom Dortmund-Ems-Kanal abzweigt. Die Etappe „Nasses Dreieck – Dörenther Klippen“, die hier beschrieben wird, deckt sich mit der zweiten Etappe in Horst Gerbaulets Wanderführer zum westlichen Teil des Hermannsweg, siehe unter Literatur.

Direkt hinter dem Kanal (fürs Navi: Hörstel, Bergeshöveder Str.) liegt der Wanderparkplatz Nasses Dreieck. Von hier aus steigt man über den Bergeshöveder Berg (114 m) zum Riesenbecker Berg (133 m). Hier oben trifft man auf den sogenannten Prozessionsweg, der Riesenbeck mit dem ehemaligen Zisterzienserinnen-Kloster Gravenhorst verbindet. Man kann an der fünften und letzten Station rasten, die Jesu Kreuzigung darstellt.

Schon ein paar Meter weiter findet man die Schöne Aussicht. Dies ist ein denkmalgeschütztes Aussichtsplateau auf 116 Meter Höhe mit einer wunderbaren Fernsicht über das südlich der Bergkette, hier Riesenbecker Osning genannt, liegende Münsterland.

Der Wanderweg führt nun weiter über den Lager Berg mit Schutzhütte zum Birgter Berg. Von dort aus geht es etwas herunter zum Postdamm. Diese Straße heißt so, weil auf ihr die Postboten zwischen Ibbenbüren und Riesenbeck den Teutoburger Wald überquerten. Die Hörsteler Heimatvereine – in Hörstel hat jede der ehemaligen Gemeinden noch einen eigenen Heimatverein – haben eine Sammlung der Hörsteler Straßennamen zusammengetragen und mit teilweise äußerst interessanten Erläuterungen versehen. Dort findet sich sogar eine schematische Darstellung des Postverkehrsnetzes aus dem Jahre 1825, in der diese Verbindung eingezeichnet ist. An der Stelle, an der der Hermannsweg den Postdamm, die heutigen Kreisstraße 3, überquert, befindet sich auch der Wanderparkplatz Postdamm.

Nun steigt man ziemlich steil ab in die Kaiserei, ein Quertal, wie auch das Brumleytal mit dem Ehrenfriedhof, das man gut einen Kilometer weiter erreicht. Allein in der kleinen Stadt Hörstel gibt es sieben Friedhöfe, auf denen Gefallene der allerletzten Kriegstage bestattet sind, davon 42 im Brumleytal. Eine Informationstafel vor Ort gibt weitere Erläuterungen.

Danach geht es noch einmal ein bisschen berghoch. An einer weiteren Schutzhütte vorbei gelangt man zur B 219. Ein paar Meter rechts liegt der Wanderparkplatz Dörenther Klippen / an der B 219, wo man sich gut abholen lassen kann. Eine Bushaltestelle befindet sich 100 Meter weiter Richtung Ibbenbüren. Ich bin zu Fuß zum Bahnhof in Ibbenbüren gegangen, was aber noch ca. eine Stunde Fußmarsch (4 km) war.

Zusammen mit dem Hinweg vom Bahnhof Hörstel zum Hermannsweg (ca. 2½ km) ergibt sich so eine schöne Wanderung von etwas mehr als 14 Kilometern. Wenn man sich unterwegs verpflegen will, sollte man einen Schlenker nach Riesenbeck südlich der Schönen Aussicht einplanen oder warten, bis man in Ibbenbüren ist.

Berlebeck, Hermannsweg, Etappe „Berlebeck – Leopoldstal“

Wanderparkplatz Berlebeck

Hermannsweg, Etappe „Berlebeck – Leopoldstal“

ca. 14 Kilometer

Diese Etappe ist nicht nur die letzte, sondern sicherlich auch eine der schönsten und abwechslungsreichsten auf dem Hermannsweg, allerdings auch eine der anspruchvollsten. Mit dem lippischen Velmerstot erreicht man auch den höchsten Punkt des Hermannswegs, ein wahrlich krönender Abschluss.

8/11
Auf dem Lippischen Velmerstot

Im Detmolder Ortsteil Berlebeck kann man zentral und kostenfrei sein Auto abstellen, gegenüber vom Hotel Kanne ist der Wanderparkplatz Berlebeck. An der evangelisch-reformierten Kirche vorbei beginnt der Weg gleich kräftig bergan zu steigen. Es gilt, den Stemberg zu ersteigen, der 401 Meter hoch ist. Allerdings führt unser Wanderweg nicht direkt über den Gipfel, sondern bleibt etwas nördlicher und tiefer. Es geht durch Fichten- und auch immer wieder durch Buchenwälder. Auch auffallend viele Vogelbeeren säumen den Weg.

Mit der Geisterschlucht südlich des Hermannswegs beginnt schon bei diesem Aufstieg eine Ansammlung von Sandsteinbrüchen, die uns bis zum Wegende begleitet. Den einen oder anderen kann man sich dabei genauer ansehen. Der Wald holt sich seinen Lebensraum zurück, auch wenn einige der Steinbrüche bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt wurden. Zusammen mit den teils gewaltigen, herumliegenden oder in den Wänden anstehenden Sandsteinblöcken ergeben sich „dunkelurige“ Stimmungsbilder. Manchmal muss man genau hinsehen, um zu erkennen, ob es ein überwachsener Steinblock oder ein mit Moos besetzter Baumstumpen ist. Im Kontrast dazu stehen die schönen Aussichten nach Norden in die lippische Schweiz, die man ebenfalls hier vom Hang des Stembergs genießen kann.

Heide auf der Vogeltaufe
Heide auf der Vogeltaufe

Ganz plötzlich kommt man aus dem Wald heraus und erreicht die Vogeltaufe, einen südöstlichen Sporn des Stembergs, der nicht bewaldet ist, sondern als Heide offen gehalten wird – garniert mit einigen malerischen Eichen und Birken. An einigen Raststationen kann man Sonne tanken und den Blick über Blaubeer- und Heidesträucher gleiten lassen. Interessanterweise erkennt man auch noch die alte Grundstücksparzellierung auf diesem Hügel, mit der man im 19. Jh. der Armut der Bevölkerung begegnen wollte.

Ein Gedenkstein erklärt den Namen und die dazugehörende Sage der Vogeltaufe. Wie die Steinbrüche, wie Laub- und Nadelwald, begleiten auch die Heiden diesen Abschnitt des Hermannswegs und das macht mit Berg und Tal auch das Abwechslungsreiche der Etappe aus.

Hinter der Vogeltaufe kommt man zu den ersten Häusern von Holzhausen-Externsteine und zum Wanderparkplatz Vorgeltaufe. Holzhausen-Extersteine ist ein Ortsteil von Horn-Bad Meinberg. Am Hotel Bärenstein verlässt man den Siedlungsbereich schon wieder und wandert in den Wald. Etwas weiter rechts läge der Wanderparkplatz Bärenstein. Hier bietet sich eine eine gute Möglichkeit der Rückwanderung nach Berlebeck an. Der eigentliche Bärenstein ist ein komplett unter Naturschutz stehender Berg (318 m), der wieder eine schöne Hochheide bietet. Die nächste Einsattelung, in die man steil absteigen muss, führt schon hinüber zu den berühmten Externsteinen.

Schon die ersten Bilder, die man noch aus dem Wald heraus erhaschen kann, sind beeindruckend. Recht plötzlich erscheinen die gewaltigen Sandsteinfelsen vor dem Wanderer. Auch wenn es hier manchmal zeimlich voll ist und wenn man schon oft hier war, die Externsteine beeindrucken und lohnen sich immer wieder. Sie gehören zurecht zu den bekanntesten deutschen Natursehenswürdigkeiten.  Sehr gute Informationen dazu bekommt man hier, so dass ich nichts mehr hinzufügen muss. Man kann natürlich auch den Wanderparkplatz Externsteine und die Gastronomie hier nutzen, allerdings etwas ab vom Weg. Schön ist, dass der Hermannsweg durch das Felsentor führt, so dass man auch einen Blick von der anderen Seite bekommt, bevor man steil bergauf auf den Knickenhagen (315 m) steigt. Die Mühen des Aufstiegs werden oben wieder von einer schönen Hochheide belohnt. Dahinter muss man am Hermann-Löns-Stein vorbei wieder kräftig absteigen.

Am Wanderparkplatz Waldschlösschen vorbei gelangt man in das Tal, durch das die Bundesstraße 1 führt. Nach der Unterführung ist erst einmal Schluss mit der „Kletterei“, denn der Wanderweg umkurvt den Knieberg (365 m) weit unterhalb des Gipfels durch lichten Kiefernwald, so dass man recht erholt am Ausflugslokal und Wanderparkplatz Silbermühledas Tal des Silberbachs erreicht.

8/11
Der Silberbach

Und das ist nun wirklich noch einmal ein echtes Highlight auf dem Hermannsweg. Der Wanderweg verläuft eine längere Strecke nahe am Flüsschen entlang. Das Tal zeigt sich von seiner romantischsten Seite (zumindest, wenn die Sonne scheint). Es geht rauf und runter, das Tal verengt und verbreitert sich, man klettert über Sandsteinblöcke und Wurzelwerk – und immer hört man dabei das fröhliche Plätschern des Silberbachs. Ungefähr einen Kilometer geht das so. Steinbruch reiht sich an Steinbruch.

8/11
Steinbruch im Silberbachtal

Und es ist eigentlich schade, dass man doch irgendwann das Tal verlassen muss, um zum letzten Anstieg der Wanderung und des gesamten Hermannswegs anzusetzen. Man erreicht hier auch die ehemalige Grenze des Fürstentums Lippe, was man an der Flurbezeichnung Schnat und an historischen Grenzsteinen erkennen kann.

8/11
Grenzstein 60 C im Silberbachtal

Zunächst geht der Weg nur leicht bergan oder sogar eben durch den Wald, bis er nach einem größeren Bogen rechtwinklig nach rechts nach Süden abzweigt. Nun geht es noch ein kurzes Stück steil durch den Wald. Mit einem Mal hat man Sand unter den Wanderschuhen und erreicht die mit einzelnen kümmerlichen Bäumchen versetzte Heide auf dem lippischen Velmerstot. Die Grenze zwischen Lippe und Preußen verlief genau zwischen den beiden Gipfeln des Velmerstot, so dass wir vom lippischen (441 m) und vom preußischen Velmerstot (468 m) reden. Manche sagen auch die Velmerstot. Unser Hermannsweg führt über den etwas niedrigeren lippischen Gipfel, der zwar keinen Aussichtsturm wie der preußische trägt, aber trotzdem eine tolle Fernsicht, besonders nach Osten und Norden, bietet. Hier hat man den höchsten Punkt des Hermannswegs erreicht. Jetzt heißt es wehmütig Abschied zu nehmen und nur noch abzusteigen, vorbei am Wanderparkplatz Leopoldstalam Waldrand, bis zum kleinen Bahnhof von Leopolstal, vor dem man dann das letzte „H“ findet.

Das letzte H am Bahnhof Leopoldstal

Es befindet sich an der Wanderkarte am Wanderparkplatz Leopoldstal Bahnhof.

Man kann mit der Westfalenbahn nach Detmold fahren und von dort aus mit dem Bus 701 zum Ausgangspunkt am Parkplatz in Berlebeck (Haltestelle Kanne). Ca. eine Dreiviertelstunde muss man wegen der Umsteigezeit für diese Rückfahrt einplanen. Während man auf den Zug wartet (zzt. fährt er immer um 49) kann man sich noch einmal an die schönsten Momente auf dem Hermannsweg zurückerinnern. Oft trifft man auf dem Bahnsteig auch andere Hermannswanderer, mit denen man Erfahrungen austauschen kann.