Berlebeck, Hermannsweg, Etappe „Berlebeck – Leopoldstal“

Wanderparkplatz Berlebeck (fürs Navi: Detmold, Paderborner Str. 142)

Hermannsweg, Etappe „Berlebeck – Leopoldstal“ (ca. 15,6 Kilometer; ca. 4½ Std. Gehzeit)

Diese Etappe ist nicht nur die letzte, sondern sicherlich auch eine der schönsten und abwechslungsreichsten auf dem Hermannsweg, allerdings auch eine der anspruchvollsten. Mit dem lippischen Velmerstot erreicht man auch den höchsten Punkt des Hermannswegs, ein wahrlich krönender Abschluss.

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Auf dem Lippischen Velmerstot

GPSies - Berlebeck, Hermannsweg, Etappe „Berlebeck – Leopoldstal“Im Detmolder Ortsteil Berlebeck kann man zentral und kostenfrei sein Auto abstellen, gegenüber vom Hotel Kanne ist der Wanderparkplatz Berlebeck. An der evangelisch-reformierten Kirche vorbei beginnt der Weg gleich kräftig bergan zu steigen. Es gilt, den Stemberg zu ersteigen, der 401 Meter hoch ist. Allerdings führt unser Wanderweg nicht direkt über den Gipfel, sondern bleibt etwas nördlicher und tiefer. Es geht durch Fichten- und auch immer wieder durch Buchenwälder. Auch auffallend viele Vogelbeeren säumen den Weg.

Mit der Geisterschlucht südlich des Hermannswegs beginnt schon bei diesem Aufstieg eine Ansammlung von Sandsteinbrüchen, die uns bis zum Wegende begleitet. Den einen oder anderen kann man sich dabei genauer ansehen. Der Wald holt sich seinen Lebensraum zurück, auch wenn einige der Steinbrüche bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt wurden. Zusammen mit den teils gewaltigen, herumliegenden oder in den Wänden anstehenden Sandsteinblöcken ergeben sich „dunkelurige“ Stimmungsbilder. Manchmal muss man genau hinsehen, um zu erkennen, ob es ein überwachsener Steinblock oder ein mit Moos besetzter Baumstumpen ist. Im Kontrast dazu stehen die schönen Aussichten nach Norden in die lippische Schweiz, die man ebenfalls hier vom Hang des Stembergs genießen kann.

Heide auf der Vogeltaufe
Heide auf der Vogeltaufe

Ganz plötzlich kommt man aus dem Wald heraus und erreicht die Vogeltaufe, einen südöstlichen Sporn des Stembergs, der nicht bewaldet ist, sondern als Heide offen gehalten wird – garniert mit einigen malerischen Eichen und Birken. An einigen Raststationen kann man Sonne tanken und den Blick über Blaubeer- und Heidesträucher gleiten lassen. Interessanterweise erkennt man auch noch die alte Grundstücksparzellierung auf diesem Hügel, mit der man im 19. Jh. der Armut der Bevölkerung begegnen wollte.

Ein Gedenkstein erklärt den Namen und die dazugehörende Sage der Vogeltaufe. Wie die Steinbrüche, wie Laub- und Nadelwald, begleiten auch die Heiden diesen Abschnitt des Hermannswegs und das macht mit Berg und Tal auch das Abwechslungsreiche der Etappe aus.

Hinter der Vogeltaufe kommt man zu den ersten Häusern von Holzhausen-Externsteine und zum Wanderparkplatz Vorgeltaufe. Holzhausen-Extersteine ist ein Ortsteil von Horn-Bad Meinberg. Am Hotel Bärenstein verlässt man den Siedlungsbereich schon wieder und wandert in den Wald. Etwas weiter rechts läge der Wanderparkplatz Bärenstein. Hier bietet sich eine gute Möglichkeit der Rückwanderung nach Berlebeck an. Der eigentliche Bärenstein ist ein komplett unter Naturschutz stehender Berg (318 m), der wieder eine schöne Hochheide bietet. Die nächste Einsattelung, in die man steil absteigen muss, führt schon hinüber zu den berühmten Externsteinen.

Schon die ersten Bilder, die man noch aus dem Wald heraus erhaschen kann, sind beeindruckend. Recht plötzlich erscheinen die gewaltigen Sandsteinfelsen vor dem Wanderer. Auch wenn es hier manchmal zeimlich voll ist und wenn man schon oft hier war, die Externsteine beeindrucken und lohnen sich immer wieder. Sie gehören zurecht zu den bekanntesten deutschen Natursehenswürdigkeiten.  Sehr gute Informationen dazu bekommt man hier, so dass ich nichts mehr hinzufügen muss. Man kann natürlich auch den Wanderparkplatz Externsteine und die Gastronomie hier nutzen, allerdings etwas ab vom Weg. Schön ist, dass der Hermannsweg durch das Felsentor führt, so dass man auch einen Blick von der anderen Seite bekommt, bevor man steil bergauf auf den Knickenhagen (315 m) steigt. Die Mühen des Aufstiegs werden oben wieder von einer schönen Hochheide belohnt. Dahinter muss man am Hermann-Löns-Stein vorbei wieder kräftig absteigen.

Am Wanderparkplatz Waldschlösschen vorbei gelangt man in das Tal, durch das die Bundesstraße 1 führt. Nach der Unterführung ist erst einmal Schluss mit der „Kletterei“, denn der Wanderweg umkurvt den Knieberg (365 m) weit unterhalb des Gipfels durch lichten Kiefernwald, so dass man recht erholt am Ausflugslokal und Wanderparkplatz Silbermühle das Tal des Silberbachs erreicht.

Silberbach mit Aufdruck

Und das ist nun wirklich noch einmal ein echtes Highlight auf dem Hermannsweg. Der Wanderweg verläuft eine längere Strecke nahe am Flüsschen entlang. Das Tal zeigt sich von seiner romantischsten Seite (zumindest, wenn die Sonne scheint). Es geht rauf und runter, das Tal verengt und verbreitert sich, man klettert über Sandsteinblöcke und Wurzelwerk – und immer hört man dabei das fröhliche Plätschern des Silberbachs. Ungefähr einen Kilometer geht das so. Steinbruch reiht sich an Steinbruch.

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Steinbruch im Silberbachtal

Und es ist eigentlich schade, dass man doch irgendwann das Tal verlassen muss, um zum letzten Anstieg der Wanderung und des gesamten Hermannswegs anzusetzen. Man erreicht hier auch die ehemalige Grenze des Fürstentums Lippe, was man an der Flurbezeichnung Schnat und an historischen Grenzsteinen erkennen kann.

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Grenzstein 60 C im Silberbachtal

Zunächst geht der Weg nur leicht bergan oder sogar eben durch den Wald, bis er nach einem größeren Bogen rechtwinklig nach rechts nach Süden abzweigt. Nun geht es noch ein kurzes Stück steil durch den Wald. Mit einem Mal hat man Sand unter den Wanderschuhen und erreicht die mit einzelnen kümmerlichen Bäumchen versetzte Heide auf dem lippischen Velmerstot. Die Grenze zwischen Lippe und Preußen verlief genau zwischen den beiden Gipfeln des Velmerstot, so dass wir vom lippischen (441 m) und vom preußischen Velmerstot (468 m) reden. Manche sagen auch die Velmerstot. Unser Hermannsweg führt über den etwas niedrigeren lippischen Gipfel, der zwar keinen Aussichtsturm wie der preußische trägt, aber trotzdem eine tolle Fernsicht, besonders nach Osten und Norden, bietet. Hier hat man den höchsten Punkt des Hermannswegs erreicht. Jetzt heißt es, wehmütig Abschied zu nehmen und nur noch abzusteigen, vorbei am Wanderparkplatz Leopoldstal am Waldrand, bis zum kleinen Bahnhof von Leopolstal, vor dem man dann das letzte „H“ findet.

Das letzte H am Bahnhof Leopoldstal

Es befindet sich an der Wanderkarte am Wanderparkplatz Bahnhof Leopoldstal.

Man kann mit der Westfalenbahn nach Detmold fahren und von dort aus mit dem Bus 701 zum Ausgangspunkt am Parkplatz in Berlebeck (Haltestelle Kanne). Ca. eine Dreiviertelstunde muss man wegen der Umsteigezeit für diese Rückfahrt einplanen. Während man auf den Zug wartet (zzt. fährt er immer um 49) kann man sich noch einmal an die schönsten Momente auf dem Hermannsweg zurückerinnern. Oft trifft man auf dem Bahnsteig auch andere Hermannswanderer, mit denen man Erfahrungen austauschen kann.


 

 

 

Zum Abschluss noch ein Alternativvorschlag zu dieser Tour: Andersherum vom Bahnhof Leopoldstal über Berlebeck bis zum Hermannsdenkmal bei Detmold. Weitere Infos gibt es bei diesem Eintrag: Bahnhof Leopoldstal, Hermannsweg, Etappe „Leopoldstal – Hermannsdenkmal“.

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Hiddesen, Hermannsdenkmal, Hermannsweg, Etappe „Hermannsdenkmal – Berlebeck“

Wanderparkplatz Hermannsdenkmal (fürs Navi: Detmold, Grotenburg 2)

Hermannsweg, Etappe „Hermannsdenkmal – Berlebeck“ (inkl. Rückwanderung ca. 10 km; ca. 2¼ Std.)

Der Hermannswegwanderer erreicht das Hermannsdenkmal in der Regel von Bielefeld kommend, wie hier beschrieben, und geht dann weiter Richtung Leopoldstal. Aber natürlich ist das Hermannsdenkmal mit Parkplatz, Bushaltestelle und Gastronomie auch ein guter Ausgangspunkt für diverse Wanderungen bzw. für die Weiterwanderung auf dem Hermannsweg.

Zu empfehlen ist z. B. die Wanderung auf dem Hermannsweg bis in den Detmolder Ortsteil Berlebeck mit Rückwanderung auf dem ruhigen Niedersachsenweg X6. Bis Berlebeck sind es ca. 4,2 Kilometer, die Rückwanderung ist etwas weiter, ca. 5,8 Kilometer, insgesamt ist die Tour also gut 10 Kilometer lang.

Man wandert dabei recht geruhsam durch die Lippische Schweiz. „Schweizen“ gibt es übrigens alleine in Deutschland fast 70. In der Regel entstanden diese Bezeichnungen in der Romantik, um eine besonders schöne, hügelige Gegend zu kennzeichnen. Manchmal allerdings wurde der Begriff auch in neuerer Zeit aus Gründen des Tourismus-Marketings eingeführt. Dass hier im Lipperland tatsächlich eine besonders schöne und hügelige – man kann fast schon bergige sagen – Landschaft vorliegt, steht aber wohl außer Frage.

Lippische Schweiz in Berlebeck

GPSies - Hiddesen, Hermannsdenkmal, Hermannsweg, Etappe „Hermannsdenkmal – Berlebeck“Vom großen, kostenpflichtigen Parkplatz am Hermannsdenkmal aus gehen Sie die Denkmalstraße hinunter. Schon nach kurzer Zeit haben Sie einen guten Ausblick auf den WDR-Sendemast auf dem 393 Meter hohen Bielstein. Der Mast, offiziell Grundnetzsender Teutoburger Wald genannt, ist in der aktuellen Variante gewaltige 290 Meter hoch und liegt wie das Hermannsdenkmal noch auf dem Gebiet des Detmolder Stadtteils Hiddesen.

Wenn man genug gestaunt hat, kann man auf dem Fußweg weiterwandern. Nach kurzer Zeit kommt man zum Wanderparkplatz Grotenburg (auf dem man sein Auto hätte kostenlos abstellen können). In einer Linkskurve der Denkmalstraße verlässt man dann mit dem Hermannsweg die Straße und wandert in den Wald hinein, es sei denn, man macht einen Abstecher zum nahegelegenen Vogelpark in Detmold-Heiligenkirchen. Der Hermannsweg führt nun relativ eben oder sogar leicht abfallend durch schönen Buchenwald bis zum Hangstein unterhalb des Naturschutzgebietes Hohe Warte. Das eindrucksvolle Gebäude dort beinhaltet das Café-Restaurant Haus Hangstein. Nach Süden hat man eine schöne Aussicht. Hier befindet sich auch der Wanderparkplatz Hangstein.

Der Hermannsweg ist hier auch Teil des europäischen Fernwanderwegs E1 (8/11)

Man erreicht hier das Berlebecker Siedlungsgebiet, durch das man an einer Schutzhütte vorbei weiterwandert bis zur bekannten Adlerwarte. Bekannt ist gar nicht das richtige Wort. Die Adlerwarte Berlebeck ist eine der – wenn nicht die älteste und größte Greifvogelwarte in Deutschland oder sogar Europa. Es gibt hier ca. 200 Greifvögel von Andenkondoren bis zu Weißkopfseeadlern zu bestaunen und täglich Freiflugvorführungen.

Über eine Treppe geht es hinunter zur Berlebecke, die hier an der Paderborner Straße verläuft. Nun kann man entweder auf dem Hermannsweg weitergehen oder, wie ich es getan habe, über einen kleinen Umweg zurück zum Ausgangspunkt wandern. Ich habe die von Horst Gerbaulet (siehe unter Literatur) empfohlene Rückwanderroute genutzt. Wenn man sich an den Kennzeichnungen , A3 und X6 orientiert, kann man sich nicht verlaufen, auch wenn der Wegverlauf etwas anders ist, als in Gerbaulets Karte eingezeichnet. Am Flüsschen entlang kommt man schnell zum Wanderparkplatz Haus des Gastes. Dieses ist in der ehemaligen Papiermühle Berlebeck aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Nun muss man über ◊1 und A3 die Höhenmeter, die man vorher hinuntergestiegen ist, wieder gewinnen, bis man schließlich auf den Niedersachsenweg X6 kommt. Der führt dann wieder auf den Hermannsweg bzw. auf diesem zum Hermannsdenkmal. X6 verbindet das Hermannsdenkmal mit Hameln, das sind ca. 80 km.


2¼ Stunden sollte man für diese Strecke schon einplanen, Besichtigungen nicht mit eingerechnet.

Stieghorst, Habichtshöhe, Hermannsweg, Etappe „Habichtshöhe – Hermannsdenkmal“

Parkplatz Habichtshöhe

Hermannsweg, Etappe „Habichtshöhe – Hermannsdenkmal“

Der Hermannsweg von Rheine nach Leopoldstal ist sicherlich der bekannteste Wanderweg in unserer Region. Trotzdem ist es dort über weite Strecke recht einsam, vor allem im westlichen und mittleren Teil. Die hier beschriebene Strecke wird dagegen viel frequentiert, von Spaziergängern, Wanderern, Walkern, Joggern, Hermannsläufern, Mountainbikern und sogar Reitern. Das liegt schon alleine daran, dass drei Städte am Weg liegen: Bielefeld, Oerlinghausen und Detmold. Aber keine Sorge, auf den ca. 27 Kilometern verteilt sich das ganz gut. Und es ist hier natürlich deutlich ruhiger als auf der Bielefelder Promenade von der Sparrenburg zur Habichtshöhe, meiner letzten Etappe.

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Wegespinne auf dem Kamm des Teutoburger Waldes

Die Wanderer, die schon aus Rheine kommen, wechseln in Bielefeld vom Natur- und Geopark TERRA.vita (ehemals Naturpark Nördlicher Teutoburger Wald – Wiehengebirge) zum Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald. Der durch das Projekt Hermannshöhen perfekt betreute Hermannsweg ist gut ausgebaut und ausgeschildert, verlaufen unmöglich. Auch gibt es genug Literatur und Kartenmaterial.

Die traditionsreiche Habichtshöhe liegt an einer der wenigen innerstädtischen Straßen, die den Teuto überqueren, und zwar an der Bodelschwinghstraße 79 (fürs Navi). Es geht ab dem Parkplatz recht kräftig bergauf, aber bevor Sie in den Wald „eintauchen“, sollten Sie einen Blick auf das rechts des Weges liegende ehemalige Teutoburger-Wald-Heim von 1906 werfen. Das jetzt wieder sehr schön renovierte, palastartige, ehemalige Erholungsheim beinhaltet aber heute private Wohnungen und ist nicht zugänglich.

Auf dem Hermannsweg ersteigt man den Ebberg, der 309 Meter (am Eisernen Anton) hoch ist. Wenn man aber den Anstieg hinter sich hat, geht es oben relativ eben weiter bis zum nächsten Pass. An der Schutzhütte hat man noch einmal einen schönen Ausblick über Bielefeld. An der kurz davor gelegene Wegespinne kreuzt ein alter Weg in die Senne den Kamm, den man heute noch als tiefen Hohlweg erkennen kann. Und heute noch verläuft der Hermannsweg hier auf der Grenze zwischen den Stadtbezirken Stieghorst im Norden und Senne im Süden. Der schöne Grenzstein, den Sie dort oben finden und der die Jahreszahl 1890 trägt, hat damit allerdings nicht viel zu tun, denn er markiert den Besitz der in Bielefeld bekannten Familie von Spiegel vom Spiegelschen Hof (Kreuzstr., heute NaMu), zu dem auch der Togdrang, die waldreiche, dem Kamm hier südlich vorgelagerte Gegend, gehörte. Dementsprechend sind die Symbole auf dem Grenzsteins keine Blumen, wie man meinen könnte, sondern die drei Spiegel des Familienwappens.

Grenzstein der Familie von Spiegel

Schon bald gelangen Sie nun zur Osningstraße, die am Hotel-Restaurant Eiserner Anton den Teutoburger Wald überquert. Auf asphaltiertem oder gepflastertem Weg kommen Sie zu dem aus Stahl errichteten Aussichtsturm von 1895, Bielefelds kleinem Eiffelturm, dem Eisernen Anton. Dass hier nicht immer nur flaniert wurde, sondern die meiste Zeit sehr hart gearbeitet werden musste, erkennt man an den vielen beeindruckenden, mehrstämmigen Buchen, die Überbleibsel der ehemaligen Niederwaldwirtschaft sind. Die prächtigen „Kletterbäume“ entstehen, wenn die Bäume, die früher regelmäßig zur Holzgewinnung bis auf den Stumpf zurückgeschnitten wurden, wieder ausschlagen und durchwachsen können.

Über die Lämershagener Treppen steigen Sie in der Nähe der Autobahn A2 vom Ebberg hinunter. Die Treppenanlagen sind besonders bei den Teilnehmern des Hermannslaufes gefürchtet, die den Hermannsweg andersherum ablaufen und deswegen hier eine der letzten kräftigen Steigungen überwinden müssen.

Am Gasthaus Deppe in Lämershagen teilt sich der Wanderweg in eine südlich und eine nördliche Variante. Die südliche Strecke umwandert in vielen Windungen die Verwallung der ehemaligen Bergfestung Hünensaut, führt durch den Markengrund und ist 1,9 km länger. Die nördliche Variante führt schnurgerade durch das Tal unterhalb der Lietegge und ist auch schön. Der wieder zusammengeführte Weg führt weiter durchs Tal, umgeht südlich den Hof Brinkmann und schon sieht man Oerlinghausen mit dem Tönsberg vor sich liegen.

Erster Blick auf Oerlinghausen (4/11)

Bevor man in der Stadt ankommt, erreicht man noch den schönen Schopkebach.

Oerlinghausen, die erste lippische Stadt, wenn man auf dem Hermannsweg ostwärts wandert, ist natürlich eine eigene Reise wert. Mit dem Archäologischen Freilichtmuseum, dem bekannten Segelflugplatz und dem alten Stadtkern hat sie eine Menge zu bieten. Auch der Hermannsweg führt an der evangelisch-reformierten Pfarr- oder Alexanderkirche vorbei, einer dreijochigen Hallenkirche aus dem frühen 16. Jahrhundert. Ein paar Meter weiter liegen die ehemalige Synagoge und der malerische, alte, jüdische Friedhof. Dann kommen Sie an der Jugendherberge vorbei und haben schon fast den Kamm des langgezogenen Tönsberges erreicht. Den vorausliegenden, wappenbesetzten Windmühlenstumpf von 1752 nennen die Oerlinghausener Kumsttonne, weil er einem Sauerkrautfass (Sauerkraut = Kumst) ähnelt.

„Kumsttonne“ in Oerlinghausen (4/11)

Die Kumsttonne zierte als Wahrzeichen der Stadt sogar das Oerlinghausener Wappen, bis sie durch das Segelflugzeug abgelöst wurde. Oben auf dem Tönsberg gibt es ab dem Berggasthof Tönsberg eine Menge zu besichtigen, vorbei an diversen Denkmälern gelangt man zur altsächsischen Wallburg Tönsberglager mit Kapellenruine. Hinweistafeln erläutern das Wichtigste.

Über die Wistinghauser und die Stapelager Schlucht erreicht man die Waldgaststätte Bienen-Schmidt. Die beiden Schluchten tragen ihren Namen allerdings kaum zu recht, denn es sind eher flache Einsattelungen zwischen Tönsberg, Hunneckenkammer und Stapelager Bergen.

Bienen-Schmidt ist eine Top-Adresse für Wanderer. Hier liegt auch der Wanderparkplatz Bienen-Schmidt / Hörste. Selbst wenn die Gaststätte eigentlich geschlossen ist, können Sie sich auf den Bänken des schönen Biergartens erholen. Ab hier ändert sich das Bild des Hermannswegs, was am Einfluss der südlich gelegenen Senne liegt. Der Weg führt mehr und mehr durch Sand, Kiefern bestimmen die Flora, schließlich windet sich der Weg durch richtiges Dünengelände. Vorbei an den Rethlager Quellen gelangt man zum Campingplatz Quellental in der Dörenschlucht und über die Augustdorfer Straße (L 758) zum Wanderparkplatz Fischerteich am Freibad. Man verlässt den äußeren Siedlungsbereich der Stadt Detmold (Ortsteil Pivitsheide V.L.-Kussel) allerdings gleich wieder und wandert durch – durch den Orkan Kyrill teilweise arg in Mitleidenschaft gezogene – Kiefernwälder. So gelangt man zu dem wirklich idyllisch gelegenen, aber etwas überlaufenen Donoperteich. Im dazugehörigen Naturschutzgebiet gibt es viele Spazierwege (und Spaziergänger). Am Wanderparkplatz Hiddeser Bent und Donoper Teich steht auch einen Kiosk. Der Donoper Teich entstand schon im 17. Jahrhundert durch Aufstauen des Hasselbachs. Eine seiner Quellen ist wegen ihres Eisengehalts bekannt geworden und befindet sich nördlich des Teichs. Der Hermannsweg führt weiter zum Krebstteich, der sein Wasser aus dem Hiddeser Bent (Bent = Moor / Sumpf) bezieht, den der Wanderweg leider nur streift.

Erster Blick aufs Hermannsdenkmal (4/11)

Man überquert die Lopshorner Allee und erreicht durch schön durchmischten Wald eine Schutzhütte, von der aus man einen schönen Blick auf das heutige Etappenziel, das Hermannsdenkmal, hat. Man wandert nun durch das malerische Heidental zum Kaiser-Wilhelm-Weg. Der Weg steigt dabei immer stärker an und der sogenannte Gemsensteig, über den der Wanderweg zum Hermannsdenkmal hinaufführt, gehört sicherlich zu den steilsten Teilstrecken des gesamten Hermannswegs. Um so mehr hat man sich dann die Erholung am Denkmal auf der Grotenburg oder im nahegelegenen Restaurant verdient. Hier gibt es nicht nur die Aussicht und das Hermannsdenkmal zu besichtigen, sondern auch vieles andere wie die Bandelhütte, den Bismarckstein, einen Kletterpark usw. Und hier gibt es selbstverständlich auch einen großen Parkplatz.

Haben Sie die gesamte Strecke von der Bielefelder Habichtshöhe bis zum Detmolder Hermannsdenkmal geschafft, haben Sie die Etappen 2 bis 6 des östlichen Hermannswegführers von Horst Gerbaulet (siehe meine Seite Literatur, oben) erwandert. Es sind jetzt nicht mal mehr 20 (allerdings schwere) Kilometer zum lippischen Velmerstot hinter Horn-Bad Meinberg. Viel Spaß noch!

Hermannsdenkmal (4/11)

Ascheloh, Grüner Weg, Hermannsweg, Etappe „Werther Schanze – Peter auf’m Berge“

Wanderparkplatz Grüner Weg

Hermannsweg, Etappe „Werther Schanze – Peter auf’m Berge“, sieben Kilometer

hermannsweg_hDer Wanderparkplatz Grüner Weg liegt an der Grenze zwischen Halle und Werther. Hier kann man gut in den Hermannsweg einsteigen und bis zur Traditionsgaststätte Peter auf’m Berge wandern, die in Bielefeld an der Grenze zu Steinhagen liegt. Der Hermannsweg ist als Kammweg auf dem Teutoburger Wald eben auch oft ein Grenzweg.

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Wanderparkplatz Grüner Weg mit Aussicht

Vom Parkplatz aus, der auch schon gute Sitz- oder Rastmöglichkeiten und eine fantastische Aussicht nach Westen bietet, kommen Sie nach einem steilen Aufstieg zur ehemaligen Befestigungsanlage Werther Schanze. Es gibt zwar eine Hinweistafel, man benötigt aber etwas Fantasie oder gute Augen, um in den Geländestrukturen die Reste der Befestigung zu erkennen. Man wandert über den Hengeberg (316 m, höchste Erhebung im Kreis Gütersloh), am Fluggelände Ascheloh mit der tollen Aussicht nach Südwesten und an der prähistorischen Heideburg vorbei. Von hier könnte man auch zum nördlich gelegenen Wanderparkplatz Bergfrieden in Werther-Isingdorf absteigen.

Auf dem Kamm gelangt man über den Gottesberg, den Petersberg mit seiner kleinen „Heidelandschaft“ mit vielen Wacholderbüschen, über den Bußberg mit der Kaiser-Friedrich-Hütte an der Schwedenschanze (unterhalb auf Bielefelder Seite liegt der Wanderparkplatz Schwedenfrieden) und über den Palsterkamper Berg schließlich zum großen Wanderparkplatz Peter auf’m Berge.

„Heidelandschaft“ auf dem Kamm des Teutoburger Walds

Der Weg bzw. das Teilstück des Hermannswegs ist in eine Richtung ungefähr sieben Kilometer lang, man benötigt gut zwei Stunden, denn es sind einige recht kräftige Steigungen zu meistern. Dafür gibt es unterwegs auch immer wieder Bänke oder sogar Hütten zum Verschnaufen. Vielleicht deswegen, vor allem aber wohl wegen der vielen schönen Aussichtspunkte, ist diese Etappe für einige Wanderfreunde der schönste Abschnitt des Hermannswegs. Aber für diesen Titel ist die Konkurrenz groß.

Man kann sich unterwegs stärken, z. B. im Restaurant Bergfrieden, im Ausflugslokal Schwedenfrieden, beide mit Biergarten, oder in der Schutzhütte Schwedenschanze (hier aber keine Toiletten!). Offiziell heißt diese bewirtschaftete Anlage Kaiser-Friedrich-Hütte, im Volksmund wird sie aber meist Schwedenschanze nach der nahe gelegenen Wallanlage, der eigentlichen Schwedenschanze,  genannt. Hier ist auch besonders die Aussicht zu genießen. Und natürlich gibt es am Ende der Etappe das bekannte Waldhotel-Restaurant Peter auf’m Berge.

Für diesen Weg soll eine Kurzbeschreibung genügen, denn alle Informationen finden sich in H. Gerbaulets Führer zum westlichen Teil des Hermannswegs, siehe unter Literatur. In seinem Wanderführer ist dieser Weg der neunte Wanderabschnitt.

Der Hermannsweg führt weiter in die Großstadt Bielefeld, das ist dann die nächste Etappe.

Als insgesamt zehn Kilometer lange Alternative, dafür aber inklusive Rückweg, bietet es sich an, vor dem steilen Anstieg zur Schwedenschanze an der großen Wegespinne nördlich abzubiegen und nach Dornberg zum Wanderparkplatz Schwedenfrieden abzusteigen. Von dort aus kann man über den Wanderweg 10, der an Wanderparkplatz und Restaurant Bergfrieden  vorbeiführt, meist am Waldrand mit vielen idyllischen Ausblicken zurückwandern. Wo der Wanderweg 10 kurz hinter der Arminiusquelle nach rechts nach Werther abbiegt, geht man einfach geradeaus weiter und kommt direkt zum Grünen Weg.

Eines der vielen Quertäler
Blick vom Wanderweg 10 „Bielefeld – Werther“ nach Nord-Osten

Noch Sportlichere können natürlich auch bis zum „Peter“ durchmarschieren und dort den Wendepunkt setzen. Dann beträgt die gesamte Strecke ca. 14,5 Kilometer. Um den Rückweg über den Wanderweg 10 „Bielefeld – Werther“ anzutreten, muss man über den großen Parkplatz dem Restaurant gegenüber gehen und im hinteren Teil findet man dann ◊10. Man geht oberhalb der Hofstelle Meyer zu Hoberge entlang nach Nord-Westen. Immer wieder scheint das Weiß prächtig renovierter Fachwerkbauten durch die Blätter. Oft bewegt man sich in herrlichem Buchen-Hochwald. Der Weg führt aber auch häufig am Waldrand entlang, was immer wieder schöne Ausblicke in die Quertäler amTeutoburger Wald ermöglicht.

Dörenthe, Ibbenbüren Dörenther Klippen / an der B 219, Hermannsweg, Etappe „Dörenther Klippen – Lengerich“

Wanderparkplatz Ibbenbüren Dörenther Klippen / an der B 219

Hermannsweg, Etappe „Dörenther Klippen – Lengerich“ (ca. 19,1 km; ca. 5 Std.)

Für diesen Wanderweg sollte man den Wanderführer von Horst Gerbaulet zum westlichen Teil des Hermannsweg nutzen (siehe unter Literatur), denn er deckt sich mit dessen dritter und vierter Etappe. Der Weg lässt sich dementsprechend in zwei Hälften einteilen. Zur Mittagspause is(s)t man in Tecklenburg. Aber auch den Teil bis Tecklenburg kann man noch einmal gut unterteilen: Der erste Teil ist eigentlich ein Weg über die Dörenther Klippen, die zweite Hälfte ab Brochterbeck (dort Frühstückspause?) orientiert sich auf Tecklenburg zu.

GPSies - Dörenthe, Ibbenbüren Dörenther Klippen / an der B 219, HermannswegVom Wanderparkplatz Ibbenbüren Dörenther Klippen / an der B 219 geht man ein kurzes Stück an der Bundesstraße entlang Richtung Ibbenbüren, aber gleich an der Bruder-Klaus-Kapelle biegt man nach Osten in den Wald und kommt zum Campingplatz „Dörenther Klippen“. Hier gibt es auch den Wanderparkplatz Ibbenbüren Am Campingplatz Dörenther Klippen. Wenn man den Weg andersherum abmarschiert, kann man sich auch gut in der zugehörigen Gaststätte, einem schwäbischen Gasthof,  stärken.

Ansonsten kommen jetzt die weit über die Grenzen bekannten Sandstein-Felsformationen mit dem „Hockenden Weib“, dem „Dreikaiserstuhl“ u. a. Immer wieder bieten sich schöne Aussichten, z. B. nach Norden zum Klotenberg und ins Bocketal, einem Quertal des Teutoburger Waldes. Folgt man dem wie immer gut gekennzeichneten Wanderweg, steigt man nach den Dörenther Klippen nach Brochterbeck ab. Wo der Hermannsweg über die Gleise der traditionsreichen Teutoburger-Wald-Eisenbahn führt, findet sich am Ringhotel Teutoburger Wald auch der Wanderparkplatz Alter Bhf. Brochterbeck. Die alte, schön gestalteten, aber schon recht verwitterten Wanderkarte gibt es dort leider nicht mehr. Hier beginnen auch weitere, schöne Brochterbecker Wanderwege.

Hohlweg zum Blücherfelsen hinauf
Hohlweg zum Blücherfelsen hinauf

Nun geht es durch einen alten Hohlweg recht steil bergauf zum Blücherfelsen (Aussicht!). Der Felsen ist nach dem preußischen Generalfeldmarschall Blücher, bekannt als „Marschall Vorwärts“, benannt, der nämlich ab 1803 Militärgouverneur in Westfalen war. Ob er wirklich, wie man sich erzählt, hier oben gesessen und die Aussicht genossen hat?

Auf dem Kamm geht es weiter. Sehr bald kommt man an die Waldkapelle „Maria Wegweiserin“, erbaut 1934-35. Sie ist Beleg dafür, dass die Schönstatt-Bewegung auch nach Westfalen gekommen ist.

Weiter auf dem Hermannsweg gibt es bald Ausblicke nach Norden bis zum Kraftwerk Ibbenbüren und weiter. Nach einigen Kilometern trifft man schon auf die Tecklenburger Wanderwege mit Waldlehrpfad und dann ist es nicht mehr weit bis zum Bismarckturm. Von dem aus hat man bestimmt auch eine tolle Aussicht, aber immer wenn ich vorbeikam, war er geschlossen.

Man geht nun noch ein kurzes Stück zum Wanderparkplatz Münsterlandblick (fantastische Aussicht, wie der Name schon sagt). Hier ist ein guter Rast-, Wechsel- oder Abholpunkt. Man kann aber auch gut an der Jugendherberge vorbei durch die Tecklenburger Altstadt zum zentral gelegenen Wanderparkplatz Altstadt gehen. Dass es hier einige Einkehrmöglichkeiten gibt, versteht sich von selbst. Den sonst immer perfekt gekennzeichneten Hermannsweg kann man hier leicht verlieren, was aber in der schönen Altstadt auch nicht schlimm ist. An jeder Ecke gibt es Schönes und Interessantes zu sehen. Tecklenburg ist ein Tourismus-Highlight, anscheinend auch für unsere niederländischen Nachbarn, wenn man so auf die Autokennzeichen sieht und auf die Sprache hört.

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In Tecklenburg

Bis hierhin ist man ca. 10 Kilometer gelaufen; drei Stunden wird man wegen der vielen Aussichtspunkte gebraucht haben.

Wenn man gut zu Fuß ist, sollte man noch ein Stück Weg dranhängen, in 9 Kilometern ist man in Lengerich an der Raststation „Westfälischer Frieden 1648“.

Verlassen Sie Tecklenburg nordöstlich über die Pagenstraße und biegen Sie dann rechts in die Grafenstraße ein. Dieser folgen Sie ca. einen Kilometer, über den Brandenberg (195 m) mit dem Wanderparkplatz Grafenstraße / Am Fernmeldeturm. Ab dem Alten Postweg steigt der Weg wieder langsam an auf die Margaretenegge. Dieses schöne Waldstück wird von der Autobahn A 1 durchschnitten, die man auf der sehr hohen Hermannsbrücke überquert. Der Kontrast zwischen der Einsamkeit hier oben und dem rauschenden Verkehr unten ist interessant.

Über den Leedener Berg geht es runter zum Stift Leeden. Am Wanderparkplatz Leeden (Stift) überquert man die Hauptstraße nach Lengerich. Für die schöne, historische Anlage mit Stiftskirche und Stiftshaus sollte man sich etwas Zeit einplanen. Leeden ist heute ein Stadtteil von Tecklenburg. Hier gibt es verschiedene Einkehrmöglichkeiten. Über das Stiftsgelände kommt man zum Wanderparkplatz Leeden Dorfplatz. Hier gibt es einen Rastplatz, ein Kneippbecken und anderes mehr.

Hinter dem Ort geht es über Fangberg (122 m) und Klausberg (116 m) wieder auf die Südseite des Teutoburger Waldes. Über asphaltierte, aber ruhige Straßen kommt der Wanderer über die Elsebieke, die in den Leedener Mühlenbach mündet, und über die Gemeindegrenze nach Lengerich. Gleich hinter der Grenze, noch vor der Bahnlinie, befindet sich die Raststation „Westfälischer Friede 1648“ an der Talstraße.


Hier kann man die Tour beenden oder man geht weiter durch den Schollbruch. Für mich war das dann aber die nächste Etappe.