Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Von Wellingholzhausen auf die Steinegge und zurück

Wanderparkplatz Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes) (fürs Navi: Melle, Am Ring 18)

Rundwanderweg „Von Wellingholzhausen zur Steinegge und zurück“ (ca. 14,9 km; ca. 4 Std. plus Pausen)

Diese Wanderung ist für WandererMartin eine der schönsten Runden im hügeligen südlichen Osnabrücker Land. Sie kombiniert unter anderem Teile von Ahornweg, Schau-ins-Land-Weg und Ems-Hase-Hunte-Else-Weg und führt von Wellingholzhausen zum Postturm auf dem Kamm des Teutoburger Waldes bei Dissen. Sie führt durch dichten Wald und an schönen Quellen vorbei. Dazu kommen die Plätze, die eine hervorragende Aussicht über den Osnabrücker Südkreis garantieren. Insgesamt also wirklich eine hervorragende Wandertour.

GPSies - Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Von Wellingholzhausen auf die Steinegge und zurückMan beginnt im schönen Wellingholzhausen am sogenannten Grönenberger Dom, St. Bartholomäus, parken kann man gut am Haus des Gastes. An der Bushaltestelle ist auch eine Stadtteilkarte, auf der man sich einen groben Überblick verschaffen kann.

Über die Eichendorffstraße hinter dem HdG gelangt man zur Beutlingsallee und zum gut ausgeschilderten Ahornweg. Unser Hinweg folgt diesem Fernwanderweg komplett bis zum Dissener Aussichtsturm. Zunächst geht es aus dem Ort hinaus zum Beutling, dem Wahrzeichen des Dorfes. Oben angekommen kann man von dieser ersten kräftigen Steigung des Wegs auf dem Aussichtsturm verschnaufen. Der Beutlingsturm bietet eine schöne Sicht in alle Richtungen, bei sehr guten Sichtverhältnissen z. B. über das Bielefelder Kesselbrink-Hochhaus bis zum Hermannsdenkmal in Detmold.

Wellingholzhausen vom Beutlingsturm

Südlich des Beutlings geht es nun hinunter ins wunderschöne Puschkental. Über die gleichnamige Straße kommt zum Wanderparkplatz, der ebenfalls Puschkental heißt. Am Waldrand biegt man rechts ein und wandert so hinunter zur Schwarzen Welle oder Almaquelle. An dieser ergiebigsten der Hasequellen gibt es schöne Rastmöglichkeiten im dunklen Wald. Man folgt dann dem Quellbach ein paar Meter. Schließlich hilft ein kleines Brückchen trockenen Fußes über das Wasser zu kommen. Hier haben wir die tiefste Stelle des Hinwegs erreicht, denn jetzt beginnt der lange Aufstieg auf den Hauptkamm des Teutoburger Waldes. Das hört sich dramatischer an, als es ist.

Zunächst erreicht man den idyllischen Blauen See (der meist – wenn er überhaupt Wasser hat – grün ist). Auch er wird von einer Quelle gespeist, deren Wasser bald in die Hase fließt. Auch hier gibt es eine Schutzhütte. Schon wenige Meter hinter dem Blauen See verlassen wir mir mit dem Ahornweg den Hauptweg und bewegen uns kontinuierlich auf den Kamm zu. Um so höher wir kommen, um so prächtiger wird der Wald. Am Scholleggenweg steht eine Wanderkarte, die uns die Gegend erläutert.

Am Zaun der Postanlage entlang erreichen wir schließlich die Steinegge, über die natürlich der Hermannsweg führt. Man kann sich erst etwas auf den neuen Rastanlagen ausruhen, aber dann sollte man unbedingt den Aussichtsturm besteigen. Eine Wendeltreppe führt außen am Turm in die Höhe – eine tolle Idee. Unter einem liegen das grüne Band des Teutos und die vorgelagerten Ebenen und Ortschaften.

Blick vom Postturm auf der Steinegge über den Teuto-Kamm zum Windrad auf dem Borgholzhausener Hollandskopf

Nun machen wir uns auf den Rückweg. Kurz unterhalb des Turms verlassen wir den Ahornweg und wechseln nach rechts auf den Ems-Hase-Hunte-Else-Weg, ausgezeichnet mit einem weißen Punkt. Den größten Teil verlaufen Ahornweg und der „Vier-Flüsse-Weg“ südlich von Wellingholzhausen auf derselben Trasse, nur hier nördlich der Steinegge teilen sie sich auf. Die Ems-Hase-Hunte-Else-Variante ist kürzer und deswegen steiler. Auch so kommen wir wieder zum Blauen See.

Hier wechseln wir dann auf den Wellingholzhauser Rundweg A7. Er führt durch den schönen Baumgarten weiter hinunter. Kurz vor der Landesstraße erreichen wir den Startpunkt Kronensee Wellingholzhausen, wo wir scharf rechts abbiegen. Von nun an folgen wir  dem Schau-ins-Land-Weg X25. Dafür verlassen wir die Fortstraße und folgen einem wunderschönen Fußweg durch den Wald und über die Hase, die heute wieder am Kronensee vorbeigeführt wird. Mit Überschreiten des Haseflüssleins gelangen wir auch wieder von Dissen-Nolle nach Melle-Wellingholzhausen. Der X25 umrundet quasi den Kronensee mit seiner kleinen Ferienhaussiedlung und beginnt dann in der Nähe der Einkehrmöglichkeit Waldschänke (Besuch sehr lohnenswert!) wieder hinaufzusteigen auf den Bietendorfer Berg.

Im Gegenlicht: Blick von der Schützenstraße zurück nach Süden zum Dissener Aussichtsturm

So kommt man zur Schützenstraße, die natürlich so heißt, weil man mit ihr zum Wellinger Schützenhaus gelangt und weiter zu St. Bartholomäuskirche im Dorfmittelpunkt. In der Nähe sind selbstverständlich weitere Einkehrmöglichkeiten wie das Gasthaus Schrage oder das griechische Restaurant Hellas, beide mit Möglichkeiten zum Draußensitzen, wie das Wanderer so schätzen. Auf jeden Fall hat man sich eine Pause verdient, um diese wunderschöne Tour im Nordhang des Teutoburger Waldes ausklingen zu lassen und die vielen Eindrücke zu sortieren.

Mit nur wenig anderer Streckenführung wird die Tour auch im Rother Wanderführer „Teutoburger Wald“ beschrieben und auch als TopTour besonders hervorgehoben:

Bakum, Waldbühne, TERRA.track Meller Balkon

Wanderparkplatz Waldbühne (fürs Navi: Melle, Zur Waldbühne 31)

TERRA.track Meller Balkon (ca. 9,4 km; ca. 2¼ Std.)

GPSies - Bakum, Waldbühne, TERRA.track Meller BalkonDie Wanderung auf dem TERRA.track, wie jetzt die Wanderwege im Naturpark TERRA.vita heißen, beginnt mit einer Verwirrung. Neben dem Rundweg Meller Balkon gibt es auch den Aussichtspunkt Meller Balkon über dem ehemaligen Berghotel. Beide haben aber nichts mit einander zu tun, das heißt, der Wanderweg kommt nicht am Aussichtspunkt vorbei, der wortspielerisch auch Mellevue genannt wird.

Vom Parkplatz Waldbühne geht es zunächst etwas in Richtung des Freilufttheaters. Von der Bergstraße kann man schon einen schönen Ausblick nach Westen genießen. Schon vor der Waldbühne biegt man aber der guten Wegekennzeichnung folgend nach links ab. So kommt man hinauf zum Sonnenweg, der nachmittags und abends seinen Namen zurecht trägt. Zur Rechten den Wald der Meller Berge, zur Linken die Aussicht über die weite Ebene nördlich von Melle, so lässt es sich angenehm spazieren.

11/11
Blick vom Sonnenweg am Morgen

Schon bald erreicht man eine größere Kreuzung, und zwar mit der Bergstraße. Hier biegen wir nach rechts in den Wald ein. So überqueren wir schon einmal den Zwickenbach und kommen in das schöne gleichnamige Tal. Der unbedingt empfehlenswerte Naturerlebnispfad Zwickenbachtal wird nur kurz tangiert, denn der liegt unten am Bach und unser TERRA.track führt etwas oberhalb durch das kleine Tal. Man sollte für den Zwickenbach also noch einmal wiederkommen.

Oberhalb des Zwickenbachtals liegen die sogenannten Römerschanzen, im Gelände aber nur für das geübte Auge erkennbar. Der Wanderweg Meller Balkon entfernt sich dann mehr und mehr vom Zwickenbach, denn es beginnt der Aufstieg zum Adolfsberg. Innerhalb der Meller Berge ist der Adolfsberg mit seinen ca. 220 Metern die höchste Erhebung. Wir erreichen aber nicht ganz den Gipfel, denn wir biegen kurz vorher nach Westen ab zum Osttor des Wildparks. Sollte im Winter das Tor geschlossen sein, kann man um den Park herumgehen.

Von Ost nach West durch den Widschweinpark

Heute spazieren wir aber durch den bekannten Meller Wildschweinpark und es ist sehr wahrscheinlich, wirklich auf ein paar Schwarzkittel zu treffen. Deswegen sind auch Hunde auf dieser Tour nicht erlaubt. Die Bachen mögen keine Hunde und sind teilweise recht angriffslustig, wenn Frischlinge dabei sind.

Der Weg führt schnurgerade hinüber zur Zufahrtsstraße für die Diedrichsburg, wo auch unser Weg uns hinführt. Unterwegs kann man sich mit den neuen Tafeln des Wildschweinlehrpfads bilden. Oben an der Burg hat man sich schon einmal eine Pause verdient. Man sollte aber vorher die Öffnungszeiten der Gaststätte Maximilians in der Burg überprüfen.

An der Burg biegen wir rechts ab und gehen hinunter zum Wanderparkplatz Wildpark / Westtor. Man könnte jetzt links direlt zum Weberhaus abbiegen. aber der TERRA.track dreht noch eine kleine Zusatzrunde und so wenden wir uns auf dem Sträßchen Knapsbrink nach rechts, also nach Norden. Um so weiter man sich von dem Meller Berg entfernt, um so feuchter wird die Gegend. Stellenweise sieht es mehr aus wie in einem feuchten Auwald. Ein kleiner Bach begleitet den Weg und führt hinunter in die Sielheide.

An der nächsten Wegekreuzung gehen wir dann aber links zurück. Auf teilweise kleinen Wegen geht es durch Knappsbrink und Pracherbrink zum Weberhaus. Neben dem Wanderparkplatz Weberhaus gibt es hier auch das schöne Ausflugsrestaurant.

04/14
Am Sonnenweg: Besuch am Baum am Sonnenweg

Der Rest des Weges führt genussvoll über den Sonnenweg und noch einmal den Zwickenbach überquerend wieder zurück zum Parkplatz an der Waldbühne.

Da doch einige Steigungen vorhanden sind, wird man ca. 2¼ Stunden reine Gehzeit einplanen müssen. Dazu kommen dann noch die Einkehrzeiten.


Gesmold, Bifurkation, Gesmolder Ringweg, Etappe „Bifurkation – Wiedebrocksheide“

Wanderparkplatz Bifurkation (fürs Navi: Melle, Allendorfer Str. 52)

Gesmolder Ringweg, Etappe „Bifurkation – Wiedebrocksheide“, ca. 6,3 km; ca. 1½ Std.

Der Gesmolder Ringweg, also die große Runde um den Meller Stadtteil Gesmold, taucht bei WandererMartin schon einmal auf, nämlich die Etappe vom Dratumer Wald zur Bifurkation. Heute geht es weiter – von der Bifurkation an der Grenze zu Dratum-Ausbergen bis zur Wiedebrocksheide.

GPSies - Gesmold, Bifurkation, Gesmolder Ringweg, Etappe „Bifurkation – Wiedebrocksheide“Man beginnt also an der berühmten „Flussteilung“ in Hase und Else. Die Anlage wird vom Heimatverein Gesmold in hervorragendem Zustand gehalten. Wenn man sich an der Bifurkation und dem dazugehörenden Lernstandort genug umgesehen hat, geht es weiter duch die Feuchtwiesen und über Hase und Else, bis man den Ortsrand von Gesmold erreicht.

Welsh-Black-Rinder helfen bei der naturnahen Beweidung an der Bifurkation

Man überquert die Gesmolder Straße und spaziert dann an der Else entlang, die hier schon erstaunlich groß geworden ist. Auf der anderen Flussseite befinden sich die Anlagen von Viktoria Gesmold mit dem noch relativ neuen Kunstrasenplatz.

An der nächsten Else-Brücke biegt man aber rechts ab und verlässt so das Flüsschen. An der Sporthalle vorbei kommt man zum Bürgerhaus Gesmold. Dies ist der übliche Startpunkt für den Gesmolder Ringweg. Über die Straße An der Else geht es etwas bergauf. So erreicht man die Papenbreede und hier geht es links ab in Richtung der St.-Petrus-Kirche, die noch immer inmitten des Friedhos liegt. Dieses kulturhistorische Kleinod, mit richtigem Namen Sankt Petrus ad Vincula (Sankt Peter in Ketten), eine der seltenen Rundkirchen, tatsächlich ein Zwölfeck, wird im Osnabrücker Land viel zu wenig gewürdigt. Der Architekt Quaet-Faslem orientierte sich hier am römischen Pantheon.

Hinter der Peterkirche erreicht und überquert man über die Straße Zur Femlinde wieder die Gesmolder Straße, die Hauptstraße des Ortes, die auch die Verbindung nach Melle herstellt. Die Femlinde ist ein mittelalterlicher Gerichts- und Versammlungsort, der heute noch das Wappen des Stadtteils ziert. Im Ortskern gibt es auch verschiedene Einkehrmöglichkeiten.

Das kleine Wäldchen auf dem Loh von Süden aus

Oberhalb der Hauptstraße geht es über die Lohstraße durch eine große Siedlung weiter bergan zum Loh, der höchsten Erhebung in Gesmold. Hier oben kann man gut Rast machen. Noch immer ist auf der Hügelkuppe ein Loh, ein kleines Wäldchen. Die Aussicht nach Melle und ins schöne Wellingholzhausen wird durch Infotafeln erklärt.

Hat man sich alles angeschaut, geht es südlich des Lohs hinunter. Die Funkanlage auf dem Bornsbrink, dem ehemaligen Flugplatz des Generals Montgomery zieht den Blick auf sich. Mit einem Links-Rechts-Schwenker kommt man durch die Bauernschaft Wennigsen hinunter zur Allendorfer Straße, der L108.

Der kleine Häuserdrubbel hier unten ist der Kuckuck. Über die kleine Straße Am Kuckuck geht es über den Strothbach und weiter auf Wellingholzhausen zu. Am Rechtsknick des Sträßchens gehen wir aber geradeaus weiter und erreichen so den Parkplatz Wiedebrocksheide. Heute ist die Wiedebrocksheide ein großes Waldgebiet.

Von hier aus führt der Gesmolder Ringweg zurück nach Wennigsen und weiter zum Schloss Gesmold führt.

 

 

 

Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Stadtökologischer Lehrpfad Melle-Wellingholzhausen

Wanderparkplatz Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes) (fürs Navi: Melle, Am Ring 18)

Stadtökologischer Lehrpfad Melle-Wellingholzhausen (ca. 3,5 km; ca. ¾ Std.)

GPSies - Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Stadtökologischer Lehrpfad Melle-WellingholzhausenBis 2013 gab es in Melle, Neuenkirchen und Wellingholzhausen die Stadtökologischen Lehrpfade, die die interessierten Spaziergänger über ökologische Zusammenhänge und Besonderheiten im besiedelten Umfeld informieren sollten. Dann wurden die Informationstafeln abgebaut. In Wellingholzhausen ist eine Tafel Am Ring übriggeblieben, die auf die Vorteile der Fassadenbegrünung aufmerksam macht, aber auch eine Karte des gesamten Lehrpfades enthält. So kann man also einen Spaziergang auf den Spuren dieses aufgegebenen Projektes machen.

WP Wellingholzhausen (Kirche Haus des Gastes) 2 K

Nachdem man sich auf dem Kirchplatz mit dem Dorfbrunnen umgesehen hat, geht man auf der anderen Seite der Hauptstraße durch die Uhlandstraße in Richtung des Kath. Kindergartens. Direkt davor biegt man rechts ab zum Canisiusheim mit dem gegenüberliegenden Bürgerpark. Auf einer Runde durch den kleinen Park sieht man, dass der zu Unrecht nur ein Schattendasein im Dorf führt (siehe Beitragsbild ganz oben).

Man verlässt den Bürgerpark auf der nördlichen Seite und kommt wieder zur Hauptstraße Am Ring. Nun folgt man der Wellingholzhausener Straße dorfauswärts bis zur Tankstelle TCA. Dabei liegt zur Linken die große Siedlung Uhlemannsfeld und kurz vor dem Kreisel der namensgebende Hof. Am Kreisel geht es geradeaus weiter und dann am Ende an Grünabfallplatz und Kläranlage vorbei zur Altenmeller Straße. Unterwegs gibt es schöne Ausblicke auf das Dorf, den Beutling und die Umgebung.

Nun bewegt man sich am Industriegebiet entlang wieder Richtung Dorf. Kurz vor dem Erreichen des Rings biegt man aber noch einmal nach links ab und geht durch die Glatzer Straße zum Gelände des ehemaligen Meyerhofs. Ein Gedenkstein an der Ecke Sondermühlener Straße / Küingdorfer Straße erinnert an die wichtige Rolle des leider abgebrannten Hofes für die Geschichte des Dorfes. Leider gibt es auch nur noch kleine Reste der ehemaligen Feldsteinmauer, die ihren ökologischen Beitrag leisten konnte.

Von hier aus geht es hinunter Richtung Dorfmitte. An der Sparkasse biegt man links an der ehemalige Kirchhofsburg ein und erreicht so über Am Ring wieder den Ausgangspunkt Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes). Wenn jetzt das Interesse an Wellingholzhausen geweckt wurde, kann man viele, viele Informationen beim Beitrag „Ein Gang durch das Dorf“ nachlesen.


Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Ein Gang durch das Dorf

Wanderparkplatz Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes) (fürs Navi: Melle, Am Ring 18)

Ein Gang durch das Dorf (ca. 2,4 km, ca. ½ Std. reine Gehzeit)

In dem 1991 erschienenen Heftchen „Wellingholzhausen. Ein Informationshandbuch und Wanderführer“ veröffentlichte Otto Stieve auch einen kurzen Rundwanderweg, der dem Leser und Spaziergänger nebenbei die Geschichte des Dorfes und heutigen Meller Stadtteils Wellingholzhausen vermittelt. Es könnten noch einige Exemplare beim Heimatverein Wellingholzhausen vorhanden sein.

Anders als sonst auf WandererMartin wird hier der Text von Otto Stieve wiedergegeben und nur an wenigen Stellen gekürzt oder ergänzt. Im Ortskern von Wellingholzhausen hat sich auch nicht so viel verändert, so dass man den Spaziergang noch immer mit Genuss machen kann:

GPSies - Wellingholzhausen (Kirche / Haus des Gastes), Ein Gang durch das Dorf„Vor und hinter dem „Haus des Gastes“ stehen Parkplätze zur Verfügung. Die folgenden Erläuterungen sollen helfen, Wellingholzhausen auf einer Kurzwanderung näher kennenzulernen. Natürlich kann die vorgeschlagene Route nach Belieben verändert werden.

Das „Haus des Gastes“ ist ein der Dorfgemeinschaft und dem Fremdenverkehr dienendes Versammlungsgebäude, das etwa 400 Personen fasst. In ihm finden auch viele überörtliche Veranstaltungen statt. Es wurde 1981 fertiggestellt.

In der Nähe hat evtl. die 1090 erwähnte Eigenkirche des Meyerhofes zu Holthusen gestanden. Das ist zwar nicht bewiesen, doch in einer alten Karte sind hier, nicht weit vom östlich liegenden Meyerhof entfernt, der alte Pfarrhof, die Küsterei und die Schule eingezeichnet. Das lässt die Vermutung zu, dass sich noch vor der Entstehung des Dorfes hier ein kirchliches Zentrum für die verstreut liegenden sächsischen Höfe gebildet hatte. […]

Rechts sieht man die kath. St. Bartholomäus-Kirche, im Volksmund auch „Grönenberger Dom“ genannt, welche die Dorfsilhouette beherrscht. Der freie Blick auf das Gotteshaus mit der breiten Treppenanlage davor wurde dadurch möglich, daß die historische Kirchenburg zugunsten der Verbreiterung der Durchgangsstraße an dieser Stelle durch Häuserabriß aufgebrochen wurde.

Das dem „Haus des Gastes“ auf der anderen Straßenseite direkt gegenüberliegende große Haus ([..] Uhlandstraße 1) beherbergte früher eine Gastwirtschaft mit großem Saal im 1. Stock. Dieser Saal diente nach dem 2. Weltkrieg den vielen evangelischen Christen, die als Flüchtlinge und Evakuierte in das zuvor fast rein katholische Wellingholzhausen kamen, bis 1986 als Gottesdienstraum. […] Im Kellergeschoß des Hauses gibt es noch Reste der einst hier stehenden Knabenschule.

wellwapWir wenden uns nun nach links und gehen auf der Dissener Straße dorfauswärts. Das dem „Haus des Gastes“ benachbarte [ehemalige] Hotel Heilmann [heute Restaurant Hellas] (Dissener Straße 7) hat eine wechselvolle Geschichte. An der Stelle des jetzigen Neubaus stand früher das Hotel Dütting. Das Haus, welches jahrhundertelang große Bedeutung für Wellingholzhausen hatte, z.B. wurden in ihm viele notarielle Kontrakte abgeschlossen, gehörte im Mittelalter einer Familie Lepper. 1662 heiratete sich ein J. W Bitter ein, verwandt mit der Familie des schwedischen Erzbischofs Bitter aus Melle. 1815 vermählte sich eine Tochter des Hauses mit C. W. Dütting aus einer Osnabrücker Weinhandlungsfirma. Ein Sohn aus dieser Ehe übernahm 1853 das Geschäft des Großvaters, zu dem neben dem Hotelbetrieb noch ein Manufakturwarengeschäft und eine Landwirtschaft gehörten. […] Der Betrieb wurde noch um eine Wachskerzenfabrikation erweitert; unter der Schwiegertochter kam spater noch eine Käseproduktion hinzu. Aus dem Wellingholzhausener Zweig der Familie Dütting, die mit vielen bekannten Firmen in Amsterdam, Berlin, Amerika u. a. verwandt war, stammt auch Carl Dütting, der 31 Jahre lang Dorfbürgermeister war. Daneben bekleidete er viele Ehrenamter in Vereinen, die oft erst durch seine Initiative gegründet wurden.

Er war auch Gründer und erster Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Wellingholzhausen. Einige Jahre war er auch Vorsitzender des Teutoburger-Wald-Vereins.

Das folgende Haus auf der gleichen Straßenseite ([..] Dissener Straße 9) steht etwa an der Stelle des alten Pfarrhofes (Ufr. Wedum, Wedeme), der sich am trockenen südlichen Hang des Dorfbaches befand. Die gegenüberliegende Straßenseite war noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine häuserleere, feuchte Bachniederung. Später stand auf jener Seite zwischen den Häusern […] Dissener Straße 4 und […] Dissener Straße 6 das „Spritzenhaus“ der Feuerwehr, das auch als kurzzeitiges Arrestgebäude diente.

Das nächste Haus auf der linken Straßenseite […], Dissener Straße 11, war im Mittelalter das letzte Haus am westlichen Dorfrand. Der Kirchweg aus den Bauerschaften führte hier über den heute verrohrten Dorfbach. Die Brücke wurde nach dem damaligen Besitzer des Hauses „Pulsbrücke“ genannt. in der sumpfigen Senke bachaufwärts gab es eine Reihe von sog. Reutekuhlen (Teiche zum Aufweichen des eingelegten Flachses). […]. Der Verkauf von selbstproduziertem Leinen (Gewinnen von Flachsfasern, Spinnen des Garnes und Weben der Tücher) war im Mittelalter eine wichtige Geldeinnahmequelle der hiesigen Bevölkerung.

Die Vorfahren des jetzigen Gastwirtes Schrage (Dissener Straße 15) richteten im vorigen Jahrhundert eine Gastwirtschaft ein. Vor dem Haus stand früher ein Schlagbaum, an dem die Benutzer der Straße nach Dissen, besonders die Salztransporteure von Bad Rothenfelde, Wegegeld zur Instandhaltung der Straße zahlen mussten. Später diente das Gasthaus auch als Postkutschenstation, zeitweise unter eigener Regie des Gastwirtes.

Auf dem Hang hinter dem Gasthof liegt das St.-Konrad-Altersheim (Grundsteinlegung 1950, später mehrere Erweiterungen).

Vor dem Gasthaus Schrage überqueren wir die Straße. Auf der linken Seite (Dissener Straße 12) liegt die ehemalige Mädchenschule. Eine Gasse führt an der Bushaltestelle vorbei zur Uhlandstraße, auf der wir, links abbiegend am Friedhof entlang, weiter dorfauswärts gehen. (Geradeaus führt ein heckengesäumter Weg zum Bürgerpark.) Die Straße geht hier an Grün- und Sportanlagen vorbei. Rechts im alten Pfarrgarten liegt der Kindergarten [St. Ursula] (1967/79 erbaut), links der Friedhof.

DSCF3725
Auf dem Friedhof

Ursprünglich fanden die Bestattungen an der Kirche statt. Um 1800 wurde die Beerdigungsstätte nach hier zur „Diekbrede“ verlegt. Sie wurde in späteren Jahren mehrfach erweitert. Zum 100jährigen Jubiläum der Kirche im Jahre 1961 wurde ein Kreuzweg, dessen Stationen als Grabdenkmäler über den gesamten Friedhof verteilt sind, erstellt. Das Friedhofskreuz stellt die 12. Station dar. Das andere Kreuz am Anfang der Heggenstraße stand ursprünglich […] an der Kirche. 1966/84 wurde die Friedhofskapelle erbaut.

 

Es folgen Turnhalle und Schulgebäude (erster Bauabschnitt 1955, später mehrere Erweiterungen) […]. Vor der Errichtung dieser Schule gab es mehrere ein- bis dreiklassige Schulgebäude über das Dorf verteilt. Im Gegensatz zu den Nachbarkirchspielen hat es aber in Wellingholzhausen niemals Bauerschaftsschulen gegeben.

Im Abstand von etwa 100 m liegen rechts zwei Sportplätze. Man sieht auch, wie der Ort durch die neuen Wohnsiedlungen immer mehr in die freie Landschaft hineinwachst. Die Siedlung hinter der Schule ist die erste Siedlung Wellingholzhausens. Vier Häuser wurden noch kurz vor dem 2. Weltkrieg fertiggestellt. Die übrigen entstanden nach 1950.

[Vor der neuen großen Turnhalle (Beutlingshalle, Einweihung 1991) biegen wir rechts ab und gehen um den Sportplatz auf die alte Hofstelle Bergmann zu. Davor biegen wir wieder rechts ab. Wenn man an der Beutlingshalle vorbeigegangen wäre, hätte man schön in die Uhlesenke mit dem Hof Lagemann schauen können. Der Hof steht in der Höfereihe des sächsischen „Ur-Wellingholzhausens“ beiderseits von Uhle und Osterbach.] Er lässt die Standortwahl jener ersten Rodungs- und Siedlungstrupps deutlich erkennen: Man siedelte an den Hängen der Flüsse und Bäche in Höhe des Quellhorizontes. Dort verfügte man über das notwendige Trinkwasser, konnte die Bachwiesen und Auewälder als Viehweiden nutzen und den etwas höher gelegenen, trockeneren Boden der flachen Landrücken beackern.

Uhlesenke vor Lagemann DSCF3729
Die Uhlesenke am westlichen Dorfrand, die älteste Siedlungsfläche in Wellingholzhausen

Der Hof Lagemann ist ein Vollerbenhof, d. h. er besaß die volle Berechtigung des Vieheintriebs und der Holznutzung im gemeinschaftlichen Wald- und Weideland (= offene Mark). Bei Bergmann handelt es sich um einen Erbkötter, deren Höfe in späterer Zeit auf dem Grund der älteren Höfe entstanden. Ihre Markennutzung war eingeschränkt.

Die beiden Bauernhäuser sind aus Sandstein aus den heimischen Steinbrüchen gebaut. Sie entsprechen also nicht mehr der Idealvorstellung vom Niedersachsenhaus aus Fachwerk. Natürlich gibt es solche Fachwerkhöfe noch überall im Kirchspiel, doch ihre aufwendige Instandhaltung veranlasste viele Hofbesitzer bei Renovierungen und Wiedererstellung (nach Bränden, Faulen der Holzständer usw.) andere Baumaterialien zu verwenden. (Bruch- und Backsteine/Klinker; verputzt und unverputzt.) Auch diese Häuser sind noch nach dem Grundschema des niederdeutschen Einheitshauses (Mensch und Vieh unter einem Dach) gebaut. Immer häufiger sieht man aber auch schon ein getrennt stehendes neueres Wohnhaus. Manche der alten Nebengebäude und Heuerlingshäuser sind abgerissen oder dienen heute anderen Zwecken. Langgestreckte, flache, klimatisierte Stallgebäude und Futter- und Güllesilos prägen heute das Gesicht moderner Höfe.

Nachdem wir die Borgloher Straße erreicht haben, wenden wir uns wieder dem Dorf zu. Das 10-Familien-Haus auf der linken Seite (Borgloher Straße 6/14) wurde nach dem 2. Weltkrieg zur Linderung der Wohnungsnot von der Gemeinde errichtet. Kurz vor der Einmündung der Borgloher- in die Wellingholzhausener Straße erkennt man rechts und links Gewerbebetriebe […].

Schaut man an der Einmündung in die Wellingholzhausener Straße nach links, so sieht man auf der rechten Straßenseite ein hochragendes wuchtiges Gebäude [..] (Wellingholzhausener Straße 109), eine ehemalige motorgetriebene Mühle. Ursprünglich stand hier die erste Wellingholzhausener Molkerei, die 1850 von 12 Genossen gegründet wurde und „Molkerei Grönenberg“ oder im Volksmund „Schmandkotten“ hieß. In einem Turm, der neben der Molkerei stand, wurde zu Beginn unseres Jahrhunderts das sog. „Benoid-Gas“ erzeugt, welches für die erste zentrale Straßenbeleuchtung des Dorfes verwendet wurde. 1918 kaufte Knemöller, dessen Vater die Windmühle in Kerßenbrock besaß, die Molkerei und belieferte täglich das Margarinewerk Homann in Dissen. 1920 eröffnete er einen Mühlenbetrieb, 1933 einigte man sich mit der 1893 gegründeten Genossenschaft der „Neuen Molkerei“ auf der „Wippe“ an der Küingdorfer Straße. Diese gab ihren Mühlenbetrieb, Knemöller die Molkerei, auf.

Der [ehemaligen] Mühle gegenüber erkennt man noch das typische niedrige, mit kleinunterteilten Eisenfenstern versehene Gebäude einer ehemaligen Dorfschmiede.

Vögedings Klause DSCF3734
Vögedings Klause

Dorfeinwärts links schaut man über das Hofgelände zum Haus Vögeding (Wellingholzhausener Straße 113), ein alter sächsischer Vollerbenhof. An der Hofauffahrt steht eine Sandsteinklus mit dem Standbild des hl. Markus.

Das Fachwerkhaus auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber mit dem angebauten zweistöckigen massiven Wohntrakt ([..] Wellingholzhausener Straße 112) besitzt eine große Bedeutung für die Geschichte Wellingholzhausens. Jahrhundertelang war es der Hof des Bördevogts Hupe des Klosters Iburg. Diesem Kloster waren viele Dorfname Höfe und fast alle Häuser des Dorfes, sofern nicht „schatzfrei“, hörig. Die Zehntscheune, in der die Abgaben für das Kloster gesammelt wurden, befand sich auf dem Hofgelände. Als der Bördevogt im Jahre 1699 zu seiner neuen Hofanlage auf der „Kalten Wehe“ zog, bewohnten viele Jahre die Kirchspielvögte sein altes Haus. Der Kirchspielvogt war ein Verwaltungsbeamter des Landesherren, also des Osnabrücker Fürstbischofs, während der Bördevogt ein höriger Bauer des Klosters war, für das er bestimmte Aufgaben erfüllen musste. Die Klause im Garten enthält eine Herz-Jesu-Statue.

Die folgenden Häuser sind alle erst um die Jahrhundertwende gebaut worden. […]

Das mittelalterliche Dorf begann erst mit dem etwas zurückliegenden Fachwerkkotten […] (Wellingholzhausener Straße 128). Dieser gehört zu den ältesten Häusern des Dorfes. Der hintere Teil ist über 400 Jahre alt, der vordere weist das Baujahr 1724 auf. Er ist als Erbkötterei Hupe des Vollerben Hupe (Bördevogt) entstanden.

Die Praxis […] Am Ring 2 befindet sich im Hause der ehemaligen Gaststätte Feldhaus, zu der auch ein großer, 1930 gebauter Festsaal […] gehörte, in dem nach dem 2. Weltkrieg regelmäßig Filmvorführungen stattfanden. Das „Kneipensterben“ und der Verlust größerer Veranstaltungsräume, typisch für viele Dörfer, hat also auch vor Wellingholzhausen nicht Halt gemacht. […]

Vor dem großen Brand von 1893 befanden sich auf dem Feldhaus-Grundstück (ehemals Rinklake-Laumann) vier kleine Hauser, in denen eine Gerberei und eine Tabakfabrik untergebracht waren.

Wir gehen an Apotheke (1862 erbaut; 1766 hört man erstmals von einem Apotheker in Wellingholzhausen, seit 1827 gibt es hier durchgehend eine Apotheke) und Post (1908 erbaut; 1813 wird erstmals das Postwesen in Wellingholzhausen erwähnt, ab 1857 besteht Postkutschen-, ab 1925 Autobusverkehr nach Melle) vorbei geradeaus weiter. Ein Blick den „Dorfbrink“ oder „Möllers Brink“ hinauf zeigt deutlich, dass die Kirche auf einem „Sporn“, einer auslaufenden Anhöhe, zwischen zwei sich bald vereinigenden Senken, erbaut wurde.

Erhöht schräg vor uns sehen wir das in seinem neoklassizistischen Stil zu den einprägsamsten Gebäuden Wellingholzhausens zählende ehemalige „Hotel Möller“. Erbaut wurde es vom „reichen Schröder“, der durch einen Lotteriegewinn sehr wohlhabend war. Während des Baus der jetzigen Kirche ließ er sich vom gleichen Baumeister auf dem elterlichen Anwesen ein großes Haus errichten, das 1861 vollendet war. Doch durch Spielschulden und betrügerische Machenschaften von Geschäftspartnern verarmte der Bauherr. Das Haus kam 1865 in Konkurs und wurde von dem Manufakturwarenhändler Petermöller, genannt Möller, der bis dahin im Hause am Kirchplatz 12 (Praxis […], vorher Gaststätte Schliehe) gewohnt hatte, gekauft. Dieser richtete darin 1884 ein weit und breit bekanntes Hotel ein, in dem u. a. 1894 Oberst von Hindenburg, der spätere Reichspräsident, übernachtete. Das Hotel blieb noch bis Ende des 1. Weltkrieges erhalten. Englische Besatzung nach dem 2. Weltkrieg, Erholungsheim für Berliner Kinder, Altersheim und jetzt wieder Privathaus […], das ist die jüngste Geschichte des Hauses.

Der ehemals „rieke Schrör“ wanderte 1865 nach Amerika aus und kam 1879 als armer Mann nach Wellingholzhausen zurück. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre bis 1884 [… im Hause Grottendiek] am unteren Ende von „Möllers Brink“ […]

Jetzt geht es den „Möllers Brink“ hinauf. Das Gebäude rechts auf der Mauer […] gegenüber, ist die ehemalige „Burgschule“.

Fachwerk 1775 DSCF3739
Das Fachwerk 1775

Das links etwas zurückliegende, mit dem Hotel Möller direkt verbundene Fachwerkhaus (erbaut 1775) steht auf dem Gelände des ehemals bedeutenden Hofes „Tom Borch“, ursprünglich auch als 2. Meyerhof bezeichnet. Er wurde wahrscheinlich durch den Abt des Klosters Iburg vom Meyerhof zu Holthusen abgeteilt und der 1248 selbständig gewordenen Pfarre zur wirtschaftlichen Unterstützung geschenkt. [Heute befindet sich im „Fachwerk 1775“ das Dorfgemeinschaftshaus von Wellingholzhausen, in dem der Förderkreis 1775, der Heimatverein und andere Kulturorganisationen ein breitgefächertes Programm organisieren.]

Wir betreten jetzt den Parkplatz hinter dem Chor der Kirche. Es handelt sich um den Thie oder Thieplatz, dem mittelalterlichen Versammlungsplatz der Dorfgemeinschaft. Vom Kirchplatz war er bis zum Bau der jetzigen Kirche im letzten Jahrhundert durch eine Häuserzeile getrennt. Auf der Mitte des Platzes stand wohl eine Linde, unter der man sich zur „Burstie“ traf, später ein kleines Häuschen für die Feuerwehrspritzen und dann eine Wasserpumpe. 1895 und zwischen den Weltkriegen wurde der Platz zu einer Gefallenen-Gedenkstätte umgewandelt. Seit Mitte der 50er Jahre dient er als Parkplatz.

Der Blick an der Sparkasse vorbei die Straße aufwärts fällt direkt auf [das Gelände des ehemaligen, aber jetzt abgebrannten und abgerissenen Meyerhofs zu Holthusen (Meyer zu Holsen, Dorfmeyer). Man ahnt die nahe Beziehung zwischen Meyerhof und Kirche. Die Schenkung vom Meyerhof und seiner Eigenkirche an das Kloster Iburg in den Jahren 1090 und 1091 gilt als erste sichere urkundliche Erwähnung Wellingholzhausens]. Der Meyerhof wurde der historische Ausgangspunkt der Siedlungsentwicklung des Kirchdorfes Wellingholzhausen. Auf von seinem Grundbesitz abgeteiltem Gelände wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Kirche gebaut, um die dann durch Ansiedlung von Kirchhöfern und Erbköttern das Dorf entstand.

landmaschinenausstellung-thieplatz-am-ring-819-20100911-14.jpg
In früheren Zeiten: Landmaschinenausstellung auf dem Thieplatz, Am Ring

Interessant ist die Geschichte einiger den Thieplatz einschließenden Häuser. Das hohe Haus auf der der Sparkasse gegenüberliegenden Seite ist die ehemalige „Kirchschule“ (Am Ring 14). In Sandstein gemeißelte Sprüche über den Eingängen erinnern noch an die frühere Funktion. Bis 1877 stand hier das Haus des Manufaktur- und Pferdehandlers Meyersohn, des einzigen Juden in Wellingholzhausen, der nach dem Verkauf seines Hauses an die Gemeinde nach Bielefeld zog.

Das längere Gebäude auf der anderen Straßenseite (Am Ring 36) beherbergte die Büro- und Lagerräume der Seifenfabrik Möllering. Eine Durchfahrt führte auf den Hofplatz, an dem die Siedehäuser standen. Dort wurden auch die Planwagen mit den Fertigprodukten beladen. Der Grundstock zu dieser Firma wurde 1875 gelegt. Der nördliche Teil mit einem heute leider entfernten Eckturm diente als Wohnung. 1921 wurde die Fabrikation nach Osnabrück verlegt (Tolochemie).

Das Haus daneben […] diente um die Jahrhundertwende kurzzeitig als Postgebäude.

Dem Neubau der Sparkasse (1966) musste das dort befindliche Speckmannsche Haus weichen. Der Vorbesitzer des Hauses, Gastwirt Belker, besaß eine eigene Bierbrauerei, die sich in einem Gebäude auf dem heutigen Parkplatz hinter der Sparkasse befand.

Das Haus daneben ([…] Am Ring 28) steht auf dem Gelände der mittelalterlichen Thieschmiede. […]

Die schmale Gasse an der Südseite (= Sparkassenseite) der Kirche zeigt die ursprüngliche Bauweise der Häuserzeilen der Kirchenburg: Dichtstehende, hohe, schmale, speicherartige Häuser, deren Giebel zur Kirche weisen.

Unser Weg führt […] durch diese Gasse und über den Kirchenvorplatz zum zentralen Dorfplatz, dem Kirchplatz im Innern der alten Kirchenburg.

Nordwand Kirche Kirchplatz DSCF3094
Die Nordwand der Kirche hinter dem Kirchplatz mit Dorfbrunnen

Die Vorgängerinnen der jetzigen Kirche, deren imponierend hohe Seitenwand die Südseite des Platzes beherrscht, standen ursprünglich im Zentrum des dreieckigen Kirchplatzes, der im Mittelalter als Friedhof diente. Dieser war allseitig von dichtstehenden Häusern, die teilweise durch unterirdische Gänge verbunden waren, umgeben. Die Straßen führten außen an den Häuserrückseiten vorbei. Nur wenige Zugänge führten auf den Kirchhof. Die Schutzfunktion einer solchen Kirchenburg-Anlage war aber sicherlich nur gering. Die Gebäude wurden von den Bauern des Kirchspiels als unbewohnte Vorratsspeicher errichtet. Die Gaststätte Raude, das Fachwerkhaus direkt vor der Kirchentreppe wurde z.B. noch lange „Treppenspieker“ genannt. Später wurden die Häuser von Handwerkern, Gastwirten und Kaufleuten bezogen, die diesen ständig aufgesuchten Mittelpunkt des Siedlungsbereiches zu Handel, Auftragsbeschaffung usw. nutzten.

Bis etwa 1800 diente der Platz als Begräbnisstätte. Dann wurden die Gräber eingeebnet. Der freie und zur Straße hin abfallende Platz diente über 100 Jahre als Spielplatz für Kinder, als winterlicher Ablageplatz für das Brennholz der Anlieger und als Kirmes- und Veranstaltungsplatz. 1934 wurden die darauf stehenden „Pius-“ und „Leo-Linden“, ebenso wie eine Lindenreihe an der gegenüberliegenden Dorfstraßenseite gefällt. Der Platz wurde völlig neu gestaltet. Er wurde durch aufgefahrene Erde begradigt, von einer Mauer umgeben, mit einer Rasenfläche versehen, von neugepflanzten Linden und Sträuchern umsäumt und mit einem Holzkreuz geschmückt. Dieses Kreuz trägt zur Erinnerung an das vom Papst ausgerufene „Heilige Jahr 1933/34“ noch heute diese beiden Jahreszahlen. […]. 1989 erfolgte die Umwandlung des Platzes zur heutigen Form. Das 8 m hohe Kreuz hat man auf dem Platz gelassen. Es mahnt auch heute noch vor Machtwahn und Gewaltherrschaft mit all ihren schrecklichen Folgen. Eine steinerne Platte an seinem Fuß erinnert an die Toten der Kriege.

Der heutige Platz soll in Fortsetzung der Funktion des ehemaligen Thieplatzes das Gemeinschaftsleben und die Kommunikation der Dorfbewohner fördern.

Der Dorfbrunnen bezieht sich in seiner Ausgestaltung auf den Namen Wellingholzhausen und dessen Versinnbildlichung im Ortswappen durch die Welle (für Welling [= Quelle]) und die Eicheln (für Holz). Der aufragende Steinblock steht auf einer aus neun Steinen zusammengesetzten Scheibe, Jeder dieser Steine repräsentiert eine der Bauerschaften der alten Samtgemeinde. Da Form und Anordnung der einzelnen Steine den realen Ortsteilen entsprechen, ist jeder klar benennbar. Die flächenhafte Darstellung der Bauerschaften unter der gemeinsamen Säule der Samtgemeinde soll auch daran erinnern, dass Wellingholzhausen um 1960 als „Mekka der niedersächsischen Kommunalpolitiker“ galt, die hier Aufbau und Struktur einer „Samtgemeinde modernen Stils“ studierten.

Amtshaus DSCF3544
Das ehemalige Amtshaus der Kirchspielvögte

Wieder sollen einige der umliegenden Häuser vorgestellt werden: Das ins Auge fallende Fachwerkhaus mit dem zum Platz gerichteten Mittelgiebel ([… Eisdiele Bei Uschi] Am Ring 14) war früher das Amtshaus der Kirchspielvögte. Als die Vogtei 1848 aufgehoben wurde, ging das Vogtshaus [in privaten Besitz] über.

Im Haus am unteren Ende dieser Häuserreihe (Am Ring 6) lebte lange Jahre der Buchbinder und Heimatdichter Georg Brinkmann.

Im Hause der Gastwirtschaft Lindenhof (Am Kirchplatz 20) befand sich vorher eine Tabakfabrik und eine Blaufärberei.

Auf der Diele des Hauses […] Am Ring 16 wurden bis 1866 die Gemeindeversammlungen abgehalten, die im Mittelalter auf dem Thie stattfanden. Das Haus gehörte damals dem Bäcker und Braunbierbrauer Altegreve.

Am Textilhaus Stock (heutiger Besitzer war Innenminister und stellv. Ministerpräsident des Landes Niedersachsen [auch Bürgermeister von Melle]) verlassen wir den Kirchplatz, überqueren die Straße und wenden uns sofort nach links in die „Alte Straße“. Es handelt sich um die frühere Hauptstraße, die ja außen an der Kirchhofsburg vorbeiführte. Die Rückseiten der Häuser zeigen zum Teil noch die typischen Kellergeschosse auf, die mit ihren dicken, früher zum Teil fensterlosen Außenwänden einen gewissen Schutz boten. Später waren darin oft kümmerlich kleine Viehställe untergebracht.

[… Dann begeben wir uns] in den Bürgerpark (1978 der Öffentlichkeit übergeben; vorher Wiesen und Gärten von Privatleuten und des alten Pfarrhauses; der mit Wald bestandene Teil ist der alte „Eickhoff“ des Pastorats). Von einer erhöhten Stelle (z.B. an der Pergola) aus sieht man noch einmal die geschlossene, burgartige Anlage des Kirchplatzes.

Bürgerpark DSCF3724
Im Bürgerpark

Links abbiegend passieren wir das „Canisiusheim“, das 1981/82 zum Pfarrgemeindezentrum und Kath. Jugendheim ausgebaute alte Pfarrhaus. Diese 1577/78 in der Dorfbachsenke erbaute Pastorat war ursprünglich an der Nordseite halbkreisförmig von einer Gräfte (= Wassergraben) umgeben, welche Ende des letzten Jahrhunderts zugeschüttet wurde. Das Pfarrhaus war mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden, dessen Wirtschaftsgebäude die noch heute gut sichtbare Raumgliederung des niederdeutschen Hallenhauses aufweist: Eine giebelseitige Einfahrtstür, eine große „Diele“ mit beiderseits aufgereihten Viehständen (heutiger Feierraum), ein am Ende der Diele von Außenwand zu Außenwand querverlaufendes „Flett“ (heutiger Kaminraum) und das aus mehreren nebeneinanderliegenden Wohnräumen bestehende „Kamerfak“ (heutige Küchenräume).

Über den Parkplatz an der Uhlandstraße (das längliche Haus daran war früher Kindergarten und Jugendheim) gelangt man nach Überqueren der Dissener Straße zum Ausgangspunkt am „Haus des Gastes“ zurück.“