Oberstdorf-Tiefenbach, Breitachklamm, Langer Rundwanderweg

Startpunkt Breitachklamm (für Navi: Oberstdorf-Tiefenbach, Klammstr. 47)

Langer Rundwanderweg (ca. 5,7 km, ca. 2¼ Std. Gehzeit, ca. 305 Höhenmeter ↑↓)

WandererMartin mag die tiefen, engen Klammen, in denen das Wasser brodelt, braust und zischt. Deswegen gibt es auf diesem Blog auch schon Beschreibungen von Wegen durch die Almbachklamm, die Gilfenklamm, die Baybachklamm, die Tscheppaschlucht und die Höllentalklamm. Mit der Breitachklamm kommt jetzt ein weiteres Highlight hinzu.

Die Breitachklamm ist eine der ältesten Touristenattraktionen im Allgäu. Schon in den zwanziger Jahren strömten hier 100.000 Menschen pro Jahr durch, heute sind es ca. 300.000 Besucher. Bei unserem Besuch goss es in Strömen, was in der Klamm überhaupt nicht schlimm war, das Wildwasserschauspiel eher noch verstärkte, und vielleicht war es deswegen überhaupt nicht voll.

Anfangs zeigt sich die Breitachklamm noch recht geruhsam

Wir betreten die Klamm kurz hinter dem Kassenhäuschen bei Tiefenbach, dem sogenannten Unteren Eingang. Die Schlucht wird schnell enger und tiefer. Man sagt, dass es die am tiefsten eingeschnittene Klamm Mitteleuropas ist. Die Breitach donnert zwischen über 100 Meter hohen, senkrechten, teilweise sogar überhängenden Felswänden vom Kleinwalsertal ins Allgäu. An der schmalsten Stelle stehen die Wände nur zwei Meter auseinander. Aber Stege und Treppen und in den Fels gehauene Pfade ermöglichen die gefahrlose Durchwanderung, immer leicht bergan.

Dann wird es schnell spektakulär

Kurz vor dem Ende der Felsenschlucht sieht man hoch über sich einen Metallsteg, der die Klamm überquert. Das ist der Zwingsteg, den wir auch bald begehen werden. Denn nach dem Oberen Ausgang gibt es eine Treppe, die hinauf zu diesem Weg und der kleinen Brücke über die Klamm führt. So hat man noch einmal einen schönen Blick hinunter.

Blick vom Zwingsteg in die Breitachklamm

Dann geht es noch ein bisschen durch den Wald, bis man rechts in den Sesselweg einbiegt. Dieses asphaltierte Sträßchen führt uns zur Alpe Dornach. Hier sollte man nicht vorbeigehen, denn Essen und Ambiente sind spitze. Danach geht es über den Sesselweg weiter bergab, schöne Ausblicke in die Allgäuer Berge inklusive, wieder in den Wald und über die Starzlach zur Klammstraße.

Allgäuer Idylle am Sesselweg

So erreicht man wieder den Parkplatz Breitachklamm am gleichnamigen Gasthaus.

Ein paar Impressionen zur Breitachklamm gibt es in diesen beiden schön gestalteten „Eskapaden-Bänden“.

Oberstaufen-Steibis, Bergstation Imbergbahn, Premiumwanderweg Alpenfreiheit mit Abstecher zum Falken

Startpunkt Bergstation Imbergbahn (fürs Navi: Talstation Imbergbahn, Oberstaufen-Steibis, In der Au 19)

Zweitägige Rundwanderung auf dem Premiumwanderweg „Alpenfreiheit“ mit Abstecher zum Falken (ca. 20,1 km, ca. 6¾ Std. Gehzeit, ca. 900 Höhenmeter ↑↓)

Dieser herrliche Premiumwanderweg Alpenfreiheit im Oberallgäu dreht eine Runde im Naturpark Nagelfluhkette. Man durchwandert das größte geschlossene Alpgebiet Bayerns. Alpe ist hier der Begriff für die Alm mit ihren Bergweiden und unendlich vielen Rindviechern und ihren Glocken. Sportliche Wanderer sollten die Tour auch problemlos an einem Tag in der zur Verfügung stehenden Zeit schaffen, also zwischen erster und letzter Gondel der Imbergbahn. Verteilt man die Tour aber auf zwei Tage mit Übernachtung in der Falkenhütte wird eine echte Genusstour daraus.

Von der trubeligen Bergstation geht es hinunter in das Gebiet der Bergmoos-Alpen. Wir passieren die Obere Bergmoos-Alpe und es wird sehr schnell ruhiger. Hinter der Remmeleck-Alpe (mit Einkehrmöglichkeit) biegen wir nach rechts ab. In südlicher Richtung geht es weiter bergab, bis man den Lanzenbach erreicht, der nicht viel weiter im Osten in die Weißach mündet.

Man kann den Lanzenbach sicher auf einer stählernen Brücke überqueren. Mehr Spaß macht es natürlich, die Stahlseile zu benutzen und zum anderen Ufer zu balancieren – mit viel Gepäck eine schöne Gleichgewichtsübung.

Alles liebevoll hergerichtet auf der Oberstiegalpe

Da der Lanzenbach hier auf ca. 1000 Meter die tiefste Stelle der Tour markiert, geht es von nun an fast nur noch bergauf. Man durchquert das Gebiet der Stieg-Alpen. Zunächst passiert man die Mittlere Stieg-Alpe, dann dreht der Weg eine Schleife hinauf zur Oberen Stieg-Alpe. Man hat jetzt ungefähr vier Kilometer zurückgelegt und sollte die Chance nutzen, in diesem liebevoll geführten Berggasthof einzukehren. Hier schmeckt alles so lecker, dass man sich viel Zeit lassen kann.

Schließlich verlässt man die Alpe in südwestlicher Richtung  und erreicht hinter der Weide einen lichten Wald aus alten und sehr alten Bergahornen. Die gewaltigen und bizarren Gestalten scheinen sich hier am oberen Ende der Laubwaldzone sehr wohl zu fühlen.

Mehrere gewaltige Bergahorne säumen den Wanderweg

Hinter dem Wäldchen markiert der nächste Weidezaun den Wechsel zur Schneeloch-Alpe. Direkt an diesem Zaun verlassen wir den gut ausgeschildeten Premiumwanderweg Alpenfreiheit und nehmen die Stufen hinauf zur Falkenhütte. Der Weg ist richtig steil, aber es lohnt sich, denn oben erreicht man eine große Hütte mit hervorragender Küche und schönem Gastraum. Die Aussicht reicht bis zum Bodensee und über der Hütte trohnt der Falken auf der deutsch-österreichischen Grenze. Um die Hütte herum lebt eine große Rinderherde, die das Idyll komplettiert. Die Falkenhütte bietet sich also förmlich als Übernachtungsmöglichkeit an.

Am nächsten Morgen empfiehlt sich ein Aufstieg auf den Falken. Auf- und Abstieg sind relativ einfach und von oben hat man einen prächtigen Rundblick in alle Richtungen. Da man in einer Stunde zurück ist, kann man das schon vor dem Frühstück machen.

Der Rückweg zur Imbergbahn führt zunächst über die Zufahrtstraße der Falkenhütte Richtung Hörmoossee. Wir biegen aber vor dem See und Michaels Kräuter-Alp links ab, umrunden den See, der leicht versteckt in einer Senke liegt, mit etwas Abstand auf seiner Südseite. So gelangen wir zu den Häderich-Alpen und über die Grenze nach Österreich. Direkt dahinter befindet sich das große Almhotel Hochhäderich.

Hinter dem großen Parkplatz für den Skizirkus biegt ein Pfad rechts ab durch ein sehr schönes, moorartiges Gelände. Am Ende erreicht man das nette Alpstüble Moos, das man unbedingt noch einmal als Einkehrmöglichkeit nutzen sollte. Dahinter beginnt der Aufstieg auf der nördlichen Seiten des Lanzenbachtals.

Blick vom Kojen über das Lanzenbachtal zur Hochgratkette. Auch die Falkenhütte ist ganz hinten in der Mitte zu erkennen.

Man erklimmt den Kojen-Schichtkamm, das ist der nördlichste der drei Allgäuer Nagelfluh-Schichtkämme. Am Kojenstein hat man den Grat erreicht und kann weit über Oberstaufen in das Vorland bis zum Bodensee schauen. Auf der anderen Seite liegt hinter dem Lanzental die Hochgratkette mit den Falkenköpfen, unter denen man heute aufgebrochen ist.

Der hervorragend ausgeschilderte Wanderweg Alpenfreiheit bleibt nun fast bis zum Ende auf dem Kamm, der meist dicht bewaldet ist. Aber es gibt auch immer wieder Aussichten ins Lanzenbachtal. Man passiert das Steinerne Tor, einen alten Durchbruch durch den Grat, an dem das Nagelfluhgestein schön zutage tritt. Kurz dahinter wechselt man von Vorarlberg wieder nach Bayern und vom Kojen auf die Fluh, dem Hauptberg dieser Kette. Auch hier oben ist noch viel vom Bergwald übrig, der an den Hängen größtenteils für die Alpen gerodet wurde.

In der Einsattelung zwischen Fluh und Imberg erreichen wir nach einem recht steilen Abstieg unseren gestrigen Startpunkt, die Bergstation Imbergbahn. Sowohl an der Berg-, als auch an der Talstation gibt es Einkehrmöglichkeiten.

Marktschellenberg, Gasthaus Kugelmühle, Almbachklamm und Wallfahrtskirche Ettenberg

Parkplatz Gasthaus Kugelmühle (fürs Navi: Marktschellenberg, Kugelmühlweg 18)

Rundwanderweg Almbachklamm und Wallfahrtskirche Ettenberg (ca. 5,6 km, ca. 670 Höhenmeter ↑↓, ca. 2¾ Std.)

Die Almbachklamm befindet sich zwischen Marktschellenberg und Berchtesgaden. Hier hat sich der Almbach seinen Weg zur Berchtesgadener Ache gesucht und dabei tief ins Gestein eingeschnitten. Bis in die 1960er Jahre hinein wurden der Almbach und seine Klamm noch für die Holztrift verwendet. Heute ist die schmale Klamm durch Treppen und Stege hervorragend für die Touristen erschlossen. Zum touristischen Angebot des Berchtesgadener Landes gehören auch diese Videos über die Almbachklamm und die Kugelmühle:

Unsere Rundtour beginnt am Gasthaus Kugelmühle. Der Gasthof trägt seinen Namen zu Recht, denn hier befindet sich die letzte noch funktionsfähige Kugelmühle, in der die Marmorbrocken zu Kugeln der verschiedensten Größen gemahlen werden. Als Antriebsenergie wird das Wasser des Almbachs genutzt.

outdooractive indexKurz hinter dem Gasthaus befindet sich der Einlass in die Schlucht, wo das Eintrittsgeld genommen wird. Nun geht es leicht ansteigend durch die abwechslungsreiche Klamm. Der Pfad wird schnell schmaler, wechselt hin und wieder von der einen Seite auf die andere des Bachs und besteht bald überwiegend aus Treppen, Brücken, Steigen und Stegen. Sogar einen Tunnel gibt es. Der erste Weg wurde 1894 durch Kompanien des Ingolstädter Pionierbatallions angelegt. Die Wucht des Schmelzwassers führte aber immer wieder zu Zerstörungen und Neuanlagen.

Auch heute noch donnert Wasser aufsehenerregend durch die Klamm, bildet Teiche und Gumpen, umspült Felsen und Wände. Als Spaziergänger ist man aber so hoch über den Fluten, dass man allerhöchstens ein paar Spritzer abbekommt.

Niedriger Wasserstand in der am unteren Ende noch recht breiten Klamm

Unterwegs informieren Tafeln über die Anlage und Geschichte der Klamm, über das Gestein, über Flora und Fauna und immer wieder über die Holztrift.

Gut 1,5 Kilometer nach dem Kassenhäuschen erreicht man einen Abzweig nach rechts. Hier beginnt der weg hinauf nach Ettenberg. Man sollte aber zunächst noch ein paar Meter weitergehen, denn dann erreicht man bald den Sulzer Wasserfall. Hier stürzt der Sulzbach die Südflanke des Untersbergs hinunter und mündet in der Klamm in den Almbach. Hier gibt es auch Rastgelegenheiten.

Wenn man sich an des Kaskaden des Wasserfalls satt gesehen hat, geht man wieder zurück zum Abzweig. Es sei denn, man möchte noch weiter in die Klamm hineinwandern, z. B. bis zur Theresienklause, einem Wehr mit dem man den nötigen wasserschwall für die Trift erzeugen konnte. Am Abzweig nahe am Sulzbachfall beginnt nun der recht steile Anstieg zum Weiler Ettenberg. Viele Treppen erleichtern aber den Aufstieg. Der Weg führt komplett durch Wald und ist deswegen auch im Sommer schön schattig.

Wallfahrtskirche Ettenberg vor dem Untersberg

Oben angekommen tritt man aus dem Wald auf das Ettenberger Hochplateau und sieht zuerst die schöne Rokoko-Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung. Allerdings ist die Geschichte Ettenbergs wesentlich älter als die der Kirche, denn Vorder- und hinterettenberg gehören schon zu den Berchtesgadener Urgnotschaften des 14. Jahrhunderts.

Nach dem kräftigen Anstieg nimmt man besonders erfreut zur Kenntnis, dass sich direkt neben der Kirche der Mesnerwirt befindet. Hier hat man sich eine Rast verdient. Lage und Aussicht auf Untersberg, Göll und Hochkalter sind beeindruckend.

Hinunter geht es über den Hammerstielweg. Zunächst noch auf dem Plateau an einer Hecke entlang, geht es bald steil durch die Hammerstielwand hinab. Bald sieht man weit unter sich die Kugelmühle. Aber auch dieser Weg ist an den kritischen Stellen durch Geländer gesichert und durch Treppenstufen vereinfacht.

Unten angekommen hat man noch direkt am Parkplatz die Möglichkeit, die Füße im eiskalten Wasser des Almbachs zu erfrischen. Man kann sich natürlich auch einfach auf die Treppenstufen setzen und dem sprudelnden Wasser zuschauen und zuhören. Oder man besucht zum Abschluss das Gasthaus Kugelmühle.

Genauere Informationen findet man in diesem Jubiläums-Wanderführer aus dem Rother-Verlag (der Text ist eine Kopie aus dem Rother-Wanderführer „Berchtesgadener Alpen“):

 

 

Bergkurgarten Bayerisch Gmain, SalzAlpenTour Gmainer Rundtour

Wanderparkplatz Bergkurgarten Bayerisch Gmain (fürs Navi: Bayerisch Gmain, Alpentalstr.)

SalzAlpenTour „Gmainer Rundtour“ (ca. 8,5 km, ca. 600 Höhenmeter ↑↓, ca. 4½ Std.)

Zum SalzAlpenSteig mit seinen ca. 230 km gehören mehrere sogenannte SalzAlpenTouren, in der Regel Rundwege, die für eine Tagestour gut geeignet sind. Sie verwenden dasselbe Wegezeichen wie der Fernwanderweg, allerdings nicht grün, sondern blau gezeichnet. Die Salzalpentouren sind allesamt auch zertifizierte Premiumwanderwege.

Die Gmainer Rundtour ist solch eine SalzAlpenTour. Sie dreht eine Runde im Lattengebirge, dem nördlichen „Vorposten“ der Berchtesgadener Alpen.

outdooractive indexVom Bergkurgarten im Süden von Bayerisch Gmain geht es zunächst über einen gut ausgebauten Wirtschaftsweg leicht bergan. Zur Linken sieht man manchmal die Winterrodelbahn, zur Rechten die Wappach. Diese Gegend wird auch als Wanderzentrum Bayerisch Gmain bezeichnet.

Die Rundtour führt nah an den Gebirgsbach heran und schließlich auf die andere Seite. Dort wir der Weg zu einem schmalen Pfad, dem Alpgartensteig, der oberhalb der Wappbachschlucht recht steil ansteigt. Immer wieder hat man vom lichten Wald aus schöne Ausblicke auf das glasklare Wasser, das ins Tal plätschert. Schließlich führt der Weg direkt an und über einen der Quellbäche der Wappach, nämlich den Alpgartengraben. Hier ist ein schönes, natürliches Plätzchen für eine Pause – die Füße im kalten Wasser – die man sich nach dem Anstieg schon verdient hat.

Hat man sich etwas erholt, geht es weiter bergauf, jetzt auf dem Toni-Michl-Steig. Auch der steigt bald wieder kräftig an, denn es gilt, den Eichelberg mit seinem langgezogenen Sattel zu erklimmen und zu übersteigen. Es ist der schönste Teil der Strecke, zur Linken der felsige, westliche Abhang des Eichelbergs, an dem man sich hinaufschlängelt.

Sehr klein wirken die Wanderer in der urtümlichen Landschaft am Eichelberg.

Blick zurück mit dem Talkessel von Bad Reichenhall im Hintergrund

Schöne Ausblicke garnieren den Pfad, immer wieder übersteigt man kleine Wasserläufe und die Gegend wird immer steiler und felsiger. Schließlich hilft sogar eine Leiter über die letzten Höhenmeter zum Kamm.

Oben angekommen, der Eichelberg besitzt hier ein kleines Plateau, kann man ein Stück recht eben im Wald spazieren. Kurz vor dem eigentlichen Gipfel des Eichelbergs (1068 m) biegt die Gmainer Rundtour rechts ab. Nun geht es auf der Ostseite kräftig bergab, bis man den Weißbach erreicht und überquert. Unterwegs bietet diese Salzalpentour immer wieder schöne Fernblicke und auch Bänke, auf denen man rasten kann.

Verdiente Pause mit Fernblick über das zerklüftete Lattengebirge

Man folgt dem Weißbach bergab, also nach Norden. Der Gebirgsbach erweitert schnell sein Bett und es gibt mehrere Möglichkeiten, an das über Stufen zu Tal fließende Wasser heranzutreten, besonders in der Nähe der Brücke, über die man bequem wieder zurück auf die linke Seite des Flüsschens kommt. Ab hier wird der Weg auch wieder breiter und komfortabler, von alten Soleleitungen flankiert. Auf dem Maisrundweg geht man unter einer Eisenbahnbrücke hindurch und verlässt den Weißbach. Man erreicht die Außenbezirke von Bayerisch Gmain und schließlich auch den WP Bergkurgarten.

Wie alle Salzalpentouren ist der Weg hervorragend gekennzeichnet und wie alle Premiumwege zertifiziert und bepunktet. Die Gmainer Rundtour hat den sehr hohen Wert von 92 Punkten wegen der Schönheit und Natürlichkeit der Gegend und der Pfade, wegen der vielen Aussichten und des vielen Wassers eindeutig verdient. Nur eines fehlt unterwegs: eine Einkehrmöglichkeit. Dafür gibt es das schnöne Kneipp-Becken am unteren Ende des Wanderparkplatzes – auch sehr erholsam!


Pettendorf, Von Marquartstein auf den Hochgern und über das Hochgernhaus zurück

Startpunkt Pettendorf (fürs Navi: Marquartstein, Pettendorf 11)

Von Marquartstein auf den Hochgern und über das Hochgernhaus zurück (ca. 21,8 km, ca. 1353 Höhenmeter ↑↓, ca. 8¾ Std. plus Einkehrpausen / Übernachtung)

Der Hochgern ist mit seinen 1748 Metern und seiner relativen Alleinlage (Schartenhöhe fast 1000 m) ein beliebter Ausflugs- und Aussichtsberg in den Chiemgauer Alpen. Er kann von Unterwössen recht einfach begangen werden, wir aber wählen die einsamere, naturbelassenere, viel schönere und viel anstrengendere Variante über Schnappenkirche und Staudacher Alm.

Wir starten im Marquartsteiner Ortsteil Pettendorf, denn hier gibt es mit dem Weßner Hof eine gute Übernachungsmöglichkeit mit einem sehr guten Restaurant. Da es auch einen großen Parkplatz gibt, kann man hier gut starten.

Vom Startpunkt Pettendorf aus geht es an die nahe Tiroler Achen. Auf dem ebenen Deich des größten Chiemsee-Zuflusses wandert man nach Süden, eine gute Gelegenheit sich „warmzuwandern“. Mithilfe einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke wechselt man auf die andere Flussseite und erreicht dann bald den alten Ortskern von Marquartstein. Schon länger hat man die Burg Marquartstein im Blick, die schon um die Jahrtausenwende gegründet wurde.

Burg Marquartstein 20200717_094852
Burg Marquartstein unter den Wolken

Mit der Burgstraße beginnt die Steigung, zunächst den Burgberg hinauf zum großen Wanderparkplatz Marquartstein im Wald oberhalb der Burg. Er ist der wichtigste Wanderparkplatz für das gesamt Hochgerngebiet (ca. 630 m).

outdooractive indexUm nicht auf den falschen Weg zu gelangen, verwendet man am besten die GPS-Daten, zumindest aber folgt man der Beschilderung zur Schnappenkirche – nicht zum Hochgern. Dann käme man auf den üblichen Aufstiegsweg, den wir aber vermeiden wollen. Wir folgen auch nicht dem Schild „Alle Wanderwege“, sondern biegen genau hier links ab. Der gut zu begehende Wirtschaftsweg beginnt im Wald anzusteigen. Schließlich erreicht man mit der Schnappenkirche einen ersten Höhepunkt der Tour auf ca. 1100 Metern. Die barocke Kapelle liegt auf einem Sporn des Schnappenberges und der Vorplatz bietet eine fantastische Aussicht über den Chiemsee, hier sollte man also unbedingt eine längere Rast einlegen.

Hinter dem Kirchlein führt der Weg weiter durch den Wald. Er verläuft jetzt wesentlich flacher, so dass man schon nach einer guten halben Stunde die urige Staudacher Alm (1150 m) erreicht. Auf der Terrasse vor der Almhütte sollte man noch einmal eine längere Pause machen, denn diese gemütliche Einkehr ist die letzte „Verpflegungsstation“ vor Gipfel und Hütte des Hochgern. Vor allem aber ist dies ein zauberhaftes Plätzchen. Man sieht auf die Wiesen, die man gleich durchqueren kann, aber auch auf die gewaltige Wand von Horchlerch und Zwölferspitz.

Gut gestärkt kann man den sehr steilen Aufstieg in Angriff nehmen. Hinter der von Murmeltieren bewohnten Bergwiese steigt der Weg im Winkel zwischen der genannten Wand und dem Fuß des Hochgern in vielen, vielen Serpentinen bergauf. Man muss auf schmalem Pfad über viele Blöcke steigen, kleinere Pausen lohnen sich aber immer wieder, denn hinter dem Wanderer eröffnet sich immer wieder Blicke über die Staudacher Alm, die Chiemgauer Alpen oder das „Bayerische Meer“.

Blick auf den Chiemsee 20200717_142119
Blick hinunter zum Chiemsee, die Wiesen links gehören zur Staudacher Alm

Schließlich öffnet sich ein freies Gelände und die Steigung des Wegs lässt deutlich nach. An einer „T-Kreuzung“ der Bergpfade überwindet man die Versuchung, direkt nach rechts zum Hochgernhaus zu gehen, sondern nimmt in östlicher Richtung den Gipfelanstieg in Angriff. So erreicht man das Gipfelkreuz auf dem Hochgern und kann die Rundum- und Weitsicht bei einer verdienten Pause genießen. Der Hochgerngipfel liegt ungefähr mittig im gesamten Hochgernstock, der noch einige weitere, etwas niedrigere Gipfel zählt.

Nachdem man sich vom Anstieg erholt und die Aussicht genug genossen hat, geht man zunächst über denselben Wiesenpfad zurück, über den man den Gipfel erklommen hat. An der Verzweigung biegt man natürlich nicht nach Norden ab, sondern geht geradeaus weiter, direkt zum Hochgernhaus. Der Weg verläuft zunächst nah des Kamms, steigt dann aber stärker ab, so dass man die Einkehrmöglichkeit auf 1461 Metern erreicht. Hier kann man auch gut übernachten, um den Abend auf der Hütte zu genießen, wie wir es getan haben. Sportlichere Wandererer können auch weiter über den Normalweg absteigen.

Hochgernhaus 20200718_084309
Das Hochgernhaus im frühmorgendlichen Nebel

Wir machen uns dann nach dem Frühstück auf der Hütte an den restlichen Abstieg. Im Gegensatz zum gestrigen Aufstieg erscheint das Wandern auf dem geschotterten Wirtschaftsweg jetzt komfortabel, aber auch ein wenig eintönig. Vorbei an Enzianhütte und Moaralm undder größeren Agersgschwendtalm, weiteren Einkehrmöglichkeiten, geht es stetig bergab. Der Weg wird immer breiter, die Zahl der entgegenkommenden Wanderer und Mountainbiker steigt. Wir biegen nicht nach Unterwössen ab, sondern gehen weiter, bis wir wieder Marquartstein erreichen. Von hier gehen wir auf dem Hinweg zurück bis Pettendorf.


Im Rother-Jubiläumsführer und in Heinrich Baureggers Wanderführer zum Chiemgau gibt es diese Tour ab Marquartstein. Dort finden sich jeweils weitere Angaben, Karten usw.